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Stadt Hannover Das sind die Folgen des Unwetters in Hannover
Aus der Region Stadt Hannover Das sind die Folgen des Unwetters in Hannover
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20:44 27.07.2017
Die Ihme ist überflutet, das Strandleben steht unter Wasser. Quelle: Tim Schaarschmidt
  • Der Dauerregen von Montag und Dienstag hat zu zahlreichen Feuerwehreinsätzen geführt.
  • Nach den Regenfällen steigen die Flüsse an und sorgen in der Region für Überschwemmungen.
  • Radwege sind gesperrt, Freizeitveranstaltungen mussten abgesagt werden.

40 Einsätze bis Dienstagabend - danach entspanntere Lage

Bis Dienstagabend verzeichnet die Feuerwehr 40 Einsätze wegen des Dauerregens, vor allem müssen die Feuerwehrleute vollgelaufene Keller auspumpen. "Wir schauen jetzt an neuralgischen Punkten der städtischen Gewässer, wo möglicherweise Äste und Sträucher angespült werden und das Wasser stauen", sagt Feuerwehrsprecher Benjamin Pawlak. 

Hannovers Abwassersystem ist jetzt an der Grenze der Kapazität angelangt. "Die Regenwasserkanäle sind brechend voll", sagt Helmut Lemke von der Stadtentwässerung. Auch das Klärwerk in Herrenhausen arbeite am Limit.  "Das Wasser in den Gullis fließt nur langsam ab", sagt Lemke. Sollten weitere starke Regenfälle niedergehen, seien Überschwemmungen nicht ausgeschlossen.

Die Hermesallee in Laatzen war zeitweise überflutet. Quelle: Elsner

Radwege an der Leine überflutet

Die Radwege vom Schnellen Graben Höhe Maschsee bis zum Ihme-Zentrum sowie außerdem auf Höhe der Spinnereistraße sind überflutet und nicht benutzbar. Müllkörbe, die entlang des Weges stehen, sind durch das Wasser übergequollen, der Müll treibt im Wasser herum.

Donnerstagmorgen in Linden: Links das Ihme-Zentrum, rechts der vollkommen überflutete Radweg entlang des Glocksee-Parks. Quelle: Derlin

Kuhherde auf überfluteter Wiese in Limmer gerettet 

Rund 40 Kühe eines Bauern aus Limmer haben die Nacht zu Mittwoch auf einer überfluteten Wiese verbracht. Bauer Völxsen brachte die Tiere am Donnerstagmittag auf eine neue Weide in Herrenhausen. Dort sollen die Tiere wieder liegen und grasen können.

Eine Kuh hatte sich von der Herde gelöst und musste die Nacht im hüfthohen Wasser verbringen. Am Morgen wurde sie von Fußgängern aus dem Wasser gelockt und grasen derzeit erschöpft auf einer Insel.

Schwer getroffen hat es das Sportgelände der SG Limmer: Hier steht der Trainingsplatz nahezu komplett unter Wasser. Laut einem Vereinsmitglied falle das Training in nächster Zeit aus.

Hainhölzer Bad ist geschlossen

Dem Volksbad in Limmer droht eine Überschwemmung. Das Wasser könnte bei weiter steigendem Pegel in das Bad zu laufen. Mitarbeiter pumpten das Gelände derweil ab. Das Bad bleibt bis Freitag geschlossen.

Auch das Naturbad in Hainholz musste schließen: Die Wassermassen haben den empfindlichen biologischen Wasseraufbereitungsprozess durcheinander gebracht, die mikrobiologischen Höchstwerte im Badewasser wurden überschritten. Bis voraussichtlich Mitte der nächsten Woche wird das Naturbad geschlossen bleiben.

Herrenhäuser Gärten geschlossen

Die Stadtverwaltung schloss am Mittwoch den Großen Garten in Herrenhausen. "Die starken Regenfälle der haben die Wege so stark aufgeweicht, dass sie derzeit nicht begehbar sind", sagt Stadtsprecher Udo Möller. Auch das Kleine Fest im Großen Garten muss am Mittwoch ausfallen. Bereits zum dritten Mal kann das beliebte Kleinkunstfest in dieser Saison nicht stattfinden. Das Museum im Schloss Herrenhausen bleibt geöffnet, ebenso der Berggarten. Dort war der Eintritt am Mittwoch für den Rest des Tages als "Regenausgleich" frei.

Am Maschsee gehen die Aufbauarbeiten für das Seefest weiter, trotz aufgeweichter Rasenflächen am Rudolf-von-Bennigsen-Ufer. "Auf den Rasenflächen steht das Wasser, Pumpen sind im Einsatz", sagt Festorganisator Hans Nolte. Flurschäden ließen sich jetzt nicht mehr vermeiden, wenn Lastwagen Bauteile anliefern. Später werde man die Schäden reparieren.

Rad- und Kanutouren fallen aus

Auch die Sommerradtour, die für Donnerstag von der Region Hannover geplant war, ist abgesagt. 

Arg getroffen ist auch das Bundes-Radsport-Treffen das in dieser Woche in Hannover stattfindet und täglich Touren in die Region anbietet: Bereits Dienstag musste eine Fahrt ausfallen, täglich wird auf der Facebook-Seite über die aktuelle Lage informiert.

Der Kanuverleih an der Leine muss wegen des Hochwassers für eine Woche schließen.

Dacheinsturz in Wülfel

In Hannover Wülfel ist am Montag ein Flachdach unter Wassermassen eingebrochen. Bei dem Einsturz wurde niemand verletzt, vermutlich steht der betroffene Teil des Gebäudes an der Matthäikirchstraße leer. Die Feuerwehr war mit einer Drehleiter im Einsatz. Am Montagnachmittag waren die Mitarbeiter damit beschäftigt, das Gebäude zu räumen. Laut Feuerwehr war das Dach marode und konnte die Wasserlast nicht tragen. Bis auf weiteres bleibe die Firma geschlossen.

An der Matthäikirchstraße ist ein Flachdach unter den Wassermassen eingebrochen. Quelle: Christian Elsner

Springe stark von Dauerregen betroffen

Im südlicheren Niedersachsen hat der anhaltende Dauerregen in der Nacht zum Dienstag zu Überschwemmungen geführt. Besonders stark betroffen war Springe. Im Ortsteil Eldagsen trat ein Bach über die Ufer. „Da laufen reihenweise die Keller voll“, sagte THW-Sprecher Stefan Quentin.

120 Feuerwehrleute und das Technische Hilfswerk waren über Stunden im Einsatz. Immer wieder mussten sie Keller auspumpen, weil das Wasser zum Teil gleich wieder nachdrückte. „Mit Sandsäcken werden an dem Bach jetzt Dämme errichtet“, erläuterte Quentin. 

Auch das Wisentgehege Springe ist betroffen: Der Tierpark rät derzeit von einem Besuch ab, da die Wege und Tieranlagen unter Wasser stehen.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) reiste am Dienstag nach Springe, um sich über die Lage zu informieren und sich bei den Einsatzkräften für ihre Arbeit zu bedanken.

Ministerpräsident Stephan Weil informiert sich im Feuerwehrhaus in Eldagsen über die Lage. 

Nicht die erste Regenperiode in diesem Jahr 

In diesem Sommer haben schon zahlreiche Gewitter viel Regen mit sich gebracht. Besonders das Unwetter am 22. Juni hat für Überschwemmungen in Hannover gesorgt, das Guns-´N´-Roses-Konzert auf dem Messegelände musste unterbrochen werden.

Schon jetzt sei der Juli in Hannover deutlich feuchter als üblich. "Rechnen wir die zu erwartenden Niederschläge in den kommenden Stunden dazu, wird die übliche Juli-Niederschlagsmenge in Hannover um das Zweieinhalbfache übertroffen", sagt Meteorologe Scholz. Ohnehin sei der Sommer verregnet. 199 Liter pro Quadratmeter regne es in Hannover im Mittel, 237 Liter seien bereits gefallen.

Falls Sie nicht wissen, was Sie mit den verregneten Tagen anfangen sollen. Hier haben wir ein paar Tipps für Sie. 

kad/man/sbü/sp/ndz/sch/dpa

Nach drei Ausfällen wird das Kleine Fest am Wochenende wohl mit einem Defizit zu Ende gehen. So viele Ausfälle hat es bisher noch nie gegeben. Im Jahr 2018 werden die Eintrittspreise steigen, sagt Harald Böhlmann, der Leiter des Kleinen Fests.

Juliane Kaune 30.07.2017

Zahlreiche Passanten fahren an Überschwemmungsorte in der Stadt, um sich die Auswirkungen des Hochwassers vor Ort anzuschauen. „Wir müssen doch live verfolgen wie sich die Situation entwickelt“, sagt der leidenschaftliche Schwimmer Hans-Jürgen Henschel.

27.07.2017

Im Februar 1946 traf das Leine-Hochwasser das vom Krieg zerstörte Hannover ganz besonders empfindlich: Bis zu drei Meter hoch stand das Wasser in den Straßen. Eine Katastrophe für die Stadt, die sich in das Gedächtnis des ehemaligen HAZ-Redakteurs Dieter Tasch eingebrannt hat.

Conrad von Meding 27.07.2017