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Stadt Hannover Wie Abfallfahnder gegen den Müll kämpfen
Aus der Region Stadt Hannover Wie Abfallfahnder gegen den Müll kämpfen
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00:17 25.05.2017
Stefan Hencke bei der Arbeit. Quelle: Schaarschmidt
Hannover

Chaotisch übereinandergeworfene Müllbeutel stapeln sich an einem Baum an der Vahrenwalder Straße Ecke Seydlitzstraße. Direkt neben dem unansehnlichen Haufen steht ein Schild mit der Aufschrift „Schuttabladen verboten“. Man kann das übersehen – aber nur, wenn man es übersehen will. In blauen Mülltüten, die eigentlich für Papier gedacht sind, verwesen Restabfälle, während eine Taube von den aus den Müllsäcken gefallenen Essensresten frisst. „Das ist eine unserer Problemecken“, sagt Stefan Henke. Er ist einer von sechs Abfallfahndern bei dem für Stadt und Umland zuständige Abfallwirtschaftsbetrieb Aha.

Problemecke Vahrenwald

Zusammen mit seinen Kollegen versucht er, Verursacher von sogenanntem wilden Müll, also illegal abgelegtem Abfall, zu ermitteln. Dazu gehören auch besitzerlose Autos ohne Kennzeichen und Schrottfahrräder, die länger ungebraucht an einem Standort stehen.

Entlang der Vahrenwalder Straße reihen sich viele, von den Abfallfahndern als Hotspots bezeichnete, Problemecken aneinander. In regelmäßigen Abständen sieht man Bäume, an denen Dutzende Müllsäcke abgelegt wurden – unabhängig von den Abfuhrterminen. „Die Leute legen ihre Säcke vermutlich einfach auf dem Weg zur Bahn hier ab“, sagt Henke. Regelmäßig kommen die Abfallfahnder hier zum Einsatz, um den Bestand aufzunehmen. Die Verwaltungsvollzugsbeamten informieren dann die Kollegen der Sonderreinigungsgruppe, die den wilden Müll entsorgen.

Auch am Immengarten in der List ist Stefan Henke regelmäßig unterwegs. Hier finden sich gleich zwei Fahrzeuge ohne Kennzeichen. Der Abfallfahnder: „Das ist vergleichsweise wenig für diese Straße.“ Laut Henke werden die Fahrzeuge hier nur kurz „zwischengelagert“, bevor sie nach Osteuropa geliefert werden. „Manchmal komme ich am nächsten Tag wieder, und es stehen plötzlich andere, nicht angemeldete Autos an deren Stellen“, erzählt der 47-Jährige, während er einen roten Aufkleber ausfüllt. Diesen klebt er direkt auf die Frontscheibe des angerosteten Volkswagens. Einen Monat hat der Besitzer Zeit, das Fahrzeug zu entfernen – sonst wird es abgeschleppt.

2016 gingen über 32 000 Hinweise in der Aha-Zentrale ein. An rund 5300 Fällen arbeiteten die Abfallfahnder, bei einem Viertel davon konnten die Verursacher ermittelt werden. Den wilden Müll entdecken sie teilweise selbst auf ihren Fahrten oder durch Hinweise der Bürger. Auf die Beteiligung der Menschen sind sie auch bei der Aufklärung der Ordnungswidrigkeiten angewiesen. „Wenn wir im wilden Müll keine Anhaltspunkte des Besitzers finden, fragen wir bei den Anwohnern nach“, erklärt Henke beim nächsten Fall. Etwa drei Kubikmeter unangemeldeten Sperrmülls hat er bei einer früheren Fahrt an der Sven-Hedin-Straße entdeckt. In dem hölzernen Wohnzimmerschrank sind die Türscheiben zerbrochen, ein kaputter Wäscheständer liegt neben weiteren ungewollten Möbeln. Einen Hinweis auf den Verursacher, zum Beispiel durch eine weggeworfene Rechnung, findet sich nicht. „Hier werde ich später noch mal die Mieter fragen und hoffen, dass die etwas gesehen haben“, sagt Henke, der seit 2005 Teil der Abfallfahnder ist. Den Müllsheriffs geht es allerdings nicht darum, jeden zu rügen. „Wir arbeiten unter dem Motto: informieren, beraten und aufklären“. sagt Teamleiter Andreas Hübner. Manche würden nicht genau wissen, wie man Müll richtig trennt oder wo man diesen ordnungsgemäß ablegt. Deshalb lassen die Beamten häufig sprichwörtlich Gnade vor Recht ergehen und verwarnen nur mündlich.

50 Reifen – der Fund des Tages

Der größte Fund des Tages befindet sich in Marienwerder, nahe der Hollerithallee. Bis zu 50 Reifen wurden achtlos in einem abgelegenen Weg abgeladen. Die Sonderreinigungsgruppe muss wegen des größeren Fundes mit einem Lkw vorbeikommen. Fahnder-Kollege Sven Martin ist bereits vor Ort. Er ist zuständig für den nordwestlichen Bereich Hannovers. Martin findet, dass der wilde Müll in der Stadt zunimmt. „Die Intensität der Fälle ist deutlich gestiegen. Wo wir früher einmal wöchentlich anrücken mussten, werden wir jetzt zwei- oder dreimal gebraucht“, sagt der 45-Jährige.

Mittlerweile greifen die Beamten schon zu neuen Mitteln. So überlegt Aha, ihre Leute nun zur Observierung loszuschicken. Das heißt: An den Hotspots werden die Kernzeiten des Müllablegens erfasst und die Verursacher auf frischer Tat erfasst. Doch so lang keine weiteren Fahnder im Dienst sind, fehlten dem Abfallwirtschaftsbetrieb vorerst die personellen Kapazitäten.

Stefan Henke macht die Arbeit als Abfallfahnder Spaß. Zwar frustriere ihn manchmal das Desinteresse einiger Bürger, im Großen und Ganzen seien die Hannoveraner aber dankbar für die Abfallaufklärung. „Und dann geht man auch mit einem guten Gefühl nach Haus“, sagt Henke.     

Von Madeleine Buck

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