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Stadt Hannover Wie gut Mediation bei Familienstreit helfen kann
Aus der Region Stadt Hannover Wie gut Mediation bei Familienstreit helfen kann
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06:18 26.07.2017
Von Susanna Bauch
Güterichterin Sandra Spohr vermittelt bei gestörter Kommunikation: Bei der Mediation sind die Partner verantwortlich für das Ergebnis. Quelle: Villegas
Hannover

Die M.s einigen sich in vielen Punkten - nur nicht beim Thema Familienschmuck. Dabei geht es nicht allein um den materiellen Wert der großen Sammlung, sondern auch um viele emotionale Bindungen zu einzelnen Stücken.

Ein Fall für die Mediation - das „Güterichter-Verfahren“, sagt Familienrichterin Sandra Spohr. Sie ist am Amtsgericht eine von sechs sogenannten Güterichtern, die versuchen, familiäre Auseinandersetzungen außergerichtlich zu lösen, als Institution zwischen Schiedsstelle und Gerichtsverfahren. Das ist im ersten Halbjahr dieses Jahres besonders gut gelungen. „In 94 Prozent der Fälle konnten die Konflikte mittels Mediation gelöst werden“, betont Presserichter Jens Buck. Das sei für die Kontrahenten optimal und spare Aufwand sowie Kosten. Auch Peter und Monika M. haben das Thema Familienschmuck in der besonderen Atmosphäre des Mediationsraums gelöst. „Sie haben sämtliche Stücke mitgebracht, sie hier katalogisiert, Werte bestimmt und sich darauf verständigt, wer was bekommt - das meiste die Kinder“, sagt Spohr.

Als Erfolg verzeichnen die Güterichter aber auch schon, wenn ein Paar überhaupt wieder ins Gespräch kommt. „Ein Ehepaar hat zwei Jahre lang keinerlei Kontakt gehabt, erst bei uns haben sie wieder Worte gefunden“, so die Familienrichterin. Voraussetzung für eine Mediation seien Freiwilligkeit und aktive Teilnahme an der Lösung von Problemen. Anders als etwa bei einem Vergleich schlagen Güterichter keine Einigungsszenarien vor, „die Familien müssen alles selber erarbeiten und können sich nicht, wie in einer Gerichtsverhandlung, hinter ihrem Anwalt verstecken“, betont Spohr.

Im Schnitt drei mal drei Stunden nimmt sie sich den Fällen in der Mediation an. Dass es danach fast immer zu einer Einigung kommt, führt sie zum einen auf das größere Angebot und Engagement seitens der Gerichte zurück als auch auf die gestiegene Bereitschaft zur begleiteten Kommunikation. „Die Atmosphäre ist entspannter als im Gericht und der Güterichter begegnet den Kontrahenten mit offener Neugier“, sagt Spohr. Und ohne schwarze Robe. Auch nach einer Trennung bestehe in den meisten Familien noch viel Kontakt, oft wegen der Kinder oder des Unterhalts. „Diese Beziehung kann durch Konfliktlösung nachhaltig gestärkt werden.“ Und stets gilt: Die Partner sind verantwortlich für das Ergebnis.

Oft hilft beim Mediationsgespräch schon der Perspektivwechsel, der sich ergibt, wenn ein Paar vor der Güterichterin einmal genau zuhört. „Im Gerichtsverfahren ist wenig Platz für Emotionen, den schaffen wir hier“, sagt die Richterin. Und bei Spohr gibt es weder Gewinner noch Verlierer. Meist können bei einem Punkt sogar die Interessen aller gewahrt werden. Wie bei Monika und Peter M.: Der Schmuck bleibt in der Familie.

Moderation für Konfliktlösung

Seit gut fünf Jahren wird am Amtsgericht das Güterichter-Verfahren angeboten. Bei Familienprozessen liegt die Erfolgsquote im ersten Halbjahr bei 94 Prozent in 41 Verfahren, bei zivilrechtlichen Güteverfahren bei 64 Prozent in 39 Verfahren – wesentlich mehr als in den Vorjahren, wie Familienrichterin Sandra Spohr betont. Allerdings ist das nur ein Bruchteil der Gesamtverfahren, die beim Familiengericht bei mehreren Tausend pro Jahr liegen. Mittlerweile gibt es 13 aktive Güterichter – mit der geforderten Qualifikation zum Mediator –, die aber auch normale Gerichtsverhandlungen bestreiten.

In einem Mediationsverfahren tragen zunächst beide Streitparteien ihre Sicht der Dinge vor. Dann formulieren sie jeweils ihre Wünsche und erarbeiten Lösungsansätze. „Dabei hat der Mediator keine Verantwortung für das Ergebnis und macht auch keine konkreten Vorschläge zur Konfliktlösung“, betont Spohr. Er ergreift für keine Seite Partei, sondern kümmert sich darum, dass die Partner sich an einen Tisch setzen – und dann zu einer gemeinsamen Gesprächsebene und bestenfalls Lösung der Streitpunkte finden.

Grundsätzlich reichen drei Termine mit rund drei Stunden für das Moderieren und Erarbeiten einer Konfliktlösung. In das Mediationsverfahren gelangen nur Kontrahenten, die aus freien Stücken kommen und bei denen eine Aussicht auf Erfolg besteht. „Für eine komplett zerstrittene Familie bedarf es eines Psychologen“, betont Spohr. Eine Handvoll sogenannter Kummerfamilien gebe es daher immer. Am Amtsgericht werde das Güterichter-Verfahren mittlerweile regelmäßig angeboten. Die allermeisten Trennungen allerdings, so betont Spohr, seien einvernehmlich. sub

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