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Stadt Hannover Wie viel Wehrmacht steckt noch in Hannovers Kasernen?
Aus der Region Stadt Hannover Wie viel Wehrmacht steckt noch in Hannovers Kasernen?
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00:16 18.05.2017
Von Simon Benne
„Für die Ausbildung genutzt“: Die militärgeschichtliche Lehrsammlung in der Emmich-Cambrai-Kaserne bei ihrer Eröffnung 2009. Quelle: Florian Wallenwein
Hannover

Die Truppe gibt sich zugeknöpft. Zu dem, was sich hinter Hannovers Kasernenmauern derzeit abspielt, will sich offiziell niemand äußern: „Es handelt sich um eine interne Untersuchung“, sagt eine Bundeswehrsprecherin knapp, „daher bitten wir um Verständnis, dass die Ergebnisse zunächst auch intern erfasst und bewertet werden.“

Nach dem Skandal um den rechtsextremen Oberleutnant Franco A. hat der Generalinspekteur die Durchsuchung aller Bundeswehrgebäude nach Relikten der Wehrmacht angeordnet. In der Emmich-Cambrai-Kaserne dürften die Fahnder sofort fündig werden: Im Jahr 2009 wurde dort die „Militärgeschichtliche Lehrsammlung“ der Feldjäger mit Uniformen und Orden untergebracht - inklusive einem Trabi der DDR-Volksarmee und jenen metallenen Ringkragen, die Feldjäger in der NS-Zeit trugen. „Diese Exponate sind jedoch in ein militärhistorisches Konzept eingebunden, sie werden für die Ausbildung genutzt“, sagt Schulkommandeur Oberst Dirk Waldau.

Was gilt als Museumsstück?

In vielen Fällen dürften die Ermittler es schwer haben, denkmalgeschützte architektonische Relikte und Museumsstücke von glorifizierenden Devotionalien zu unterscheiden. In Hamburg wurde vergangene Woche ein Foto von Helmut Schmidt in der nach ihm benannten Bundeswehr-Uni abgehängt. Es zeigte den Altkanzler in Wehrmachtsuniform. Postwendend kritisierte Bürgermeister Olaf Scholz, man sei wohl „über das Ziel hinausgeschossen“. Ex-Verteidigungsminister Volker Rühe hält die Durchsuchungen für „Aktionismus“ und sieht die Truppe grundlos unter Pauschalverdacht gestellt.

„Die Wehrmacht ist in keiner Form traditionsstiftend für die Bundeswehr“ - so lautet die von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ausgegebene Parole. Doch ist das richtig? Oder zeigt sich da eher der Versuch, einen unliebsamen Teil der eigenen Geschichte zu verdrängen?

Debatte im Kasernennamen in Niedersachsen

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen will mehrere Kasernen in Deutschland umbenennen. Mehr als 20 sind bis heute nach Männern benannt, die in der Wehrmacht gedient haben. In Niedersachsen zählen zu Kasernen mit Bezügen zur NS-Zeit im Namen die Feldwebel-Lilienthal-Kaserne in Delmenhorst, die Lent-Kaserne in Rotenburg sowie die Schulz-Lutz-Kaserne und die Hindenburg-Kaserne in Munster. Die betroffenen Kommunen sollten in den Entscheidungsprozess einbezogen werden, sagt Jens Flosdorff, Sprecher des Verteidigungsministeriums.

In Hannover beschäftigt die Bundeswehr an etwa 20 Dienststellen dauerhaft rund 1200 zivile Mitarbeiter, 540 Berufs- und 475 Zeitsoldaten sowie etwa 90 freiwillig Wehrdienstleistende. Dazu kommen pro Jahr etwa 1200 Lehrgangsteilnehmer an der Feldjägerschule. Die Soldaten sind vor allem in der Scharnhorst-, der Kurt-Schumacher- sowie in der Emmich-Cambrai-Kaserne untergebracht. Diese ist nach dem Ort einer Schlacht von 1917 sowie nach General Otto von Emmich benannt, den Historiker für Ausschreitungen gegen die belgische Zivilbevölkerung im Ersten Weltkrieg verantwortlich machen.

Aufgebaut wurde die Bundeswehr fast ausschließlich von früheren Wehrmachtssoldaten wie dem in Hannover aufgewachsenen Ulrich de Maizière. Der Plan, die hiesige Feldjägerschule nach dem verstorbenen Bundeswehrgeneral zu benennen, wurde vor wenigen Jahren auf Eis gelegt - nicht wegen dessen Kriegsvergangenheit, sondern weil sein Sohn damals gerade Verteidigungsminister war; das hätte ein Geschmäckle gehabt.

Paradoxerweise zählten ausgerechnet alte Kriegsveteranen wie Ulrich de Maizière zu den Vätern des Konzepts der Inneren Führung. Dieses erhob den Soldaten als „Staatsbürger in Uniform“ zum demokratischen Leitbild, um dem Kadavergehorsam alten Schlages ein für allemal Grenzen zu setzen. Der große Traditionsbruch zwischen Wehrmacht und Bundeswehr ging gerade von jenen aus, die selbst die Kontinuität verkörperten.

„Man kann sich nicht aussuchen, in welcher Tradition man steht“

Wie glaubwürdig kann ein Verbot von Wehrmachtswaffen als Wandschmuck in Kasernen überhaupt sein, wenn Soldaten bis heute mit dem Maschinengewehr 3 ausgerüstet werden, das sich kaum vom MG 42 der Wehrmacht unterscheidet? Wenn das Wachbataillon beim Großen Zapfenstreich, dem Hochamt des militärischen Zeremoniells, den alten Wehrmachtskarabiner 98k präsentiert? Kann die Bundeswehr ihre Wehrmachtswurzeln überhaupt kappen?

„Man kann sich nicht aussuchen, in welcher Tradition man steht“, sagt der hannoversche Historiker Werner Trolp von der Deutschen Gesellschaft für Heereskunde. „Man kann sich seiner Vergangenheit nur stellen und versuchen, konstruktiv mit ihr umzugehen.“

Mehr als 17 Millionen Soldaten dienten in Hitlers Wehrmacht. Schon aufgrund ihrer schieren Größe lässt sich der Truppe alles attestieren; sie ließ sich durch entsprechende Auswahl der Quellen zum Hort des Widerstands schönreden oder als einziger Haufen rückgratloser Kriegsverbrecher verurteilen. Heute haben Historiker die langlebige Legende von der „sauberen Wehrmacht“ längst widerlegt: „Als Organisation kann sie keine Vorbildfunktion für die Bundeswehr haben“, sagt Trolp. Gleichwohl habe es in ihr vorbildliche Personen gegeben, und einige militärtechnische Entwicklungen aus ihrer Zeit seien wegweisend gewesen.

„Unkritische Heldenverehrung“

Bis heute verklären etwa britische Militärs die militärischen Leistungen Generalfeldmarschall Erwin Rommels. Eine rein technische Betrachtung des Krieges, die gewissermaßen allein handwerkliche Qualitäten der Armee würdigt, ohne sie in einen politischen Kontext einzubetten, kann es für die Wehrmacht aber schwerlich geben.

In diesem Sinne fordert der frühere Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg etwa, die historische JU 52, die vom Freundeskreis des Fliegerhorsts in Wunstorf ausgestellt wird, mit einem Hinweis auf die Kriegseinsätze zu versehen, bei denen der Flugzeugtyp zum Einsatz kam: „Der Skandal in der Bundeswehr sollte auch in Wunstorf zum Anlass genommen werden, diese Traditionspflege zu beenden“, sagt Hubert Brieden vom Verdi-Arbeitskreis Regionalgeschichte.

„Die Bundeswehr hat auch in Hannover jahrzehntelang eine unkritische Heldenverehrung praktiziert“, sagt Klaus Falk von der „Deutschen Friedensgesellschaft - Vereinigte Kriegsdienstgegner“. So sei auf dem Gelände der Emmich-Cambrai-Kaserne eine Gedenkstätte für gefallene Offiziere eingerichtet worden, ausgerechnet dort, wo Deserteure hingerichtet wurden.

In Hannovers Kasernen seien ihm keine NS-Devotionalien bekannt, sagt Historiker Trolp, selbst Oberstleutnant a.D. Er erinnert daran, dass die Bundeswehr 1956 Helme nach amerikanischem Vorbild einführte - ein politisches Signal. Vor einigen Jahren wurden diese durch ein Modell ersetzt, das wieder an den Wehrmachtshelm erinnert. „Das hat niemanden gestört“, sagt Trolp: Viel Wissen um die Wehrmacht sei im Alltag der Bundeswehr gar nicht mehr präsent.

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