Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Umland Haben Polizei und Justiz versagt?
Aus der Region Umland Haben Polizei und Justiz versagt?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 26.11.2016
Mahnwache am Tatort in Hameln: 300 bis 400 Menschen sind gekommen, Oberbürgermeister Griese spricht von einer Gräueltat. Quelle: ube
Anzeige
Hameln

Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, behauptet etwas anderes: In einem Gespräch mit der „Passauer Neuen Presse“ kritisiert der Gewerkschaftschef, dass Nurettin B. immer noch auf freiem Fuß war. Der 38-Jährige habe nämlich eine lange Gewaltkarriere hinter sich und sei immer wieder durch Straftaten aufgefallen, aber dennoch nicht in Haft gewesen, wird Wendt zitiert.

Auch die Schwiegermutter habe er geschlagen

Oberstaatsanwalt Thomas Klinge sagte dieser Zeitung, Nurettin B.s aktueller Bundeszentralregister-Auszug weise keinen Eintrag auf. Es habe zwar in der Vergangenheit Ermittlungsverfahren gegen ihn gegeben, die aber alle nicht zu einer Verurteilung geführt hätten. Doch nach Angaben von Kaders Bruder Maruf K. hat der Münderaner nicht nur häufig seine Frau, sondern vor etwa einem Jahr auch seine Schwiegermutter (58) geschlagen.

Wendt übt – auch mit Blick auf das Verbrechen in Hameln – scharfe Kritik an der Justiz. Er wirft ihr ein zu lasches Vorgehen gegen Straftäter vor. Nach der Festnahme des Mannes zeigt sich Wendt wenig optimistisch: „Es wird sich ein Richter finden, der ihm auch jetzt wieder eine positive Sozialprognose geben wird.“

Ein energisches Vorgehen gegen Gewalttäter fordert auch die Kurdische Gemeinde in Deutschland. Deren stellvertretender Bundesvorsitzender Mehmet Tanriverdi sagte, „diese und andere abscheuliche Straftaten, die häufig die schwächsten Glieder einer Gesellschaft treffen und sich vor allem an Frauen und Kinder richten, müssen mit der entschiedenen Härte unseres Rechtsstaats geahndet werden“.

Eine "menschenverachtende Tat"

Er bezeichnete die Tat in Hameln als „menschenverachtend“. Sie sei „an Widerwärtigkeit kaum zu übertreffen“. Die Gesellschaft dürfe so etwas nicht tolerieren – und die Behörden müssen energischer gegen Personen, die bereits wiederholt durch solche Taten aufgefallen sind, vorgehen. Für Tanriverdi steht fest: „Wer keine Achtung vor seinen Mitmenschen und dem Grundgesetz hat, hat auch keinen Platz in der Mitte der Gesellschaft. Ganz gleich, welcher Herkunft der Täter war, diese Tat ist verbrecherisch, hochkriminell und gehört mit äußerster Härte des Rechtsstaates bestraft.“

Am Abend fand am Tatort eine Mahnwache statt, an der zwischen 300 und 400 Menschen, darunter Oberbürgermeister Claudio Griese und Landrat Tjark Bartels, teilnahmen. Die Menschen seien friedlich an dem Ort zusammengekommen, an dem sich die Tat ereignet habe, sagte ein Polizeisprecher dem Nachrichtendienst epd. Gewaltverbrechen gehörten in Deutschland und auch in Hameln leider zur Gesellschaft dazu, aber dieses Vergehen habe die Vorstellungskraft überstiegen, sagte Griese.

Mehr zum Thema
Umland 28-Jährige schwer verletzt - Versuchter Mord

Versuchter Mord in Hameln: Ein Mann hat nach Angaben der Polizei einer Frau einen Strick um den Hals gelegt und das andere Ende an der Anhängerkupplung eines Autos befestigt. Mit dem Auto zog er die Frau auf Asphalt und Kopfsteinpflaster durch mehrere Straßen. Das Opfer schwebt in Lebensgefahr.

23.11.2016

Die 28-jährige Hamelnerin, die am  Sonntagabend in der Südstadt Opfer eines unfassbar brutal ausgeführten Verbrechens geworden ist, liegt im Koma. Der Täter ist ihr Lebensgefährte. Ein Sorgerechtsstreit um das gemeinsame Kind (2) könnte der Auslöser für die Tat sein, vermuten Freunde des Paares.

24.11.2016
Umland Hamelnerin weiter in Lebensgefahr - Zweijähriger Sohn saß im Auto

Zwei Stiche in den Oberkörper, die Klinge verfehlte nur knapp das Herz - Bevor Nurettin B. (38) offenbar seine Frau zu Tode schleifen wollte, fügte er ihr mit einem Messer schwere Verletzungen zu. Am Dienstag bestätigten die Ermittler, dass der zweijährige Sohn während des Verbrechens im Auto saß.

25.11.2016
Anzeige