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Umland Zweijähriger Sohn saß im Auto
Aus der Region Umland Zweijähriger Sohn saß im Auto
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00:17 25.11.2016
„Es gibt keine Worte für diese grausame Tat“ – Hamelner haben am Tatort Blumen abgelegt, wünschen dem Opfer gute Besserung. Quelle: ube
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Hameln

Der Fall der jungen Mutter aus Hameln, die von ihrem Ex-Mann offenbar zu Tode geschleift werden sollte, sorgt auch zwei Tage nach der Tat bundesweit für Schlagzeilen. Nurettin B. (38) aus Bad Münder, der sich am Sonntagabend kurz nach 18 Uhr der Polizei gestellt hatte, sitzt inzwischen in Untersuchungshaft (wir berichteten). Die Staatsanwaltschaft Hannover wirft ihm versuchten Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung vor.

Der Mann hat bislang kein Geständnis abgelegt. Er lässt sich von einem Anwalt aus Hannover vertreten, macht offenbar von seinem Recht Gebrauch, zu schweigen. Als er kurz nach der unfassbar brutal ausgeführten Tat die Polizeiwache betrat, habe er zwar spontan gesagt: „Ich war’s.“ Allerdings sei er zu diesem Zeitpunkt noch nicht rechtlich belehrt worden, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Klinge.

Zwei Stiche in den Oberkörper

Vor einem Mehrfamilienhaus an der Königstraße haben Kriminaltechniker eine größere Blutlache entdeckt. Offensichtlich hat sich das Verbrechen dort ereignet. Der Hamelnerin wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft zwei Stiche in den Oberkörper beigebracht. Die Klinge verfehlte nur knapp das Herz. Anschließend soll der mutmaßliche Täter seiner Ex-Frau, mit der ein gemeinsames Kind hat, einen Strick um den Hals gelegt und das andere Ende an der Anhängerkupplung eines Autos befestigt haben. Dann setzte er sich hinter das Steuer, gab Gas und zog die 28-Jährige 250 Meter weit. Als die Schwerstverletzte beim Abbiegen auf einen Fußweg geschleudert wurde, löste sich das Seil.

Am Dienstag wurde bestätigt: Der zweijährige Sohn saß im Auto, als das Verbrechen geschah. Die Ermittler sind zu der Überzeugung gelangt, dass er nicht mitbekommen hat, wie seine Mutter durch die Südstadt geschleift wurde.

Die Hamelnerin liegt im künstlichen Koma

Die Frau war noch in der Nacht zweimal operiert worden. Sie hat schwerste Verletzungen am ganzen Körper erlitten. Nach Angaben der Polizei schwebte sie auch am Dienstag immer noch in Lebensgefahr. Außer den Stichwunden soll die Hamelnerin auch eine Hirnblutung erlitten haben. Die Ärzte haben sie in ein künstliches Koma versetzt. Vermutlich wird die Verletzte daraus erst in zwei Wochen wieder erweckt.

Das für Tötungsdelikte zuständige 1. Fachkommissariat hat am Dienstag die Auswertung der gesicherten Spuren und die Befragung von Zeugen fortgesetzt. Es wird erzählt, dass Nurettin B. ein Schläger sei. Bei der Polizei war der Familienvater bislang ein unbeschriebenes Blatt.

Sorgerechtsstreit könnte Auslöser sein

Zum Motiv machten die Ermittlungsbehörden keine Angaben. Ein Sorgerechtsstreit um das Kind und die Verletzung der Ehre des Mannes könnten Auslöser für die Tat sein. Davon sind Freunde des Paares überzeugt. Der Verdächtige und das Opfer sind deutsche Staatsbürger, sie haben aber einen türkisch-kurdischen Hintergrund.
Die Frau muss jedoch eine Vorahnung gehabt haben. Am Freitag hatte sie ihn bei der Polizei angezeigt. Ihr Ex soll sie bedroht haben. Ermittler hatten ihn kurz danach aufgesucht und mit ihm gesprochen, worauf er sich einsichtig gezeigt habe. ube

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