Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Der Gipfel der Genüsse: 45 Jahre Mercedes W 116

Limousine Der Gipfel der Genüsse: 45 Jahre Mercedes W 116

Teure und vornehme Autos hatte Mercedes beinahe vom ersten Tag an im Programm. Doch trotzdem ist die Baureihe W 116 eine wichtige Wegmarke in der Historie. Markiert ihr Debüt 1972 doch die Geburt der S-Klasse - seit über 45 Jahren ein Inbegriff von Luxuslimousine.

Voriger Artikel
Motoröl im Motorrad vor Ölwechsel warmfahren
Nächster Artikel
Neue App hilft auf Autoreisen ins Ausland

Gut aussehen und gut sehen: Feiner Chromschmuck sorgt für luxuriöse Optik während die Scheinwerferreinigungsanlage und die um die Ecke gezogenen Blinker Sicht, Sichtbarkeit und damit die Sicherheit erhöhen.

Quelle: Daimler AG/dpa-tmn

Stuttgart. Sieben Jahre nach dem Debüt des W 109 kam 1972 die Baureihe W 116. Sie markierte auf den ersten Blick nur einen weiteren Generationenschritt in der Oberklasse des Stuttgarter Nobelherstellers.

Doch es ist ein kleines Detail neben allen technischen Finessen und dem markanten Chromstyling, das aus dem Stammbaum heraussticht: Zum ersten Mal trägt die Limousine die Gattungsbezeichnung S-Klasse und legt damit vor über 45 Jahren den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte sondergleichen. Schließlich ist das Flaggschiff der Schwaben unter diesem Namen in mittlerweile sechs Generationen mit über vier Millionen gebauten Autos zur weltweit erfolgreichsten Luxuslimousine geworden. Heute, wo selbst eine S-Klasse mit der Mode geht und sich an junge Aufsteiger genauso wendet wie an Bosse und alten Adel, war der W 116 1972 noch ein unnahbares Auto, das allein mit seinen wuchtigen Doppelstoßstangen eine gewisse Autorität ausgestrahlte.

../dpa-ServiceLine-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-171229-99-440738_large_4_3.jpg

Adäquate Umgebung: Die S-Klasse markiert die Spitze im Limousinenprogramm von Mercedes-Benz.

Zur Bildergalerie

So seriös wie die Hornbrille des Bundespräsidenten Gustav Heinemann, so vornehm wie der größte Flachdach-Bungalow in der Neubausiedlung und so nüchtern wie das Büro eines Vorstandsvorsitzenden: Die knapp fünf Meter lange Limousine stellte so ziemlich alles in den Schatten, was damals auf der Straße war.

Nicht umsonst wurde sie gleich zum Auto des Jahres gewählt und sammelte auch sonst so ziemlich jeden Superlativ ein, zu dem sich die Fachzeitungen haben hinreißen lassen. Für "Auto, Motor und Sport" etwa war die S-Klasse "eines der perfektesten Autos der Welt".

Das Lob fußte nicht zuletzt auf einem ganzen Bündel an Innovationen bis ins Detail, die bei Sicherheit und Komfort neue Maßstäbe setzten, sagt Mercedes-Klassiksprecher Ralph Wagenknecht: Zum umfassenden Sicherheitskonzept gehörten zum Beispiel ein kollisionsgeschützter Tank, ein Vierspeichen-Sicherheitslenkrad, verschmutzungsarme Seitenscheiben, großflächige Scheinwerfer, auffällige Blinkleuchten und Schmutz abweisende, gerippte Heckleuchten.

Außerdem markierte die S-Klasse 1977 mit dem 300 SD den Beginn des Dieselzeitalters in der Luxusklasse. Der zunächst für die USA gebaute Luxus-Diesel war zugleich der erste Serien-Pkw mit Turbodieselmotor.

Ab 1978 war die S-Klasse laut Mercedes als weltweit erstes Serienfahrzeug mit Anti-Blockier-System (ABS) erhältlich, das die Lenkfähigkeit auch bei einer Vollbremsung sicherstellte.

Vergleicht man einen 350 SE aus dem Stuttgarter Museumsfuhrpark mit einer aktuellen S-Klasse, wird einem jedoch schnell bewusst, wie sehr sich die Werte in einem halben Jahrhundert gewandelt haben. Denn wo die S-Klasse heute eine Mischung aus Multimedia-Lounge und First-Class-Suite ist, geht es im 116er noch vergleichsweise nüchtern zu: Die Sitze sind noch mit Stoff und das kantige Cockpit mit Eichenimitat aus Vinyl bezogen. Das Radio ist analog und hinter dem riesigen Lenkrad gibt es drei Rundinstrumente.

Auch mit der souveränen Fortbewegung ist es nicht sonderlich weit her. Während heute jede S-Klasse mühelos das freiwillige Limit von 250 km/h erreicht, muss sich der 3,5 Liter große V8 aus dem Museumsfuhrpark redlich mühen, um mit seinen 151 kW/205 PS wenigstens die 200er-Marke zu knacken. Und mit der Fahrdynamik ist es bei der sänftengleichen Straßenlage des Dickschiffs und der butterweichen Lenkung auch nicht sonderlich weit her.

Doch erstens musste man sich vor über 40 Jahren von nichts und niemandem hetzen lassen, wenn man es mal in eine S-Klasse geschafft hatte. Und zweitens hatten die Schwaben im Lauf der Modellkarriere bewiesen, dass sie ja auch anders konnten. Nicht umsonst krönten sie die Baureihe 1975 mit dem 4.5 SEL 6.9 und bekamen für den 210 kW/286 PS starken Sportler im Smoking reichlich Lob: Die "Auto, Motor und Sport" feierte ihn kurzerhand als "das beste Auto der Welt".

Mittlerweile wird der W 116 im niedrigen fünfstelligen Bereich gehandelt. Doch vom vergleichsweise günstigen Anschaffungspreis darf man sich nicht täuschen lassen, mahnt der deutsche S-Klasse-Club in seiner Kaufberatung: "Grundsätzlich muss sich der werdende Eigener darüber im Klaren sein, dass eine alte S-Klasse keine billige S-Klasse ist." Denn im Unterhalt stelle der W 116 damals wie heute keine geringen Ansprüche.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben
Mehr aus Aktuelles
Filmen am Unfallort
Osnabrücker Filmemacher haben mit dem Video «Schaulustige - Sei kein Gaffer» einen Internethit gelandet.

Ein Youtube-Video über Gaffer beeindruckt Millionen Menschen. Der ADAC spricht sich für Gefängnisstrafen für schwere Behinderungen von Einsatzkräften und Gaffen bei Unfällen aus.

mehr
Von 20 bis 250 Euro
Prüfender Blick: Wenn ein Sachverständiger einen Gebrauchtwagen unter die Lupe nimmt, kann das unterschiedlich umfangreich geschehen - was sich dann auch auf der Rechnung bemerkbar macht.

Der Kauf eines Gebrauchtwagens birgt immer ein gewisses Risiko. Schließlich ist es für Laien schwer, verborgene Mängel zu erkennen. Mehr Aufschluss kann der prüfende Blick eines Kfz-Fachmanns bringen. Doch welche Kosten sind damit verbunden?

mehr
Elektro-SUV auf der CES
Der Autobauer Byton präsentiert seinen SUV-Prototyp auf der Technik-Messe CES in Las Vegas. Die in China angesiedelte Firma will die deutschen Premium-Hersteller herausfordern.

Während die deutschen Premium-Autobauer Mercedes, Audi und BMW zu Elektroauto-Offensiven ansetzen, will sie ein Herausforderer aus China angreifen. Bei Byton sitzen ehemalige Manager von BMW und anderen etablierten Autoherstellern am Steuer.

mehr
Entwicklung der Autotechnik
Bis keine Fahrer mehr in den Autos sitzen, wird es noch eine Weile dauern. Doch Parkhäuser könnte es schon bald ohne Menschen geben.

Irgendwann werden wir gemütlich Nachrichten lesen und Videos schauen, während uns unser Auto ans Ziel bringt. Bis es soweit ist, sind noch viele Fragen offen. Auf dem Weg zum fahrerlosen Auto sind für 2018 die nächsten Schritte angekündigt.

mehr
Versicherungssoftware
In der Kfz-Versicherung verbreitet sich selbstlernende Software. Nach Panne oder Unfall könnten künftig finanzielle Schäden rasant beglichen sein.

Künstliche Intelligenz hält an ungeahnten Stellen Einzug. In der Kfz-Versicherung verbreitet sich selbstlernende Software. Nach Panne oder Unfall könnten künftig finanzielle Schäden rasant beglichen sein. Das aber wird Folgen für die Jobs in der Branche haben.

mehr
Automarkt
In Deutschland sind 2017 erneut mehr Autos verkauft worden, viel weniger als im Vorjahr hatten aber einen Dieselmotor.

Die Menschen haben keine Lust mehr aufs Auto? Tatsächlich haben Hersteller im vergangenen Jahr noch mehr Fahrzeuge in Deutschland verkauft. Etliche Käufer entschieden sich aber anders als früher.

mehr
Zeitplan erneut verschoben
Der Elektroautobauer Tesla lahmt weiterhin bei der Fertigung des Model 3 - man befinde sich «tief in der Produktionshölle».

Der E-Auto-Pionier Tesla scheitert einmal mehr an den eigenen Vorgaben. Die Zweifel an den großen Versprechen des schillernden Firmenchefs Elon Musk steigen. Es droht zum Standard zu werden, dass Ziele nicht erreicht und Zeitpläne verschoben werden.

mehr
Verbesserte Eigenschaften
Noch im Erlkönig-Outfit: Die neue G-Klasse bei einer Testfahrt im Gelände.

Die Mercedes G-Klasse hat sich schon bei manch einem Gelände-Abenteuer bewährt. Ein Grund, warum der Hersteller bei seiner Neuauflage an einigen Komponenten festhält. Änderungen gibt es vor allem beim Radstand und den Assistenzsystemen.

mehr