Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Arbeitssucht: Gehören Sie zu den Betroffenen?
Arbeitssucht: Gehören Sie zu den Betroffenen?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:32 02.05.2012

Mediziner sprechen inzwischen von einem krankhaften Suchtverhalten bei allen, die ohne Arbeit nicht mehr können.

Die Selbsthilfegruppe der Anonymen Arbeitssüchtigen hat die folgenden Symptome zusammengestellt, in denen Sie sich vielleicht wiedererkennen:

• Haben Sie Angst vor der Arbeit und brauchen lange, um endlich anzufangen?

• Können Sie sich nicht auf Ihre Arbeit konzentrieren und verzetteln sich oft?

• Nehmen Sie sich viel zu viel vor und arbeiten dann oft bis zur Erschöpfung?

• Beurteilen Sie Ihren Tag fast ausschließlich nach der erledigten und – schlimmer noch – der nicht erledigten Arbeit?

• Haben Sie das Gefühl, dass Ihr eigener Perfektionsanspruch Sie im Job völlig lähmt?

• Lehnen Sie private Einladungen oder Unternehmungen mit dem Hinweis auf „zu viel Arbeit“ ab?

• Denken Sie auch in Ihrer Freizeit viel an die Arbeit und können zwischen Privat- und Berufsleben nicht mehr trennen?

• Stehen Sie häufig unter Zeitdruck?

• Möchten Sie in kurzer Zeit möglichst viel und mit möglichst geringem Aufwand erreichen?

• Glauben Sie „erst etwas leisten“ und sich Ihr Lebensrecht durch Arbeit erkämpfen zu müssen?

• Schämen Sie sich wegen Ihrer Schwierigkeiten im Job oder wegen Ihrer Arbeitssucht und mögen mit niemandem über dieses Problem sprechen?

Arbeitssucht, so die Einschätzung einer Forschergruppe der Universität in Bremen, ist inzwischen zu einem gefährlichen Massenproblem geworden. Rund 25 Prozent der Manager und Freiberufler gelten als krankhaft arbeitssüchtig. Die Dunkelziffer ist hoch, denn hart arbeitende Menschen werden bewundert und kaum jemand nennt Erfolg eine Krankheit. Doch täglich stürzen sich zehntausende Bundesbürger maßlos in den Beruf, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Professor Holger Heide. Dabei sind Männer genauso betroffen wie Frauen.

Natürlich gibt es auch Menschen, die einfach gerne viel arbeiten und darin eine gewisse Erfüllung sehen. Für den Workoholic aber ist Arbeit ein Abwehrmechanismus. Arbeitssüchtige stürzen sich in den Job, um Konflikten in der Partnerschaft aus dem Weg zu gehen und um das Gefühl der inneren Lehre zu überwinden. Betroffen sind hauptsächlich Menschen, die sich im Leben vor allem durch Leistung Anerkennung verschafft haben. Doch Arbeitssüchtige empfinden bei ihrer Arbeit keine Genugtuung. Meist sind sie unfähig, mit sich selbst zufrieden zu sein, leiden unter einem perfektionistischen Leistungsethos. Freunde haben sie keine, Zeit für das Privatleben auch nicht. Wozu auch?

Arbeitssucht zu überwinden ist genau so schwer, wie ein Alkohol- oder Drogenproblem zu bekämpfen. Zunächst muss der Betroffene sich selbst eingestehen, dass er arbeitssüchtig ist. Kommt die Einsicht nicht allein, wird er häufig durch eine Krise in der Partnerschaft oder gesundheitliche Probleme darauf gestoßen. Doch soweit sollte es niemand kommen lassen. Erste Anlaufstelle können Selbsthilfegruppen sein, wie zum Beispiel die Anonymen Arbeitssüchtigen. (Kontakt: AAS Anonyme Arbeitssüchtige, Postfach 1204, 77902 Lahr)