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11:10 23.06.2018
Das Kaliwerk Sigmundshall soll zum Jahresende die Förderung einstellen. Quelle: pr
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Bokeloh

Da reicht schon die grundsätzliche Feststellung oder die, dass es Schaumburger sind, die ihre Arbeitsplätze verlieren. Nun hat die Kali und Salz AG beschlossen, das Werk Siegmundshall in Bokeloh zum Jahresende zu schließen. Von den rund 700 Mitarbeitern verlieren mehr als 500 ihren Arbeitsplatz, ein Rest wird noch einige Jahre Rückbau betreiben.

Dass mit dem Schließen von Produktionsteilen der Aktienwert steigt, ist eine Situation, die heute nicht mehr wirklich erschreckt, obwohl sie es müsste. Wie ein Unternehmen mit seinen Mitarbeitern in einer solchen Situation umgeht, kann einen aber bei aller Abgestumpftheit dann doch noch erschrecken.

Kein Tag ohne Tränen

Nun sehe ich natürlich nicht ganz unbeteiligt und unwissend auf diese Schließung, denn meine Freundin, mein Bruder, Freunde und Bekannte sind bei K+S beschäftigt. Kaum ein Tag ohne Tränen und Gespräche, wie es danach weitergeht.

Den Stolz, Bergmann zu sein oder für dieses Unternehmen arbeiten zu dürfen, sieht man den Beschäftigten an. Wer einmal an der Schutzheiligen, der „Heiligen Barbara“, die am Gebäude der Waschkaue hängt, vorbeigegangen ist und mit den Worten „Glück auf!“ begrüßt wurde, bekommt ein Bild von diesem Stolz.

Als ich das große Glück hatte, an einer Grubenfahrt teilnehmen zu dürfen, ist die Wertschätzung der Kumpel und ihrer Arbeit noch einmal gestiegen. Diese Wertschätzung bringt das Unternehmen den Beschäftigten leider nicht entgegen. Nur noch ein halbes Jahr bis zur Schließung und keiner weiß, ob er zu den wenigen gehört, die bleiben dürfen. Die Unsicherheit ist groß, der Sozialplan noch nicht unterschrieben und die Summe der Abfindung unklar. Eigentlich weiß man nichts, außer dass bald alles vorbei ist.

Festzeltreden

Die großen Reden der Politiker finden aktuell in den Festzelten der Schützenfeste statt, nicht auf dem Werksgelände vor den Kumpeln. Nicht, dass Politik Arbeitsplätze erhalten könnte, daran glaubt nun wirklich keiner mehr. Aber Solidarität und Zuspruch wären wünschenswert. Es ist still um diese Schließung, und das macht es umso schwieriger. Man fühlt sich allein gelassen und das ist man wohl auch.

Hier verliert die Region etwas ganz Besonderes: Tradition, Stolz und eine große Menge ganz besonderer Arbeitnehmer. Ich wünsche dem Betriebsrat und allen Kollegen viel Kraft und alles Gute für ihre Zukunft. Glück auf!

Matthias Hinse, Betriebsrat Volkswagen Nutzfahrzeuge

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