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Leserbriefe Che passt gut unter die Flügelhaube
Mehr Meinung Leserbriefe Che passt gut unter die Flügelhaube
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11:51 23.06.2018
Che unter der Haube. Quelle: pr
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Daher bin ich mehr als erstaunt über die Mischung aus Halb- und Unwahrheiten, die über die historische Person des Dr. med. Ernesto Guevara de la Serna, besser bekannt als „El Che“, in diversen Leserbriefen ausgebreitet, um nicht zu sagen ausgekübelt wird.

Augenscheinlich wird hier die am 31. Januar 2018 verteilte AfD-Postille „Deutschland-Kurier“ zum Anlass genommen, die dort verbreiteten Lügen („Mordbube Che Guevara“) unhinterfragt weiter zu kolportieren und mit dem Versuch der Demontage der Ikone der 68er-Bewegung zum Angriff der konservativen Gegenrevolution zu blasen. Ich jedenfalls hatte bei meinen zahlreichen Aufenthalten in Lateinamerika immer wieder Gelegenheit, viele Gespräche mit Zeitzeugen, darunter auch ehemalige Mitkämpfer des Che, zu führen und zu erfahren, welche Verehrung ihm bis heute von Millionen von Lateinamerikanern entgegengebracht wird, für sie in seiner Selbstlosigkeit und mit seinem moralischen Rigorismus bis heute von ungebrochener Popularität.

"San Ernesto"

So erzählte mir Freddy Alborta, bolivianischer Fotograf, von den Militärs 1967 gezwungen, den Tod des Che nach seiner Ermordung per Foto zu dokumentieren, noch kurz vor seinem eigenen Tod, wie er die Absicht seiner Auftraggeber subtil ins Gegenteil verkehrte und statt der Dokumentation des abschreckenden Wracks eines menschlichen Leichnams die berühmt gewordenen Aufnahmen schuf, die Che Guevara zur christusartigen Ikone verkehrten und damit der Welt signalisierten, „El Che“ lebe. Tatsächlich verehren ihn die Menschen in Bolivien bis auf den heutigen Tag als „San Ernesto“, dem auch inzwischen sogar Wunder zugeschrieben werden – oder, um es mit seinem Bruder zu sagen: „Die Mächtigen haben versucht, Che mit allen Mitteln auszulöschen, indem sie ihn lieber ermordeten, statt ihn einzusperren, dann, indem sie den Leichnam verschwinden ließen, schließlich, indem sie auf seinen Gedanken, seinem Kampf und seinen Ideen herumtrampelten. Sie haben ihn getötet. Trotzdem hat er überlebt. Beschrieben sie Ernesto nicht als Mörder, als wildes Tier, als furchtbaren Marxisten? ... die Verleumdungen haben nicht funktioniert ... So lebte Che weiter ... illusorisch, sein Gedenken auslöschen zu wollen.“

T-Shirt mit Humor

Ich jedenfalls trage gerne mit einem Augenzwinkern und mit dem entsprechenden Humorverständnis das T-Shirt des Che und finde, dass jemand, der die unbedingte Option für die Armen und Unterdrückten auf dieser Welt gewählt hat und dafür sein Leben eingesetzt und in letzter Konsequenz auch hingegeben hat, gut unter die Schaumburger Flügelhaube passt.

Dietmar Buchholz, Bad Nenndorf

Bolivienkommission des Bistums Hildesheim

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