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Geht man so mit dem letzten Willen eines Menschen um?

Zum Bericht „14000 Euro für den guten Zweck“ vom 24. Juni Geht man so mit dem letzten Willen eines Menschen um?

Unabhängig von der Klärung juristischer Fragestellungen, was die Verwendung des Vermächtnisses des verstorbenen Herrn Max Ziegler betrifft, hätte ich mir etwas mehr Respekt und einen gediegeneren Umgang der Verantwortlichen in Verwaltung und Politik mit der letztwilligen Verfügung eines früheren Bad Nenndorfer Bürgers gewünscht.

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Herr Ziegler hat vor Jahrzehnten seinen Gemeinsinn mit dem Vermächtnis einer Summe von damals 14000 DM bekundet. Die Summe von inzwischen circa 14000 Euro mag vielen Menschen heute als nicht sehr bedeutend erscheinen. In herausgehobenen Positionen der freien Wirtschaft, in den Besoldungsgruppen der gehobenen und höheren Beamtenlaufbahnen sowie bei auch gut verdienenden Doppelverdienern kommt diese Summe in der Regel heute innerhalb weniger Monate als Brutto- oder gar Nettogehalt zusammen.

Wer war Herr Ziegler? Was hat ihn bewogen, einen doch seinerzeit recht ansehnlichen Geldbetrag für seinen Heimatort zu hinterlassen? Hat er selbst materielle Not in seinem Leben erlitten, etwa als Heimatvertriebener, der sich in Bad Nenndorf eine neue Existenz aufbauen musste und konnte?

Hatte er Menschen mit ähnlichen Schicksalen im Blick? Oder Institutionen, die sich ganz gezielt zum Wohl sozial benachteiligter Menschen in unserer Gesellschaft einsetzen?

Ich vermute, dass Herr Ziegler vor Jahrzehnten nicht aus einem üppigen Überfluss heraus diesen Betrag als künftiges Vermächtnis für in Bad Nenndorf lebende bedürftige Personen eingesetzt hat. Er wird hart dafür gearbeitet haben.

Echte Bedürftigkeit erfindet sich gerade in unserer Gesellschaft immer wieder neu. Die Schere zwischen armen und reichen Menschen klafft zunehmend auseinander. Altersarmut ist im Kommen. Aus langjähriger Erfahrung mit ehrenamtlicher Seniorenarbeit und daraus entstandenen Freundschaften weiß ich, wie verschämte Armut und die Angst, auch mal seine Rechte einzufordern, aussehen kann.

Flüchtlingsintegration ist zu leisten. Ein fehlendes Freibad in Bad Nenndorf, das allen Generationen offenstehen würde. Alles Dinge also, die absolut förderungswürdig im Sinne des Vermächtnisses von Herrn Ziegler gewesen wären.

Kein Gespür, keine Fantasie für diese Fragestellungen bei den Verantwortlichen in Verwaltung und Politik in Bad Nenndorf? Traurig, aber bis jetzt offensichtlich wahr.

Stattdessen wird ein angeblich soziales Projekt auf hohem Niveau, wie der Bewegungspark beschlossen, der lediglich von einem Bruchteil des Bevölkerungsquerschnittes genutzt werden kann. Senioren, Behinderte? Fehlanzeige!

Wer weiß denn mit Gewissheit, dass wirklich Kinder und Jugendliche aus sozial-schwachen Familien diese Anlage nutzen werden? Wie groß dürfte der Anteil in Bad Nenndorf generell sein? Und wie groß der Anteil derer, die sich das teure Equipment leisten können? Gibt es soziale Brennpunkte in Bad Nenndorf, zu deren sozialtherapeutischer Befriedung dieses Projekt beitragen könnte?

Ich stelle mir darüber hinaus die Frage, wie der Max-Ziegler-Fond in den letzten Jahrzehnten verwaltet und genutzt worden ist. Warum ist vor kurzer Zeit nicht die neunköpfige Familie mit Mitteln aus dem Zieglerfonds unterstützt worden, die ihr Zuhause durch einen Brandschaden verloren hatte? Auch das wäre eine angemessene und zielgerichtete Verwendung des Vermächtnisses gewesen.

Meiner Meinung nach wird ganz klar von Verwaltung und Politik ein sozialer Zweck konstruiert, um das Geld des Herrn Ziegler schlicht „verbraten“ zu können. Ich habe den Eindruck, der Fonds und dessen Verwaltung beziehungsweise Pflege scheint der Stadtverwaltung irgendwie lästig geworden zu sein.

Also hinein in den großen Topf der Baukosten für den Bewegungspark, von denen man nicht weiß, in welcher Höhe sie sich noch entwickeln werden. Geht man so unreflektiert mit dem letzten Willen eines Menschen um?

André Zimmermann aus Bad Nenndorf

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