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Immer wieder „SPD-Bashing“

Zum Artikel „Die große Kollision in der SPD“ vom 15. Januar. Immer wieder „SPD-Bashing“

Auf den Seiten eins bis drei schreiben Sie über die SPD in einer Art und Weise, wie ich sie auch im „Spiegel“ oder Handelsblatt lesen kann. Überall dieselbe Lesart, die ich als ein Herunterschreiben der SPD empfinde.

So wie manch ein Fußball-Fan sagt: „Man kann unsere Mannschaft auch kaputtschreiben“. Denn wie darf ich sonst die Überschrift „Schulz, Nahles und das Bätschi-Syndrom“ im Kommentar von M. Koch verstehen, oder die im „Spiegel“ „Kuriose Woche für den Wendehals Schulz“.

 Um richtig verstanden zu werden: Was ich despektierlich finde, ist das „gleichgeschaltete Bashing“ auf die Führungskräfte der SPD. Seit dem Wahlausgang werden alle nicht so guten Formulierungen von prominenten SPD-Mitgliedern immer wieder aufgewärmt und ständig wiederholt. Zum Beispiel auch die von Herrn Schulz, keine Große Koalition mehr zu wollen, die aber meines Erachtens eine SPD-mehrheitliche Wahrnehmung war und nach dem Wahlergebnis auch die richtige Schlussfolgerung, denn die alte Koalition bestand aus lauter Verlierern und war abgewählt.

 Nur die CDU will das bis heute nicht wahrhaben. Immerhin hatte die Große Koalition fast 14 Prozent weniger Stimmen bekommen, dabei ist es dann meiner Meinung nach zweitrangig, dass die CDU aus einem höheren Stimmenanteil abgesackt ist, aber immerhin rund 8,1 Prozent Verlust im Gegensatz zur SPD hatte, die nur knapp 5,5 Prozent verloren hat.

Man kann zwar sagen, die SPD hat ihr schlechtestes Ergebnis, aber die CDU hat ihr zweitschlechtes Ergebnis. Dass Frau Merkel keine Jamaika-Koalition hinbekommen hat, wird kommentarlos hingenommen und auf jeden Fall nicht wiederholt. Dass die SPD immer gegen zwei Parteien der Union antreten muss, wie die anderen Parteien natürlich auch, sollte mal debattiert werden. Mir ist das unverständlich, denn wenn sie schon als Schwesterparteien im Bund eine Union sein wollen, sollte aber in den Verhandlungen auch nur ein Gesprächspartner auftauchen.

 Die Union hat hier einen unverhältnismäßigen Vorteil. Gleich am Sonntagabend gab es die Sondersendung „Was nun, Herr Schulz“. Ich frage mich natürlich, warum gab es keine Sendung „Was nun, Frau Merkel?“ oder „Frau Merkel, mit einer Partei (SPD), die in nächster Zeit nicht regierungsfähig ist, wollen Sie koalieren, was nun?“. Aussagen wie „die Union ist die einzige Partei, die Verantwortung übernimmt“ (Söder), oder „Martin Schulz muss jetzt zeigen, dass die SPD ein verlässlicher Koalitionspartner sein kann und den Zwergenaufstand in den Griff bekommt“ (Dobrindt), sind unangebracht. Vielleicht müssen diese Herren mal lernen, was Demokratie heißt. Und wo lebt Dobrindt, die SPD hat ihre Verlässlichkeit längst bewiesen, die CSU aber nicht.

 Die Union sollte mal nicht so überheblich auftreten, sondern erst einmal vor der eigenen Haustür kehren. Ich empfehle der Union Gelassenheit. Wer die Jamaika-Verhandlungen vergeigt hat, darf still sein, denn wenn sie die nächste Koalitionsverhandlung vergeigt, gibt es nur noch Neuwahlen, da die Union alle anderen Varianten bereits abgelehnt hat. Man nehme zur Kenntnis, die CDU darf etwas ablehnen und das wird nirgends kommentiert.

Hans-Joachim Driels

Bad Nenndorf

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