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22:13 12.02.2019

Unter diesen Umständen ist das Düngen im Februar nur bei optimalen Bodenverhältnissen möglich.

Die Nitratproblematik ist im Landkreis nicht angegeben. Die günstigen Nahrungsmittelpreise sind teuer erkauft, nämlich auf Kosten der Landwirte und der Natur. Die Politik des „wachsen oder weichen“ hat dazu geführt, dass viele Betriebe aufgegeben haben. Heute stehen zwischen 79 bis 80 Prozent aller Tiere in den größten 20 bis 30 Prozent der Betriebe. In den letzten zehn Jahren musste fast jeder dritte Hof aufgeben. Besonders hart traf es die Schweinehalter. Auch die Milchbauern trifft es; seit 1999 hat die Hälfte aller Betriebe aufgehört. Sie haben das Preisduell verloren. Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, gibt es bald keine bäuerlichen Betriebe mehr.

Aber auch Bauern in armen Ländern werden durch unsere Exporte ruiniert. In Afrika produziert Nestlé aus Milchpulver Produkte, die zu Dumpingpreisen auf den Markt gelangen. So schließen Molkereien, die mit deutscher Entwicklungshilfe gebaut wurden, weil die kleinen Milchbauern aufgegeben haben. Auch werden Kleinbauern von ihren Äckern vertrieben, der Urwald gerodet, damit auf den neu geschaffenen riesigen Ackerflächen gentechnisch verändertes und mit Glyphosat gespritztes Soja bei uns verfüttert wird.

Das Bundesamt für Naturschutz hat 2015 einen Artenschutz-Report vorgestellt. Die Fachleute stellten fest, dass es ziemlich schlecht um unsere Tier- und Pflanzenwelt bestellt ist. Ursache sei an erster Stelle die Landwirtschaft, gefolgt von Forstwirtschaft, Wasserbau, Gewässerunterhaltung, Baumaßnahmen sowie Sport- und Freizeitaktivitäten. In der Roten Liste wurden mehr als 32000 heimische Tiere, Pflanzen und Pilze hinsichtlich ihrer Gefährdung untersucht. Rund 31 Prozent wurden als bestandsgefährdet eingestuft, vier Prozent sind bereits ausgestorben. Um diesen Problematiken entgegenzuwirken, sollten die EU-Milliarden nicht an die Fläche gebunden sein. Landwirte sollten für extensives Wirtschaften und Naturschutzmaßnahmen honoriert werden. Kleine und mittlere Betriebe könnten so mehr Unterstützung erfahren.

Ein „Weiter so“ ist keine Option, das sagen der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik und auch der Weltagrarbericht. Ein Weg ist der ökologische Landbau. Bundesweit arbeiten acht Prozent der Betriebe nach dieser Methode. Jeder zehnte Betrieb wirtschaftet mittlerweile ökologisch, weil immer mehr Verbraucher Bio kaufen. Der Naturkosthandel verzeichnet jährlich zweistellige Zuwachsraten.

Hartmut Wiebe

Meerbeck