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Leserbriefe Ökologische und gesellschaftliche Probleme
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11:32 23.06.2018
Symbolbild Quelle: dpa
Landkreis

Diese Aussage ist meiner Ansicht nach nicht zutreffend. Die oft kritische öffentliche Meinung über die Landwirtschaft rührt doch offensichtlich daher, dass es, (mit-)verursacht durch eine Reihe von bedenklichen bis schädlichen Produktionsweisen im Agrarbereich, objektiv große ökologische und gesellschaftlich-politische Probleme gibt.

Über ein Viertel der Brunnen in Niedersachsen sind wegen Überdüngung zu stark mit Nitrat belastet; Fachleute warnen vor den langfristigen gesundheitlichen Folgen vor allem für Schwangere, ältere und gesundheitlich angeschlagene Menschen, wenn wir in der Landwirtschaft so weiter machen wie bisher.

Fataler Einsatz von Chemie

Der viel zu breite Einsatz von Insektiziden und Unkrautvernichtungsmitteln im Ackerbau ist Mit- beziehungsweise Hauptverursacher des Rückgangs von 80 Prozent der Insekten in vielen Gegenden Deutschlands – mit fatalen Folgen unter anderem für die Vogelwelt, der die Ernährungsgrundlage für ihren Nachwuchs entzogen wird. Fatal ist der Einsatz dieser chemischen Mittel darüber hinaus für die Bienen.

Wir haben in letzter Zeit immer wieder mit durch Fipronil verseuchten Eiern zu tun.

Jeder kann beim Fahren durch deutsche Landschaften sehen, dass in den vergangenen Jahren die Maisanbauflächen rasant und in großem Umfang zugenommen haben, sodass in zahlreichen Regionen unseres Landes große Flächen mit monokulturellem Charakter entstanden sind. Auch das hat negative Auswirkungen auf die Bienenvölker.

Zu hoher Viehbesatz

50 Prozent des in Deutschland erzeugten Schweinefleisches und erhebliche Teile des Milchpulvers sowie des Hühnerfleisches (ohne die Brüste und die Keulen, die essen wir selber) exportieren wir und haben daher insgesamt einen Viehbesatz, der offensichtlich viel zu hoch für die zur Verfügung stehende Fläche ist. Außerdem haben die EU-subventionierten aggressiven Hühner- und Milchpulverausfuhren nach Afrika zur Folge, dass den Menschen dort mit Niedrigstpreisen die Erwerbs- und Nahrungsgrundlage entzogen wird.

Wenn man die Akzeptanz für die Landwirtschaft grundlegend und dauerhaft erhöhen will, muss man sich meiner Meinung nach von der seit Jahrzehnten durch die Politik im engen Schulterschluss mit dem Bauernverband betriebenen Agrarpolitik nach dem Prinzip „des Wachsens oder Weichens“ einschließlich des damit zwingend verbundenen Höfesterbens verabschieden.

Handel und Verbraucher beteiligen

Darüber hinaus sind bei einer derartigen Umstellung des Agrarsektors der Handel und die Verbraucher unbedingt von Anfang an zu beteiligen, damit die Preisbildung für landwirtschaftliche Produkte und die Ernährungsgewohnheiten der Menschen bei der Umstellung mit entsprechenden Maßnahmen berücksichtigt werden. Mit offenen Bauernhoftagen allein wird der Wandel nicht zu schaffen sein. Ziel der gemeinsamen Anstrengungen aller Beteiligten muss eine Landwirtschaft für Deutschland und in der EU sein, die ökonomisch vernünftig sowie ökologisch vertretbar ist und Landwirte nicht aus wirtschaftlichen Gründen zwingt, den Ast, auf dem sie mit ihrem Beruf sitzen, – gesunde Böden, unbelastetes Wasser, Artenvielfalt in der Natur – mit abzusägen.

Christian Meyer, Stadthagen