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Leserbriefe Ortsumgehung: Wo ist der Gewinn?
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16:11 09.11.2018

In Gelldorf droht eine Monsterkreuzung. Jahrelang bildete der ausweichende Schwerlastverkehr von Porta nach Bad Nenndorf die große Gefahr auf diesem Teil der B65. Der Weg ist steigungsfrei und vor allem im Winter sicherer. Die Spurverengung, sieben Blitzampeln und Geschwindigkeitsbegrenzungen haben den Verkehr von unterstellten 22.000 auf gezählte 13.000 Fahrzeugen reduziert.

Die kreuzungs- und ampelfreie Neuplanung wird sicher zu einer Neubewertung als Alternative besonders für Lkw führen, also Verkehr zurückholen. Leidtragende eines Neubaus der B65 werden nicht nur Obernkirchen, Gelldorf, sondern auch die Nienstädter selbst sein. Die Ortsumgehung weicht maximal einen Kilometer nach Norden ab und wirkt wie eine Stadtmauer um Nienstädt, die geringe kommerzielle Attraktivität wird weiter sinken. An der jetzigen B65 liegen Gaststätten, Tankstelle, das Gewerbegebiet, die Einbußen haben werden, ohne dass der Zubringerverkehr entfällt. Ein paar Zahlen: Nienstädt bietet circa 800 Arbeitsplätze (18 Prozent der 4600 Anwohner), 1500 arbeiten in anderen Orten, 600 pendeln ein, ein kleiner Lebensmittelladen, eine Primarschule, kaum kulturelle Angebote. Also braucht Nienstädt Straßen in andere Orte. Die beste und kürzeste Verbindung in diesem hochverdichteten Raum ist die alte B65, wo festgestellt nur etwa 200 Personen in 50 Häusern wohnen. Diese Straße wird man weiter nutzen, auch für den Schul- und Busverkehr nach Stadthagen. Der Verkehr zur Autobahn dürfte weiter durch den Ort führen, da ansonsten Nienstädt fast kreisförmig zu umfahren ist.

Die Umgehungsstraße wird etwa 80 Häuser mit etwa 400 Personen direkt, in Bruchhof, Sülbeck und Gelldorf weitere 30 Häuser von zwei Seiten belasten. Wo ist der Gewinn? Die wohl nicht zu haltenden Baukosten von 40 Millionen Euro bringen auf den 5,5 Kilometern etwa eine Minute Zeitgewinn, erzeugen jedoch allein durch die Verlängerung der Strecke um 1,1 Kilometer bei 10000 Fahrzeugen einen zusätzlichen Spritverbrauch von 1000 Litern täglich, verbunden mit den anderen Belastungen. Auch und besonders für andere Ortsteile wie Meinefeld, Helpsen und Gelldorf. Nienstädt hat als Teilgemeinde seine Siedlungsfläche von 1979 von 171 Hektar auf 239 Hektar (+40 Prozent) ausgeweitet, die landwirtschaftliche Fläche fiel von 544 Hektar auf 468 Hektar (-15 Prozent). Das Verhältnis ein Quadratmeter Siedlungs- zu landwirtschaftlicher Fläche sank von 1:3 auf 1:2.

Die neue Straße verläuft fast komplett auf Nienstädter Gebiet und wird zusätzlich etwa 30 Hektar kosten (+60 Prozent), die der Landwirtschaft fehlen. Empfindet es jemand als Fortschritt, wenn die Siedlungsfläche genauso groß ist wie die Freifläche? Einen Rückbau einer aufgegebenen Bundesstraße zahlt die Gemeinde selbst. Die Gemeindefinanzen von Nienstädt geben das nicht her. Es wird wohl bei ein paar Blumenkübeln bleiben, die keinen Ersatz für die verlorenen Freiflächen darstellen. Die Gemeindesteuern werden wohl erhöht werden müssen, zumal auch die Gewerbesteuereinnahmen sinken. Übrigens dürfte die alte Straße als Gemeindestraße mautfrei werden.

Ernst Gülker, Helpsen