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Leserbriefe Wärter, da war doch was!
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09:30 17.10.2018

In diesen Einrichtungen trieben Wärter ihr Unwesen. Unser heutiger Justizvollzug hat damit nichts zu tun. Wenn in den Medien immer wieder von Wärtern und Wärterinnen geschrieben wird, dann gibt es wohl mehrere Gründe dafür.

Entweder der Schreiber hat keine Ahnung, über welchen Personenkreis er schreibt, und es ist ihm auch egal, dann ist er fehl am Platz. Oder er setzt diesen Personenkreis bewusst herab. Dann will ich wissen, warum.

Ich wehre mich vehement gegen die Bezeichnung „Gefängniswärter“. Es gibt diese Bezeichnung nur noch in den Medien, den Beruf eines Wärters gibt es nicht. In den Gefängnissen arbeiten Personen mit den unterschiedlichsten Berufen und das sind Beamte im Justizvollzugsdienst.

Voraussetzung für eine Einstellung im Justizvollzug ist für jeden Bewerber eine erfolgreich abgeschlossene Ausbildung und nach Möglichkeit auch Berufserfahrung.

Grund hierfür ist, dass lebenstüchtige und gefestigte Personen zur Resozialisierung der Inhaftierten beitragen sollen. Das nämlich ist die Aufgabe eines jeden Vollzugsbediensteten. Im Vollzug werden die Personen, die die Betreuung der Gefangenen im allgemeinen Aufsichtsdienst übernehmen, in Fachlehrgängen insbesondere im Strafrecht und im Strafvollzugsrecht ausgebildet und mit Grundzügen der Psychologie im Umgang mit schwierigen Persönlichkeiten vertraut gemacht. Am Ende dieser Ausbildung und im weiteren Verlauf ihres Berufslebens sind die Menschen, die die Medien als Wärter herabwürdigen, qualifizierte Fachkräfte, die beruflich und charakterlich so manchem Vertreter der schreibenden Zunft überlegen sind.

Das Berufsethos der Journalisten definiert sich über das sorgfältige Erfassen der Realitäten. Diese Verpflichtung wird von den Vertretern der Medien seit Jahrzehnten bedenkenlos über Bord geworfen, wenn es um die Menschen geht, die sich mit großem sozialen Engagement den schwierigen Aufgaben unseres Strafvollzuges stellen. Und selbst dann, wenn ein Mitarbeiter des Vollzuges in seinem Beruf Schaden erleidet, beleidigen die Zeitungsleute ihn noch mit der Bezeichnung „Wärter“.

Wann denken diese Menschen darüber nach, dass auch Justizvollzugsbeamte eine Berufsehre und Menschenwürde besitzen.

Jürgen Mehl, Auetal