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Zeit, um „die Kuh noch vom Eis“ zu holen

Gefährliche Abfälle Zeit, um „die Kuh noch vom Eis“ zu holen

Zum Artikel „Ahrens trotzt Kritik“ vom 25. November. Am 22. November nahm ich an der Informationsveranstaltung der Firma Ahrens über deren Absicht der Errichtung einer Betriebsanlage zur Behandlung und Lagerung von „gefährlichen und nicht gefährlichen Abfällen“ in Lahde/Petershagen teil.

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Stadthagen. Ein klarer Punktsieg für diese Firma, die erstmalig mit ihrem umstrittenen Bauvorhaben an die Öffentlichkeit geht, wenn auch von dem erstmalig beantragten behördlichen Genehmigungsverfahren im Frühjahr 2016 viel Zeit verstrichen ist.

Sodann fand auch der Vortrag von den Vertretern der Firma Ahrens in merklich frostiger Atmosphäre und vor sichtlich entsetzten Zuhörern statt.

Giftige Annhaftungen am Gleisschotter

Diese Firma beabsichtigt aufgrund der guten Infrastruktur, einen Recycling-Standort im Industriegebiet Lahde aufzubauen. Es sollen vorerst Alt-Schottersteine vom Bahngleiskörper der Deutschen Bahn durch installierte Brecher- und Siebanlagen wieder aufbereitet und nach dem abgeschlossenen Recycling-Prozess in den Straßengrundbelag zurückgeführt werden. Die giftigen Anhaftungen, die beim aufzubereitenden Gleisschotter durchaus vorkommen können, sollen gesondert in den geschlossenen Siebanlagen herausgesiebt und anschließend einer autorisierten Entsorgung zugeführt werden. Im Rahmen des gesamten Betriebsablaufs kann es generell zu einer erheblichen Zunahme von Schwerlastverkehr kommen. Soweit so gut.

Die Vortragenden schockten die Gäste der Informationsveranstaltung, indem sie zugaben, dass bei der Wiederaufbereitung von Gleisschotter technisch nicht jeder Staub gebunden werden kann. Um welche konkreten Stoffe es sich hierbei handelte, blieb im Unklaren. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass der zertrümmerte Gleisschotter und die nicht gebundenen Staubpartikel zwangsläufig in die Umwelt zurückgeführt werden. Als Beispiel können Straßenerneuerungen genannt werden.

"Ahrens konnte berechtigte Ängste nicht abbauen"

Ein wesentlicher Kritikpunkt an diesem Vortragsabend war, dass die Vertreter von Ahrens die berechtigten Ängste der Zuhörer über die beabsichtigte Zwischenlagerung von anfallenden Giftstoffen auf dem Betriebsgelände nicht abbauen konnten. Insbesondere fehlten beim „Abspulen“ des Firmenvortrags Ausführungen über den endgültigen Verbleib des todbringenden Giftstaubes. Ein Ort der Endlagerstätte wurde nicht genannt. Ebenso mangelte es beim Vortrag an der Darstellung eines Gift-Kataloges über die Einstufung der anfallenden toxischen Stoffe und deren Konzentration. Der technische Stress-Test für die Anlage wird zeigen, ob alles in der angekündigten Weise gemäß den Wünschen der Betreiberfirma funktioniert.

Ferner gab es keinen Hinweis, ob das Recycling-Unternehmen Ahrens mit dem erworbenen großen Betriebsgelände und der anvisierten zehnjährigen Betriebsdauer weiterhin vor Ort expandieren möchte. In Anbetracht der Tatsache, dass dieses Unternehmen das Asphalt-Mischwerk in Stadthagen betreibt und durch Auftraggeber Straßen saniert, wobei im Arbeitsprozess auch Asphalt-Fahrbahndecken, die mit Altlasten kontaminiert sein können, gefräst werden, ist es naheliegend anzunehmen, dass auch hier sich Recycling-Märkte erschließen könnten.

Weil das abschließende Gesamtgenehmigungsverfahren bei der zuständigen Bezirksregierung in Detmold über das Bauvorhaben der Firma Ahrens in Lahde noch aussteht, kann „die Kuh noch vom Eis“ geholt werden. Bernd Degener

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