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Leserbriefe Zu Recht Forschungen verlangt
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19:34 16.03.2019
Symbolbild Quelle: Archiv

Auch ich bin der Meinung, dass das jetzige Hinweisschild an der Muckermann-Passage korrigiert werden muss. Denn anders als sein Bruder Friedrich war Hermann Muckermann keineswegs „aktiv im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“.

Aber muss sein Name deshalb ganz verschwinden? Es genügte ja ein Hinweis, dass seine wissenschaftlichen Forschungen der Weimarer Zeit über Eugenik und Vererbung, die er wie andere Forscher in Europa und den USA unabhängig vom Nationalsozialismus betrieb (und die er nach 1945 teilweise revidierte) umstritten sind, und dass er 1933 von den Nationalsozialisten aus dem Kaiser-Wilhelm-Institut entlassen wurde und später Rede- und Schreibverbot erhielt.

Der Autor des Artikels fordert zu Recht Forschungen über das Verhalten von Muckermann in der NS-Zeit. Konkret ginge es um folgende Fragen: Kann es eine „unschuldige“ Forschung über Vererbung und Eugenik unabhängig vom Nationalsozialismus geben, die nicht in die verbrecherischen Konsequenzen der NS-Euthanasiemorde mündet?

Wie hat Muckermann das NS-Gesetz „Zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ vom Juli 1933 (Zwangssterilisierung), an dessen Ausarbeitung er nicht im Auftrag des NS-Staats beteiligt war, persönlich beurteilt?

Wie hat Muckermann den Kampf gegen den NS seines Bruders Friedrich beurteilt?

War Muckermann ein Antisemit, wenn er die Tatsache anspricht, dass die „Taufe den Menschen zum Gotteskind macht, aber niemals sein Erbgefüge ändert“? Für Christen ist die Taufe für alle Menschen möglich, unabhängig von ihrer Herkunft. Mit Sicherheit wäre Muckermann ein Antisemit, wenn er deshalb die Taufe von Juden wie die Deutschen Christen abgelehnt hätte. Hat er das?

Wenn wir sicher nicht zu Unrecht Muckermann vorwerfen, Stimmung gegen Behinderte gemacht zu haben und damit bewusst oder unbewusst den Nationalsozialisten Vorschub geleistet zu haben, so sollten wir uns heute selbstkritisch fragen, inwieweit die heutigen modernen vorgeburtlichen medizinischen Untersuchungsmethoden zur Feststellung eventueller Behinderungen zwecks der Möglichkeit, eine Geburt zu verhindern, nicht auch die Stimmung im Einblick auf Behinderte beeinflussen.

Wie ist Muckermanns wissenschaftliche Leistung vor 1933 und nach 1945 zu beurteilen? Dr. Wolfram Ender

Eschershausen