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Konzerte Interview mit Thomas Godoj
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14:27 04.10.2018
Thomas Godoj ist mit seiner Band am 6. Oktober im LUX Hannover zu Gast. Quelle: © Julia-Scheibeck-Junited-Photography

Dein neues Album heißt „13 Pfeile“. Auf welches Ziel sind diese Pfeile gerichtet?

Ganz klar - auf die Fans meiner Musik. Der Titel soll Programm sein, 13 Songs, die den Hörer in welcher Weise auch immer „treffen“ und ansprechen wollen.

Die aktuelle Platte ist Dein siebtes Album und kommt mit ungewohnt harten Songs daher. Ist das jetzt der „neue“ Thomas Godoj?

Ich würde eher sagen „der neue alte“ Thomas Godoj. Vom Stil her habe ich mich auf meine musikalischen Wurzeln besonnen und eine Platte gemacht, die auch der Art von Musik entspricht, die ich gerne privat höre und weswegen ich damals überhaupt angefangen habe, selbst Musik zu machen.

Wie viel Persönliches steckt in „13 Pfeile“?

Sehr viel. Ich würde sagen, „13 Pfeile“ ist mein bisher persönlichstes Album. Es behandelt eigentlich alle Themen, die mich in den letzten Jahren so beschäftigt haben.

Mit dem Opener „Keine Option“ thematisierst Du ein brandaktuelles Thema und beziehst auch ganz klar Stellung? Wie wichtig sind Dir solche Botschaften an die Fans?

Der Song ist mir tatsächlich sehr wichtig. Ich finde, als Künstler kommt man an der Verantwortung sich zu bestimmten, gesellschaftlichen Themen zu äußern und klar Stellung zu beziehen, gar nicht mehr herum, und das will ich auch gar nicht. Das Thema beschäftigt mich sehr, denn es macht mir wirklich Sorgen, wie die derzeitige politische Stimmung im Land ist. Deshalb wollte ich die Leute, die an meiner Musik interessiert sind, unbedingt wissen lassen, wie ich dazu stehe. In der Hoffnung, vielleicht den ein oder anderen aufzurütteln und zu erinnern, dass wir Leute, die eine menschenverachtenden Ideologie vertreten, niemals wieder an die Macht kommen lassen dürfen. Und natürlich, um diejenigen zu bestärken, die das genauso sehen wie ich und ihnen zu zeigen, dass ich mit ihnen bin, indem ich unsere Überzeugung in einem starken und harten Song zum Ausdruck bringe. Gewalt in welcher Form auch immer sollte niemals das Mittel der Wahl sein, um Probleme zu lösen. Dieser Song behandelt rechte Gewalt, vor allem deshalb, weil wir bereits zu gut die Folgen davon kennen, wenn diese Form der Gewalt wieder gesellschaftsfähig wird. Besonders froh und glücklich bin ich natürlich über die Kollaboration mit den Ruhrpottrebellen, die mich in der Single- und Videoversion von „Keine Option“ stimmgewaltig unterstützen.

Mit Deinem Crowdfunding-Projekt hast du einen Europarekord mit einer Summe von über 200.000 Euro aufgestellt. Wie kam es überhaupt zu der Idee und hast Du mit diesem Erfolg gerechnet?

Ich habe 2014 mein erstes Crowdfunding gestartet, weil ich mich aus dem engen Korsett und der Fremdbestimmung von Plattenverträgen befreien und komplett auf eigenen Füßen stehen wollte. Dafür musste ich natürlich viel Überzeugungs- und Informationsarbeit im Vorhinein bei meinen Fans leisten. Auf jedem Konzert habe ich genau erklärt, was ich vorhabe und wie das Konzept von Crowdfunding überhaupt funktioniert. Für mich war das ja damals auch Neuland und wirkliche Vorreiter im Bereich Musik gab es da so noch nicht. Ich hab also ziemlich alles auf eine Karte gesetzt und wusste nicht, wie es tatsächlich ausgehen und ob ich überhaupt noch weiter in der Form, also professionell, Musik machen können würde. Aber zum Glück habe ich die besten Fans der Welt – sie haben mich wirklich aus den Socken gehauen, als nach nur wenigen Stunden mein angepeiltes Mindestziel schon erreicht und damit klar war, dass mein Projekt erfolgreich ist. In den nächsten beiden Crowdfundings haben die Leute sich jedesmal wieder selbst übertroffen – und doch war ich immer wieder höllisch aufgeregt und unsicher, ob das tatsächlich noch ein weiteres Mal klappen kann.

Wenn Du jetzt einmal zurückschaust, 2008 hast Du „DSDS“ gewonnen. Bist Du im Nachhinein froh, dass Du Dich damals dem Casting gestellt hast oder bereust Du die Teilnahme?

Ich bereue sie definitiv nicht. Es gibt da so einen schlauen Spruch, der besagt, am Ende deines Lebens wirst du nur die Dinge bereuen, die du NICHT getan hast und so sehe ich das auch. Es gibt immer gute Gründe, weshalb man sich für bestimmte Dinge im Leben entscheidet - und kurz vor DSDS war ich einfach an einem Punkt angelangt, wo es musikalisch für mich nicht mehr weiterging. Zumindest schien der Weg, professionell Musik zu machen, plötzlich zuende, nachdem ein vielversprechendes Bandprojekt von unserem damaligen Produzenten für gescheitert erklärt wurde. Ich habe dafür mein Studium geschmissen und hatte außer meinen inneren Drang und meiner Stimme gefühlt wirklich nichts mehr. Also habe ich mich, um mal zu schauen, ob ich nicht doch irgendjemanden da draußen von mir überzeugen könnte, bei DSDS beworben. Mit diesem Erfolg und dem Sieg habe ich aber wirklich nicht gerechnet und ich bin dankbar, dass ich deshalb heute da bin, wo ich bin. Ohne diese Öffentlichkeit damals hätte ich jetzt nicht diese tollen Fans an meiner Seite, auch wenn es natürlich über die Jahre gesehen harte Arbeit erfordert hat, sie auch weiterhin von meiner Musik zu begeistern. Aber zum Glück habe ich ja Spaß daran und kann mich selbst verwirklichen, so dass man da alle Mühen und die Höhen und die Tiefen, die dieses Business mit sich bringt, gerne auf sich nimmt.

Wenn Deine Kinder irgendwann mal mit dem Wunsch bei Dieter Bohlen vorsingen zu wollen, zu Dir kommen, wie würdest Du reagieren?

Ich würde ihnen da nicht im Wege stehen. Aber ich würde dafür sorgen, dass ich ihnen all meine Erfahrungen, die ich in der Zeit dort gesammelt habe, mit auf den Weg gebe, so dass sie wirklich eine gute Grundlage haben, sich dafür oder dagegen zu entscheiden. Es ist halt kein Format, was auf die langfristige Etablierung eines Künstlers in der Musikwelt abzielt, das muss ihnen klar sein.

Auf was können sich Deine Fans auf dem Konzert im LUX Hannover besonders freuen. Den Song „Love is you“ wird es wohl nicht zu hören geben, oder?

„Love is you“ haben wir tatsächlich in den letzten Jahren auch das ein oder andere Mal live gespielt - allerdings haben meine Band und ich in den Proben eine viel härtere, rockigere Nummer daraus gemacht. Auf die Art hat es uns dann auch wieder Spass gemacht, ihn nach so langer Zeit wieder live zu performen. Im „LUX“ wird vor allem das neue Album präsentiert, aber ein paar alte Nummern stehen natürlich auch auf dem Plan. Verraten will ich aber noch nichts, in den nächsten Tagen proben die Jungs und ich wieder zusammen und mal gucken, was uns da alles so in den Sinn kommt ;)

Wage einmal einen kleinen Blick in die Zukunft. Stehst Du in zehn Jahren immer noch auf der Bühne mit dem 14. Album im Gepäck?

So weit denke ich ehrlich gesagt nicht. Musik wird und soll immer eine wichtige Rolle in meinem Leben spielen und es wäre natürlich ein Traum, wenn ich das noch viele Jahre professionell machen darf.
Und in naher Zukunft? Wie ist der Fahrplan in den kommende Monaten? Ist ein neues Album schon in Arbeit?

So gesehen arbeite ich eigentlich ständig an neuen Songideen - wann daraus ein konkretes Albumkonzept wird kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht sagen. Jetzt kommt erstmal die „13 Pfeile“- Tour mit meiner Band und im Winter startet die Akustik- Tour „V‘Stärker Aus“ wo ich auch die neuen Songs quer durch Deutschland in neu arrangierten Akustikversionen performen werde.

Interview: Enrico Lang