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Agnes Miegel taugt nicht mehr als Denkmal

Zum Bürgerentscheid über den Verbleib des Agnes-Miegel-Denkmals in Bad Nenndorf. Agnes Miegel taugt nicht mehr als Denkmal

Autoren, deren Bücher 1933 nicht öffentlich verbrannt wurden, waren entweder gänzlich unpolitisch, unverfänglich oder systemtreu. Für Agnes Miegel gilt sicherlich das Letztere.

Sie war eine Verehrerin Adolf Hitlers und des Nationalsozialismus. Nach 1945 hat sie sich niemals klar vom Nationalsozialismus distanziert. Miegel aus ihrer Zeit losgelöst zu betrachten und nach heutigen Maßstäben zu beurteilen sei falsch, wird oft argumentiert. Diese Verdrängungsproblematik kennen wir schon aus der Nachkriegszeit, als das kollektive Vergessen und Generalamnestien von nationalsozialistischen Verbrechen bald die Methoden der Wahl waren.

Aber, darum geht es gar nicht: Sie war eine überzeugte Nationalsozialistin, Zitat: „Lass in deine Hand, Führer, uns vor aller Welt bekennen; Du und wir, nie mehr zu trennen, stehen ein für unser deutsches Land.“ (Weiheverse 1938). Sie war nicht nur ein Kind ihrer Zeit, das sich dem Nationalsozialismus nicht entziehen konnte!

Die Diskussion um die Entfernung (Ratsbeschluss) beziehungsweise die Erhaltung (geforderter Bürgerentscheid, Agnes-Miegel-Gesellschaft) ist für Bad Nenndorf beschämend. Seit einer breiteren Öffentlichkeit bekannt ist, welche Vergangenheit Agnes Miegel hat, müsste sich die Aufrechterhaltung eines Denkmals im Kurpark eigentlich von selbst erledigt haben. Fehlanzeige. Statt eine strategisch wesentlich geschicktere Schadensbegrenzung zu betreiben und das Denkmal verschämt in den eigenen Vorgarten zu stellen, begibt sich die Agnes-Miegel-Gesellschaft mit einem Bürgerentscheid in die Offensive.

Die Argumentationskette ist simpel: Der Zweck heiligt die Mittel, da Agnes Miegels literarisches Werk so bedeutsam sei. Die braune Gesinnung bleibt außen vor.
Der Prozess der Aufarbeitung unserer nationalsozialistischen Vergangenheit ist im Gang und betrifft nicht nur Agnes Miegel, sondern auch andere historische Persönlichkeiten. Es ist dringend nötig, auch der heutigen Jugend zu zeigen, dass man im Umgang mit dem Nationalsozialismus und allen seinen Anhängern und Verehrern unnachgiebig umgeht.

Auf einer öffentlichen Podiumsdiskussion in der Bad Nenndorfer Wandelhalle wurde der Vorbildcharakter Agnes Miegels diskutiert. Der für mich bemerkenswerteste Punkt des Abends wurde aber nie wieder aufgegriffen, und ich möchte ihn darum wieder in die öffentliche Diskussion bringen: Es wurde bekannt, dass die erste Vorsitzende der Agnes-Miegel-Gesellschaft, Frau Dr. Marianne Kopp, an einem Vortragswochenende im (inzwischen verbotenen) Collegium Humanum vom 16.-18.2.2001 einen Vortrag hielt. Weitere Referentin an diesem Wochenende: Frau Ursula Haverbeck, mehrfache Rednerin auf den „Trauermärschen“ in Bad Nenndorf und hartnäckige Holocaustleugnerin. Mir fallen keine plausiblen Erklärungen ein, warum man an diesem Ort mit solcher Gesellschaft einen Vortrag halten sollte. Dies wirft für mich ein neues Licht auf die Agnes-Miegel-Gesellschaft.

Zur Erinnerung: „Der Stifter des Denkmals, Willibald Völsing, hat auch nach 1945 mit NS-Größen und ehemaligen NSDAP-Mitgliedern sympathisiert und diese als Mäzen gefördert.“ So war es in dieser Zeitung am 22.4.2014 nachzulesen.

Ich fasse zusammen: Erstens war Agnes Miegel eine bekennende Nationalsozialistin. Zweitens ist sich die erste Vorsitzende der Agnes-Miegel-Gesellschaft nicht zu schade dafür, gemeinsam mit einer bekannten Holocaustleugnerin Vorträge an einem fragwürdigen Ort zu halten.

Drittens ist der Stifter des Denkmals ein Sympathisant und Förderer der Neonaziszene. Der sowieso peinliche Bürgerentscheid wackelt, und die Agnes-Miegel-Gesellschaft möchte den Rat Bad Nenndorfs zu einer Rücknahme des Beschlusses motivieren, um das Denkmal auf diesem Wege an Ort und Stelle zu halten.

Liebe Bad Nenndorfer, machen Sie diesem unsäglichen Thema ein Ende: Entfernen Sie das Denkmal per Bürgerentscheid aus dem Kurpark!
Thomas Berger

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