Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Die Hofwiesen sind nicht kostenlos

Zum Leserbrief von Frau Cornelia Eziuka „Naturschutz und Wohnen gleichsam förderungswürdig“ vom 30. März Die Hofwiesen sind nicht kostenlos

Man mag der Leserbriefschreiberin Cornelia Eziuka zugute halten, dass sie – wie sie selbst bemerkt – noch nicht lange in Bückeburg lebt. Sonst würde sie die Wut und Empörung der meisten Bückeburger über den erneuten Angriff auf „ihre Hofwiesen“ vielleicht verstehen.

Man mag der Leserbriefschreiberin Cornelia Eziuka zugute halten, dass sie – wie sie selbst bemerkt – noch nicht lange in Bückeburg lebt. Sonst würde sie die Wut und Empörung der meisten Bückeburger über den erneuten Angriff auf „ihre Hofwiesen“ vielleicht verstehen.

Einfach zu behaupten, die anvisierte Fläche in den Hofwiesen sei für den Verein „Mehrgenerationenhaus Bückeburg“ kostenlos zu haben, zeugt entweder von naiver Unkenntnis oder Ignoranz – vielleicht ist es aber auch Kalkül. Fakt ist: Das betreffende Areal steht unter Landschaftsschutz und ist zusätzlich mit zwei Ausgleichsmaßnahmen für andernorts erfolgte Eingriffe in Natur und Landschaft (unter anderem den Bau des Herminenhofs im Palaisgarten) belegt. Im Falle einer Bebauung müssten also drei wertgleiche Flächen an anderer Stelle zur Verfügung gestellt werden. Das wäre für den Verein nicht etwa kostenlos, sondern die teuerste denkbare Variante überhaupt.

Dass die Hofwiesen überhaupt wieder für eine Bebauung ins Gespräch kommen konnten, ist ohnehin nicht nachvollziehbar. Hier hätte die Stadt sofort ein klares „Nein“ setzen müssen. Kein Wunder, dass jetzt so viele Bückeburger derart aufgebracht, entrüstet und enttäuscht sind. Hatten sie doch seit 1998 darauf vertraut, ihre Sorgen um den Schutz der Hofwiesen würden von den Politikern der Stadt verstanden und ernst genommen. Damals hatte der Rat bekanntermaßen am 28. Mai 1998 nach jahrelangen Bürgerprotesten, Unterschriftenaktionen und über 800 schriftlichen Einsprüchen im Rahmen der öffentlichen Auslegung bei der Stadt einer Bebauung der Hofwiesen eine Absage erteilt.

Welche ökologische und landschaftliche Kostbarkeit die Hofwiesen darstellen, wissen nicht nur die Bückeburger Bürger, sondern unter anderem auch der 1997 vom Büro Georg von Luckwald für die Stadt erarbeitete Landschaftsplan, der das Gebiet als „äußerst sensibel und wertvoll“ einstuft und daher jegliche Bebauung strikt ablehnt.

Zum gleichen Ergebnis kommt ein ökologisches Gutachten der Universität Hannover aus dem Jahr 1982, welches im Falle einer Bebauung der Hofwiesen die Zerstörung des Landschaftsbilds, die Verdrängung seltener Tierarten, die Gefährdung des hochempfindlichen Grundwasserhaushalts und die Verriegelung einer wichtigen Frischluftschneise für die Stadt Bückeburg nennt. Es ist erschreckend, bestürzend und alarmierend, dass einige Menschen überhaupt auf die Idee kommen können, das alles sei bedeutungslos.

Die langfristige Intention des Natur- und Landschaftsschutzes muss über Generationen hinweg bestehen können. Sie darf nicht aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben werden – aber auch nicht aus sozialen, denn Natur- und Landschaftsschutz ist sozial.

Christine Breier

Bückeburg

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben