Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Die ewig Gestrigen

Zum Artikel „Bahnhofstraße lahmgelegt“ vom 30. Juli. Die ewig Gestrigen

So etwas gibt es bei uns nicht.  Da werden in unserem Land Menschen verängstigt, Menschen verfolgt, Menschen verprügelt, Menschen auf offener Straße ermordet. Warum geschieht dies?

Es ist müßig, nach dem Warum zu fragen, denn eine Rechtfertigung gibt es nicht. Sind wir nicht insgeheim froh, dass es wieder mal nicht bei uns passiert ist? Warum sollten wir uns schämen? Sind es doch stets ein paar Verrückte, die es bei uns nicht gibt. Ja, bei uns hier in Schaumburg ist alles ganz ruhig, verhältnismäßig ruhig zumindest. Und wenn wir Glück haben, dann bleibt das auch so.
So einfach geht das nicht! Haben wir nicht alle schon einmal gehört, wenn es da hieß: „Ausländer raus! – Deutschland den Deutschen!“? Wie reagieren wir wirklich, wenn jemand laut oder auch nur leise solche oder ähnliche Sprüche ablässt? Haben wir nicht alle schon mal weg geschaut, wenn ein Anderer angepöbelt, eingeschüchtert wurde, egal ob es ein Ausländer, ein Mensch anderer Hautfarbe oder ein Behinderter war? Ja, aber wenn es ernst geworden wäre, dann hätten wir sicher etwas unternommen, immer die eigene Sicherheit im Auge. Aber zumindest Hilfe hätten wir herbei gerufen. Auf uns ist Verlass!
Das reicht nicht. Jeder Einzelne muss sich den Feinden des Friedens, der Sicherheit, den Feinden unserer Gesellschaft entgegen stellen. Dabei ist es egal, ob es um Rechtsradikalismus, Fremdenhass oder Intoleranz geht. Die Macht des Einzelnen ist die Fähigkeit, etwas zu tun, irgendetwas. Wir werden es wohl akzeptieren müssen, dass diese Gesellschaft immer wieder Kräfte hervorbringt, die die Rechte, die Freiheit der anderen nicht respektieren wollen, die diese Gesellschaft nicht wollen, wie sie sich bewährt hat, so wie wir es nicht verhindern können, dass wir uns hin und wieder einen Schnupfen oder einen sonstigen Infekt einfangen.
Aber wir alle müssen stets darauf achten, dass diese Kräfte zurückgedrängt werden. Sie müssen beim kleinsten Anlass, beim kleinsten Vorfall sofort bekämpft werden. Jeder Einzelne ist Bestandteil des Immunsystems unseres Organismus – unserer Gesellschaft. Bieten wir gemeinsam den menschenverachtenden Kräften die Stirn. Stehen wir den Schwachen bei und treten den wirklichen Außenseitern entgegen. Mit Taten!
+++ Diesen Leserbrief habe ich vor etwa 15 Jahren geschrieben. Auch heute hat er nicht an Bedeutung verloren. Das Flüchtlingselend auf der Welt, die Not der Menschen, die sie zu uns treibt – hier auf Hilfe und Verständnis hoffend – und die fast täglichen Berichte über fremdenfeindliche, menschenverachtende Aktionen müssen uns allen Anlass sein, den Tätern und Verantwortlichen die Stirn zu bieten und das an jedem Tag – nicht nur heute, wenn die ewig Gestrigen wieder in unserem schönen Bad Nenndorf eine Bühne suchen.

Rolf Neumann
Bad Nenndorf

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Sagen Sie Ihre Meinung – Schicken Sie Ihren Leserbrief bequem via Internet über unser Online-Formular. mehr