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Eingegrenzte Sicht der Dinge

Zum Artikel „Vieles möglich, weniges realistisch“ vom 2. Juni. Eingegrenzte Sicht der Dinge

In den Schaumburger Nachrichten vom 2. Juni war zu lesen, dass der „Standort“ Georgschacht „außerhalb der Kreisgrenzen nahezu unbekannt“ sei.

Dieses behauptet, so die Zeitung, der Stadtplaner Gerrit Schwalbach, der eine Art Stärken-Schwächen-Analyse zur Georgschacht-Situation der Stadt vorlegte. Doch zahllose Berichte und Veröffentlichungen haben den Georgschacht über die Grenzen des Schaumburger Landes und weit darüber hinaus bekannt gemacht. Das Zitat „nahezu unbekannt“ verwundert also, ebenso die Aussage, dass es an Fantasie fehle, aus der Zechenhaus-Hinterlassenschaft etwas zu machen. „Inwertsetzung“ (ein Begriff aus der Kulturgeographie) und „Revitalisierung“ stehen im Raum und sind aus ihm meines Erachtens nicht wegzudenken.

Jüngst ist zu hören von einer Masterarbeit der Universität Hannover über eine potenzielle Landschaftsarchitektur des Georgschacht-Geländes. Dass die Kohlenkirche „zwischen Biogasanlage und Asphaltmischwerk eingezwängt“ sei, wie die Zeitung weiter zitiert, ist, topographisch-räumlich genauer hingeschaut, nicht zutreffend.

Sicherlich ist die „Kohlenkirche“ ein Problem. Eine gute Verwertung des phänomenalen Bergwerksgebäudes wäre, dort eine Art Berufsförderungswerk mit vor allem außer-schaumburgischen Mitteln zu implementieren, wie schon einmal angedacht: Siehe SN vom 5. Juli 2003: „Sozialprojekt als Rettung für Zechengebäude“. Dies wäre eine dem „Gewerbegebiet Georgschacht“ angemessene Folgenutzung; ein Pilotprojekt zwischen Arbeits- beziehungsweise Berufsförderung in der heutigen postindustriellen Lebens- und Arbeitswelt. Es wäre eine Verbindung von Tradition und Fortschritt, worauf doch großer Wert gelegt wird: die Identität des Schaumburger Landes. Zwischen Minden und Hannover, möchte ich hinzufügen.

 

Das Problem Kohlenkirche mit ihrem Umfeld ist sicherlich nicht ohne Impulse, Konzepte und kräftige Finanzmittel von auswärts zu lösen. Man muss da die Grenzen nicht nur Schaumburgs, sondern wohl auch die des Landes Niedersachsen zu überschreiten wagen. Natürlich ist von einer Millioneninvestition auszugehen, was die „Revitalisierung“ der Kohlenkirche betrifft. Doch welche Möglichkeiten eines innovativen Restaurierungsprojekts von weit überörtlicher Bedeutung liegen darin. Fragwürdig beziehungsweise unverständlich erscheint der Satz eines Ratsmitgliedes: „Wir müssen ehrlich sein, es darf nichts kosten“. Der SN-Artikel vom 2. Juni vermittelt zwar die besondere Problemlage, aber auch, wie ich meine, eine etwas eingegrenzte Sicht der Dinge.

Dr. Georg Römhild

Borchen

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