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Engagement der Jäger wird herabgewürdigt

Leserbrief zum Artikel „Bambi zuerst“vom 15. November Engagement der Jäger wird herabgewürdigt

Eine vermenschlichte Tierfigur wie „Bambi“ aus einem Zeichentrickfilm für Kinder in den Mittelpunkt einer Reportage über eine Treibjagd, die im Übrigen wohl eine Ansitzdrückjagd war, zu stellen, wird der Notwendigkeit und Ernsthaftigkeit der Jagd in Deutschland nicht gerecht.

Jagd hat zum Ziel, geregelt durch Jagd- und Tierschutzgesetz, die „Erhaltung eines den landschaftlichen und landeskulturellen Verhältnissen angepassten und artenreichen Wildbestandes sowie die Pflege und Sicherung seiner Lebensgrundlagen“ zu gewährleisten.

 Es sollen also die Schäden in der Land- und Forstwirtschaft durch Wild auf ein akzeptables Maß reduziert werden. Dazu kommen unter anderem die Prävention gegen Seuchen, die auch eine Gefahr für Nutztiere und Menschen darstellen, sowie die Verringerung von Wildunfällen auf unseren Straßen.

 In diesem Fall hat der Autor meiner Ansicht nach die notwendige journalistische Sorgfaltspflicht nicht eingehalten, um dem Artikel offensichtlich eine bestimmte Richtung zu geben. Bei einer Jagd werden Tiere getötet. Grundlage dafür sind beim Schalenwild (zum Beispiel Rot-, Dam-, Muffel- und Rehwild – ausgenommen Schwarzwild) Abschusspläne der Unteren Jagdbehörde, die für die Revierinhaber bindend sind. Werden diese Pläne nicht erfüllt, droht ein Ordnungswidrigkeitsverfahren.

 Jagd und Hege sind also keine Selbstzwecke, sondern gesellschaftliche Aufgaben, für die die Jäger viel Zeit und Geld investieren und damit auch in erheblichem Maße am Naturschutz in diesem Land beteiligt sind. Das Schießen von Wildtieren von der Jugendklasse hinauf in die Altersklasse ist sowohl wildbiologischen Erkenntnissen als auch dem Tierschutzgesetz geschuldet – nicht nur bei Drückjagden.

 Apropos „Bambi“: Fast alle jungen Tiere sind niedlich, aber beim Verzehr von Lamm- und Kalbfleisch oder Spanferkel machen sich die Konsumenten offensichtlich weniger Gedanken. Und nicht zu vergessen: Auch wenn wir Jäger Tiere töten, die Achtung vor der Kreatur hat bei uns einen hohen Stellenwert.

 Der Artikel enthält darüber hinaus auch klare sachliche Fehler. So kann ich mir nicht vorstellen, dass der erwähnte Jäger mit einer Flinte auf Rehwild schießt. Er würde damit eine Straftat begehen. Eine Flinte verschießt Schrot, und das Schießen mit Schrot auf Schalenwild ist in Deutschland gesetzlich verboten.

 Der Gipfel ist jedoch, den toten Wildkörper als Kadaver, also als einen in Verwesung übergehenden Tierkörper zu bezeichnen. Das Tierschutzgesetz besagt, dass „niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen darf“. Deshalb muss das Wild nach dem Schuss verwertet werden.

 Wildbret ist ein sehr gesundes und qualitativ hochwertiges Lebensmittel. Die Verwertung von Wildfleisch muss nach deutschen und europäischen Lebensmittel- und Hygienevorschriften hohe Anforderungen erfüllen. Kein Jäger dürfte also Aas verkaufen, und kein Wildhändler würde derartiges Fleisch erwerben.

 In einer Zeit, in der Massentierhaltung in der öffentlichen Diskussion steht, versucht die Kreisjägerschaft mit weiteren Partnern, den Konsum von Wildfleisch zu fördern. Die „Schaumburger Wildwochen“ laufen seit einigen Jahren mit großem Erfolg und stoßen inzwischen auch überregional auf große Anerkennung.

 Unsere Kreisjägerschaft hat mehr als 800 Mitglieder. Es ist schade, dass deren Engagement für die Natur und unsere Gesellschaft herabgewürdigt wird.

Achim Palm, Obmann Öffentlichkeitsarbeit Kreisjägerschaft Schaumburg

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