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Entscheidung gegen Kreißsaal in Stadthagen nicht nachvollziehbar

Zur Berichterstattung über die Schließung des Kreißsaals in Stadthagen. Entscheidung gegen Kreißsaal in Stadthagen nicht nachvollziehbar

Unsere beiden Kinder, das letzte erst vor zwei Wochen, bekam meine Frau im Kreiskrankenhaus Stadthagen. Von der Betreuung, der Kompetenz und Freundlichkeit der Hebammen, Ärztinnen und Kinderschwestern, sowie der angenehmen und großräumigen Ausstattung der Räumlichkeiten waren wir sehr angetan. Dass die Geburtshilfe dort nun vorzeitig schließen soll, ist mir aus mehreren Gründen völlig unverständlich.

Soweit ich weiß, gibt es in Stadthagen drei Kreißsäle, die ständig betriebsbereit sind. Bückeburg hat lediglich zwei (wie kurzfristig kann bitteschön im Notfall der dritte Kreißsaal adäquat hergerichtet werden?). Stadthagen hat ein extra Wehenzimmer, Bückeburg nicht. In Stadthagen gibt es direkt im Kreißsaaltrakt einen Notfall-OP. In Bückeburg müssen die Schwangeren dafür in ein anderes Stockwerk verlegt werden. Diese Fakten sprechen eine eindeutige Sprache. Aus Sicht der werdenden Mütter verfügt Stadthagen damit über eine deutlich bessere Ausstattung und im Zweifelsfall über einen entscheidenden Zeitvorteil auf dem Weg in den OP – alleine das sollte Entscheidungsgrundlage sein.  Außerdem ist nicht nachvollziehbar, dass der Stadthäger Kreißsaal geschlossen wird, obwohl die Geschäftsleitung indirekt von den Bückeburger Hebammen gezwungen wurde, eigentlich den Bückeburger Kreißsaal zu schließen. Dass dieses nun doch so beschlossen wurde, ist meiner Ansicht nach rein auf politische und (scheinbar) wirtschaftliche Interessen zurückzuführen. Dass damit das Patientenwohl bei der Auswahl des Zusammenlegungsstandortes nicht als Entscheidungsgrundlage gedient haben, ist ein Skandal – fügt sich aber gut ein in das immer weiter nach rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten ausgelegte Gesundheitssystem.
Ein weiterer, bedauerlicher Aspekt ist, dass seitens des Kreises offenbar nicht mal versucht wurde, bei der Entscheidungsfindung die Weichen Richtung Stadthagen zu stellen, sondern sich wieder einmal von Agaplesion übervorteilen zu lassen. Zumindest liest man davon nichts. Wo sind da die politischen Verantwortlichen, die aus unseren Steuergeldern zunächst für das Krankenhaus Stadthagen verantwortlich sind? Dieses symptomatische Verhalten der öffentlichen Hand, sich gegenüber der Privatwirtschaft regelmäßig übervorteilen zu lassen, ist unerträglich.
Eine Anmerkung noch zum Schluss. Dieser Leserbrief richtet sich ausdrücklich nicht gegen das Bückeburger Krankenhaus, dessen Belegschaft, Leistung oder Ausrichtung, sondern lediglich um den Entscheidungsprozess, der zur Auswahl geführt hat. Ganz im Gegenteil, ich würde mir auch das neue Klinikum als ein christliches Krankenhaus, wie Bückeburg, wünschen. Entscheidend dabei ist aber, dass diese Werte auch gelebt werden und nicht nur Fassade sind. Dieses bleibt abzuwarten und ist aufgrund vieler Ereignisse kritisch zu hinterfragen.
Zum Schluss noch ein Lob. Hut ab vor der exzellenten Leistung der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit des Agaplesion Konzerns. In einer Pressemitteilung eine solch negative und ungewollte Entscheidung, als einen blumigen und positiven Teambuilding-zusammenwachsen-kuschel-Prozess zu beschreiben, das ist schon sehr beachtlich.
Florian Ernst
Nienstädt

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