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Flüchtlingswellen als Ergebnis einer verfehlten Entwicklungspolitik

Zu den Artikeln „Der Krieg in der Wüste“ und „Unsere Soldaten sollen Terroristen auf die Spur kommen“. Flüchtlingswellen als Ergebnis einer verfehlten Entwicklungspolitik

Wieder einmal bedrohen in Mali, Algerien und Mauretanien Drogenkartelle, Waffenschmuggel, radikal-islamischer Terror durch das Terrornetzwerk Al-Qaida und Boko Haram und die daraus resultierenden Flüchtlingswellen die Sicherheit und Interessen nicht nur in Europa.

Der Mali-Einsatz der Bundeswehr soll das Land durch wirtschaftliche und politische Unterstützung auf die Beine helfen. Diese Stabilisierungsmission kann aber nur durch die Bekämpfung der Fluchtgründe wie Bürgerkriege, Hungersnöte, Bildungsmangel, Umweltzerstörung, Armut, Perspektiv- und Ausweglosigkeit mit einer anderen Entwicklungs- und Wirtschaftspolitik begleitend gelingen.
 Das gängige Wirtschaftsmodell „Extraktivismus“ hat den Nachteil, dass es kleine Eliten reich macht. Ihre Regierungen, denen vor allem die Jugend davonläuft, beruhen auf Klientelismus, Autoritarismus und Korruption. Demokratische Strukturen sind selten. Von Äquatorialguinea über Saudi-Arabien bis Kasachstan besitzen 62 Despoten so viel wie 3,5 Milliarden Menschen dieser Regionen. Wie wäre es mit einer Resolution der Vereinten Nationen, die diese korrupten Regierungen und Repräsentanten für all das ächtet, was sie unterlassen haben?
 Mali liegt mitten im „Goldgürtel“, der sich durch ganz Westafrika zieht. Daneben gibt es Erdöl, Erdgas, Phosphat, Kupfer, Bauxit, Diamanten, die größten Vorräte an Uran und sogar reinen Wasserstoff. Die zu erwartenden Einnahmen müssen von einer demokratisch legitimierten Regierung in eine nachhaltige Wirtschaft, ein modernes Bildungssystem, in Sozialprogramme und ein Gesundheitssystem fließen. Was bedeutet, dass die Industrieländer und Malis größter Handelspartner China ihr Wirtschaftssystem überdenken und in ein gerechteres Handelssystem umwandeln müssten.
 Keinesfalls darf sich die teure Suche nach Terroristen in Mali auf das Finden und Vermarkten von einträglichen Rohstoffen beschränken. Sonst steht wie in Afghanistan die erfolgreiche Bekämpfung des Terrorismus in einem eklatanten Missverhältnis zu den dort auf rund 250 Milliarden Euro geschätzten Vorkommen an Silizium und Seltene Erden. Neue Unruhen, Not und weitere Flüchtlingswellen wären die ernüchternde Konsequenz.

Dieter Homberg
Bad Nenndorf

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