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Gefahren werden verharmlost

Zu dem Bericht „Rotkäppchen kann aufatmen“ vom 14. März. Gefahren werden verharmlost

Die Rückkehr der Wölfe findet immer mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit, da sind aufklärende Artikel zu begrüßen, um eine realistische Einschätzung der Risiken vornehmen zu können. Leider werden aber in oben genannten Artikel wieder einmal die Risiken verharmlost.

So wird mit Bezug auf die Studie des Norwegischen Instituts für Naturforschung (NINA), die im Jahr 2002 veröffentlicht wurde, von weltweit neun Wolfsangriffen auf Menschen in der Zeit von 1950 bis 2000 gesprochen. Wenn man die Studie sorgfältig liest, stellt man fest, dass dort neun tödliche Wolfsangriffe auf Menschen beschrieben werden, die den heutigen Anforderungen an die Beweisführung genügen.

Es werden Tausende von Wolfsangriffen aus 400 Jahren erwähnt. In der Studie werden auch 273 tödliche Angriffe auf Kinder in Indien erwähnt, die aber damals als nicht bewiesen galten. Erst im Jahr 2007 wurden diese Fälle von dem Wolfsbiologen Dr. Yadvendradev Jhala untersucht mit dem Ergebnis, dass im Zeitraum von 20 Jahren durchschnittlich 13 Kinder pro Jahr von Wölfen getötet wurden.

Da in Indien aber noch mehr Menschen von Bären, Tigern, Leoparden und Schlangen getötet werden, war es für die Öffentlichkeit nicht von besonderem Interesse. Das wäre in Deutschland sicher ganz anders.

Es gibt also sehr wohl tödliche Angriffe von Wölfen auf Menschen. Die immer wieder gern zitierte Scheu der Wölfe vor Menschen – so kann man auch der NINA-Studie entnehmen – findet man dort, wo Wölfe gejagt werden und ihnen der Mensch als gefährlicher Gegner erscheint.  Da, wo Wölfe nicht gejagt werden, verlieren sie nach und nach die Scheu vor den Menschen, nähern sich den Siedlungen, suchen leichte Beute und greifen auch Menschen an.

Das vielfach in den Artikeln der letzten Wochen beschriebene „atypische“ Verhalten der Wölfe (Wildeshausen, Leer, Lauenburg) konnte in den letzten Jahren in allen Teilen der Welt beobachtet werden. Leider auch mit dem Ergebnis, dass die Angriffe von Wölfen auf Menschen dort zugenommen haben, wo sie sich nicht vor den Menschen fürchten müssen, also unter Natur- und Artenschutz stehen.

Es gibt viele Studien und wissenschaftliche Dokumentationen, in denen man einiges über Wolfsangriffe auf Menschen lernen kann. Insbesondere lernt man dabei, dass die bisherige Darstellung der Naturschützer und Wolfsexperten in Deutschland eine gefährliche Verharmlosung ist.

Aber wie sagte Peter Ustinow so schön: „Am Tag vor dem Weltuntergang wird uns ein Experte erzählen, dass das technisch gar nicht möglich ist.“ Das kann man sinngemäß auch auf unsere Wolfsexperten übertragen.
Werner Schoch
Stadthagen

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