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Gegen das Kriegsgeheul des Generalleutnants Jacobson

Zum Artikel „Einen Leopard 2 gibt es nicht bei Karstadt“ vom 5. Dezember Gegen das Kriegsgeheul des Generalleutnants Jacobson

„Generalleutnant Carsten Jacobson sieht Bundeswehr vor großen Veränderungen – Umdenken nötig“ – wie wahr, war mein erster Gedanke beim Lesen. Der naive Hoffnungsschimmer erlosch jedoch beim Weiterlesen des Artikels.

Wie konnte ich auch von einem ranghohen Offizier eine pazifistische Einstellung erwarten oder zumindest eine Grundeinstellung, welche ausschließlich die Verteidigung der Bundesrepublik im Fokus hat.

Wohl definiert und objektiv betrachten

Der Ruf nach einer besseren Ausstattung der Bundeswehr ist durchaus berechtigt, da jeder zur Erfüllung seiner Aufgaben an seinem Arbeitsplatz optimale Arbeitsmittel benötigt. Hierbei sollten aber die Aufgaben mit Blick auf unsere Geschichte wohl überlegt definiert und dabei die kritisierte Außenpolitik Russlands objektiv betrachtet werden. War es nicht auch die Außenpolitik des Westens und die unablässige Nato-Osterweiterung, welche Russland erst zu den bekannten Maßnahmen nötigte und sogenannte Bündnispartner schuf, welche bei genauerer Betrachtung ihrer Regierungsentstehungen und Zusammensetzungen, nach unserem Demokratieverständnis einiges an Misstrauen, wie zum Beispiel in der Ukraine, bei der rechtsextreme Holocaustleugner in der Regierung sitzen, hervorrufen müsste?

Fundamentales Verständnis für Journalismus

Jedem, der nicht in das Kriegsgeheul des Generalleutnants Jacobson einstimmen kann und belastbare Fakten zu einer objektiven Meinungsbildung benötigt, kann ich die Bücher von Frau Krone-Schmalz und von Herrn Scholl-Latour sehr empfehlen. Es gab eine Zeit, da wurde in öffentlich rechtlichen Medien sehr viel Wert auf deren Sachkenntnis und weltpolitischen Weitblick gelegt. Warum das scheinbar endete, ist mir nach wie vor ein Rätsel, zumal man davon ausgehen kann, dass beide ihrem fundamentalen Verständnis für Journalismus immer treu geblieben sind. Vielleicht liegt hier der Grund.

Der Ruf von Generalleutnant Jacobson, über Dinge zu diskutieren, die noch vor kurzer Zeit undenkbar gewesen sein, und nach „hochintensiven Gefechten“ lässt mich vor dem Hintergrund zweier Weltkriege im 20. Jahrhundert mit Millionen von Toten und Vertriebenen wahrlich erschauern.

Allein Russland musste in Folge des Zweiten Weltkrieges, den sie nicht begonnen hatten, über 20 Millionen Tote beklagen. Schon deshalb wäre hier etwas Zurückhaltung, analog wie gegenüber Israel angebracht.

Auch die „Stabilisierungseinsätze“ der Bundeswehr waren von getöteten, seelisch und körperlich verletzen Soldaten geprägt, ohne dass sich ein sichtbarer Erfolg eingestellt hat. Im Gegenteil, es wurde die Stabilisierung der Instabilität erreicht. Das Fazit in Jugoslawien, Somalia, Afghanistan und des sogenannten „Arabischen Frühlings“ belegt das hinreichend.

Begründung erscheint nicht plausibel

Wer oder was berechtigt uns anderen Völkern und Staaten unser Verständnis von Demokratie und Lebensweise mit der Waffe in der Hand nahe zu bringen? Die Folgen sind bekannt und momentan hochaktuell. Auch die allumfassende Begründung bisheriger und weiterer „Auslandseinsätze“ durch die steigende Terrorgefahr erscheint nicht plausibel, hält man sich mal vor Augen, wie es wäre, wenn zum Beispiel ein arabischer Staat bei uns Truppen zur „Stabilisierung“ stationiert. Dann wären wir in dessen Augen die Terroristen, falls wir uns bewaffnet wehren würden, oder doch Freiheitskämpfer? Also alles eine Frage des Standpunktes.

Wie viele Soldaten müssen nach Ansicht von Generalleutnant Jacobson noch verletzt und getötet werden, für Ziele, die mittlerweile nicht mehr hinterfragt werden, bevor sich endlich wieder mal die Erkenntnis einstellt, dass es durch Kriege nur Verlierer gibt? Von Kriegen profitieren nur die Wenigen, welche ihn finanzieren beziehungsweise politischen und somit wirtschaftlichen Nutzen daraus ziehen. Unsere Eltern und Großeltern können das nur bestätigen. Auch wenn die Abschaffung der Wehrpflicht einen vermeintlichen Vorteil für die Führung der Bundeswehr darstellt, ist sie doch für jeden jungen Menschen auch eine Chance, genau zu hinterfragen, wofür sie ihr Leben und ihre Gesundheit einsetzen.

Knut Gunschera

Bückeburg

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