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Griechenland nicht zugrunde richten

Zum Artikel „Das neue griechische Chaos“ vom 3. Dezember. Griechenland nicht zugrunde richten

Dass europäische Politiker beinahe ununterbrochen auf Griechenland einprügeln, gehört inzwischen zum guten Ton in Brüssel und Berlin. Dass nun aber auch noch ein Zeitungsmann unreflektiert mitprügelt, ist ein neuer Pressetiefpunkt.

Von einem Journalisten kann man erwarten, dass er die Lage ausgewogen und kritisch kommentiert. Herr Höhler scheint aber Gefallen daran zu finden, sich an der Schlammschlacht gegen Tsipras zu beteiligen, wobei es ihm offenbar nichts ausmacht, Einzelbeobachtungen zu verallgemeinern.
Dessen ungeachtet ist Athen mit der aktuellen Flüchtlingssituation zweifellos überfordert. Das ist aber auch kein Wunder. Dank immer neuer Sparauflagen und Interventionen seitens der EU ist Griechenland wirtschaftlich am Ende, die Verelendung der Bevölkerung hat bereits dramatische Formen angenommen. Wenn die eigenen Bürger hungern und die medizinische Versorgung zusammenbricht, wo sollen dann die Mittel für eine menschenwürdige Betreuung von Flüchtlingen herkommen? Nötig wären eine substantielle Hilfe und eine Stabilisierung der sozialen Lage, stattdessen werden Frontex-Beamten angeboten.
In Brüssel tut man so, als wäre die Flüchtlingsproblematik hauptsächlich auf ein Versagen Athens zurückzuführen. Stimmt nicht. Das eigentliche Desaster besteht darin, dass nur die wenigsten EU-Staaten überhaupt Flüchtlinge aufnehmen wollen. Totalverweigerung seitens Polen und Ungarn: Zwei Staaten, die gerade ins faschistische Lager abgleiten, der nächste Kandidat dürfte Dänemark sein. Wo bleibt da die harsche Kritik aus Brüssel?
Griechenland endgültig zugrunde zu richten, wäre ein schwerer Fehler. Nicht nur aus humanen Gründen. Bricht Griechenland zusammen, fällt die strategische Flankenposition im äußersten Südosten Europas weg. Das wäre angesichts der ohnehin sich anbahnenden Zerfallserscheinungen das Ende der Europäischen Union.

Dr. Peter Hornig
Pohle

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