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Großwildjäger Schick: Einfach nur Mordlust?

Zum Artikel „Auf Großwildjagd in Afrika“ vom 28. Mai. Großwildjäger Schick: Einfach nur Mordlust?

Ist es der Reiz der Gefahr, der Kampf Mann gegen Bestie auf Leben oder Tod? Oder ist es einfach nur Mordlust, die Herrn Schick auf Großtiere in Afrika schießen lässt? Ich weiß es nicht.

Wie krank muss ein Hirn sein, das Glücksempfinden oder Freude auslöst beim Töten wehrloser Kreaturen? Diese Tiere in den Parks sind normalerweise nicht aggressiv und auch an Menschen gewöhnt. Seit 25 Jahren fahren meine Frau und ich meist zweimal im Jahr für zwei bis drei Wochen nach Afrika (Kenia, Tansania, Simbabwe, Botswana, Südafrika) auf Safari – wohlgemerkt auf Fotosafari.
Auf unzähligen „Bushwalks“ habe ich mich in Begleitung von Rangern Löwen, Nashörnern, Büffeln und andere Raubtieren auf wenige Meter genähert. 15 Meter von einem großen Löwenrudel entfernt war mir schon ein bisschen mulmig, ein verwackeltes Video war das Ergebnis.

Niemals aber wurden die Tiere für uns gefährlich, weil wir – so unsere Ranger – den notwendigen Abstand einhielten. Noch nie hat einer unserer Ranger einen Schuss abgeben müssen. Leichtsinnig werden darf man allerdings nicht, denn es bleiben wilde Tiere.
Schick setzt sich also „bei der Jagd einer Gefahr fürs eigene Leben aus“? Außerdem sei „der Drang, Beute zu machen, [...] stark“.
Hat das Zebrafleisch den Hunger von Herrn Schick gestillt? Oder vielleicht nur seinen Tötungstrieb? „Man muss das Jagdfieber unterdrücken – die zitternden Finger“. Das klingt krankhaft in Bezug auf Antilopen, Zebras und Giraffen, die bei geringster Gefahr davonlaufen. Aber selbst Löwen und Leoparden würden normalerweise nicht angreifen, wenn Menschen sich ihnen nähern, denn Menschen gehören in den Reservaten nicht in ihr Beuteschema.

Eine Ausnahme ins Sachen Gefährlichkeit bildet das Flusspferd, das aber nicht zu den sogenannten Big Five gehört, an denen Herr Schick besonders interessiert ist. Wenn sich Herr Schick einem Flusspferd (an Land) nähert, wäre das tatsächlich äußerst gefährlich. Er würde von dem Pflanzenfresser zwar nicht gefressen, aber möglicherweise angegriffen und getötet.
Ich halte die Jagd und die Jäger für die Hege und Pflege unserer Wälder und Wildtiere für notwendig. Ich bin kein Vegetarier und natürlich werden Tiere getötet für meinen Fleischhunger. Damit habe ich auch kein Problem. Ich habe auch nichts gegen Fleischjagd, für mich muss das Tier nicht unbedingt per Bolzenschussgerät auf meinen Tisch befördert worden sein.

Meine Verachtung richtet sich gegen Trophäenjäger, die vom sicheren Geländewagen oder abgesichert von einem Ranger und sogenannten Fährtensuchern Löwen, Elefanten, Leoparden und andere Großtiere schießen und ihnen das Fell abziehen. Der Trophäentourismus von Herrn Schick hat mit Hege und Pflege der Wildart und Arten- und Naturschutz nichts zu tun. Trophäenjäger haben gerade die stärksten und schönsten Tiere im Visier, die für die Arterhaltung von besonderer Bedeutung sind.

Seit 1. Januar 2014 sind in Botswana Trophäenjagd und Jagdtourismus verboten, um den Artenschutz zu fördern. Die Regierung setzt auf sanften Öko-Tourismus, der vom Artenreichtum des südafrikanischen Landes lebt: Urlauber sollen mit der Beobachtung von Wildtieren nach Botswana gelockt werden. Kenia hat bereits 1977 die Jagd auf alle Haar-Wildtierarten verboten.
Tiere, die vertraut mit den Menschen sind, die nicht in panischer Flucht davonjagen, wenn ein Mensch sich nähert, sondern gelassen weiter das tun, was die Natur ihnen vorschreibt: Das ist für mich als Foto-Safari-Tourist ein Hauch von Paradies. Ich fühle mich in der Nähe der „wilden“ Tiere in besonderer Weise in der Natur aufgehoben, in ihr heimisch – und welche Gedanken beherrschen Herrn Schick?

„Die Trophäenjagd ist ein abscheulicher Zeitvertreib reicher abgestumpfter Menschen, die mehr Geld als Moral besitzen“, sagt Vanessa Reithinger, Fachreferentin für Wildtiere bei PETA Deutschland. Dem stimme ich in vollem Umfang zu. Trophäenjäger dezimieren die Tierwelt in erheblichem Ausmaß. Aus einer wissenschaftlichen Studie über die Jagd auf Löwen in Tansania geht hervor, dass die legale Trophäenjagd – und nicht etwa Wilderei oder der Verlust von Lebensräumen – der Hauptfaktor für den deutlichen Rückgang der Wildtiere ist.
Müssen wir froh sein, dass Trophäenjäger ihren Tötungstrieb auf diese Weise befriedigen?
Dr. Günter Merkel
Heeßen

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