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Hexenverfolgung ist noch nicht lange her

Über die Entlassung der Pastorin Nguyen-Fürst Hexenverfolgung ist noch nicht lange her

 Auch ich gehöre zum Kreis derjenigen, die die Entlassung und vor allem die Art und Weise der Entlassung der Pastorin Nguyen-Fürst und deren Darstellung in der Presse zutiefst empört hat.

Ganz überrascht war ich merkwürdigerweise nicht. Als Posaunenchorbläserin – und dadurch durchaus aktives Gemeindemitglied – durfte ich über lange Jahre den Kirchenbetrieb, zumindest den, der nach Außen sichtbar wird, beobachten.

Hier hält sich ein System aufrecht, das neue Impulse, wenn überhaupt, eigentlich nur durch die Mitarbeit von Frauen und einiger Musiker aufnehmen kann. Doch, da sind durchaus manchmal gute Impulse zu sehen und zu hören gewesen. Aber wenn es darum geht, jetzt mal einer nicht unwesentlichen Gruppe von Kirchgängern und Gemeindemitgliedern etwas zu geben, nämlich den Frauen, die ja doch auch inzwischen zu den kirchensteuerzahlenden Mitgliedern gehören, tut sich die Kirche, genauer gesagt, eine kleine Gruppe von Schaumburger Pastoren, offenbar auch im Jahre 2016 noch sehr, sehr schwer. Liebe Pastoren, die Zeit ist weiter gegangen. Es gibt inzwischen berufstätige, geldverdienende Frauen. Ausgerechnet den Frauen, die immer gerne innerhalb der Kirche als Gebende willkommen sind, gönnt die Kirche keine Gottesdienste, die auch die Bedürfnisse der Frauen mal berücksichtigt.

Wenn jetzt in der Presse gesagt wird, dass der Herr Landesbischof sich aus Persönlichkeitsschutzgründen nicht weiter zu den Vorgängen äußern möchte, suggeriert er damit ein Fehlverhalten der Pastorin Nguyen-Fürst, was einem Rufmord gleichkommt. Selbst wenn die Pastorin Fürst etwas getan oder gesagt haben sollte, was man kritisch betrachten könnte (das glaube ich aber ausdrücklich nicht), muss ich an dieser Stelle mal sagen, dass auch männliche Pastoren nicht frei von Fehlverhalten sind – merkwürdigerweise führt das aber nicht zu Konsequenzen.

Wie sagte Jesus Christus? „Wer von euch ohne Sünde ist…“ und so weiter. Das kann man in der Bibel nachlesen, von der sich die Kirche offenbar schon sehr weit entfernt hat. Ich persönlich gehöre nicht zu einer sehr frommen Fraktion, ich lese auch nicht täglich in der Bibel, aber ein paar christliche Glaubenssätze sind mir in Fleisch und Blut übergegangen, von denen ich glaube, dass sie heute wichtiger denn je sind in einer Welt, die Werte wie Toleranz, ein gutes, offen zuhörendes Miteinander benötigt und Orientierung an einem immer noch beachtenswerten Glaubensgründer wie zum Beispiel Jesus Christus (und aus meiner Sicht auch Buddha oder Mohammed, solange gelebte Toleranz und Nächstenliebe damit verbunden werden).

Hier in Stadthagen oder Schaumburg erlebe ich gerade eine am Alten, Verkrusteten festhaltende Kirche, die den Eindruck erweckt, dass die Hexenverfolgung und damit meine ich Frauenverfolgung (Hexen waren eigentlich nur kluge Frauen, die großes Heilwissen hatten) doch noch nicht so lange her ist. Erschreckend. Aber es ist gut, wenn die Kirche sich entlarvt. Dann fällt der Kirchenaustritt auch nicht mehr so schwer.

Ich solidarisiere mich ausdrücklich mit Frau Nguyen-Fürst und den Leserbriefautoren Ulrich Georg Berrang, Julia Berrang, Andrea Jungbluth und Julia von Kleist, deren Eindrücke ich nur bestätigen kann. Almut Lükemeier aus Stadthagen

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