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Mein Leben mit Diabetes und Essstörung

Zum Artikel „Gefährlicher Abnehm-Trend“ vom 4. März. Mein Leben mit Diabetes und Essstörung

Guten Tag Frau Schütte, ich habe Ihren Artikel über Diabulimie gelesen und fühle mich nun sehr zwiegespalten. Bei mir wurde vor fünf Jahren der Diabetes Mellitus Typ 1 diagnostiziert und vor etwa zwei Jahren eine Essstörung, und zwar Bulimie.

Zuerst litt ich jedoch an Anorexie und schaffte es einen BMI von 16 zu erreichen, danach rutschte ich allerdings in die Bulimie ab, ich bekam Essattacken und nahm stetig zu, bis ich einen BMI von etwa 20 erreichte.
Ab einem bestimmten Gewicht wollte mein Kopf nicht mehr mitspielen und meine ES (Essstörung) hat mir das Spritzen von Insulin fast komplett verweigert, was damit endete, dass ich mit einer Hyperglykämie im Krankenhaus landete. Nach einer Woche Intensivstation, von der ich aber nur fünf Tage mitbekommen habe, und einer Woche im Kinderkrankenhaus wurde ich entlassen. Körperlich ging es mir besser, aber ich wurde gezwungen, einen viermonatigen Aufenthalt in einer speziellen Klinik für Essstörungen anzutreten. Dieser dauerte von Anfang 2015 bis Sommer 2015, jedoch sind die Begriffe Diabulimie und Insulin-Purging nie gefallen und ich bin zum ersten Mal in dieser Zeitung darüber gestolpert. Folglich kann ich Ihnen Recht geben, wenn sie sagen, dass diese Begriffe nicht länger unter der Hand gehalten werden sollten, jedoch ist es fast immer so, dass normale Ärzte beziehungsweise Psychotherapeuten entweder nichts mit Diabetes oder Bulimie anfangen können.
Psychodiabetologen? Ich lebe auf dem Land, so eine Behandlungsform ist für viele gar nicht möglich. Ich habe noch nie von solchen Spezialisten gehört, und bisher musste ich meine Ärzte immer über meine Essstörung und meine Psychologen über den Diabetes aufklären. Spezielle Hilfe ist mehr als unrealistisch, viel mehr utopisch. Wenn Sie in Ihrem Artikel schon eine Psychotherapie empfehlen, wie können Sie dann von einem Schlankheitswahn sprechen? Das ist offensiv und verletzend.
Ich kann mich in Ihrem Artikel aber durchaus wiedererkennen. Denn diese Fragen stören mich auch sehr: „Du hast Zucker?“ „Darfst du überhaupt diesen Muffin essen?“ „Warum musst du dich für Brot spritzen? Das hat keinen Zucker!“ „Mein Opa hat auch Diabetes, aber der macht eine Diät, deshalb braucht er kein Insulin. Das könntest du auch probieren.“
Dieser emotionale Schmerz begünstigt natürlich Ess-Attacken – ein Teufelskreis. Vielen Essgestörten wird empfohlen, sich nicht allzu sehr mit ihrer Nahrung zu beschäftigen, „einfach mal so zu essen“. Tja, das funktioniert bei Diabetikern nun leider nicht. Ich möchte diese Autoimmunerkrankung so eigentlich nicht akzeptieren, was meine Essstörung verstärkt und nicht die Essstörung den Diabetes. Problem nur: Niemand in geläufigen Einrichtungen kennt sich mit Diabetes und Essstörungen aus, was die Therapie frustrierend und langwierig macht.
Monika Kovacs
Alzenau

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