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Nicht mehr als ein Notdienst im Krankenhaus

Zum Artikel „Die Klassenfahrt ist sicher“ vom 16. Januar. Nicht mehr als ein Notdienst im Krankenhaus

Es ist erfreulich, dass Ihre Redaktion in einem Bericht über hiesige Schulen nicht nach dem auflagenstärkenden Skandalon („Chefsache“) gesucht hat, sondern sachlich unbegründete Sorgen von Eltern und Schülern zerstreut. Aber dem Tenor und einzelnen Aussagen Ihres Artikels muss aus unserer Sicht entschieden widersprochen werden: Es stimmt, einige Kollegen werden aus Liebe zu ihrem Beruf Klassenfahrten weiter betreuen. Aber das ist nicht mehr als der Notdienst in Krankenhäusern, wenn Verdi zum Streik aufruft.
 

Das mag man „Berufsethos“ nennen, aber zu den Pflichtaufgaben von Lehrern gehören Klassenfahrten gerade nicht. Diese waren und sind freiwillige Mehrarbeit, die wir gerne und klaglos geleistet haben, solange die Arbeitsbedingungen stimmten und der Dienstherr gegebene Zusagen eingehalten hat. Deshalb ist der landesweite Boykott, den ein großer Teil unserer Kollegen ausdrücklich unterstützt, sehr wohl eine „geeignete Form des Protestes“. Denn Beamte haben außer einem „Dienst nach Vorschrift“, der für die Kinder und Jugendlichen sehr viel üblere Folgen hätte, kaum andere, öffentlichkeitswirksame Mittel, um auf die verheerenden Folgen einer Schulpolitik aufmerksam zu machen, mit der – scheibchenweise auf dem Erlasswege – die Leistungsfähigkeit der Gymnasien massiv beeinträchtigt werden wird. Zu hoffen ist, dass die Landesregierung die Voraussetzungen dafür schafft, damit Klassenfahrten in Zukunft wieder allen Kollegen möglich sind.
 Klassenfahren dienen im Übrigen nicht, jedenfalls nicht allein, dem chillenden Blick auf den still ruhenden See, wie Ihre Bildauswahl suggeriert. Reine Ausflugsfahrten mögen „ein schönes Mittel“ sein, um „Schüler noch mal ganz anders kennenzulernen“, aber dem Erziehungs- und Bildungsauftrag des Gymnasiums widersprechen sie.

L Grau, M. Grimmer, H. Krzykowski, T. Schmidt, U. Rottmann-Kölling
Personalräte am Wilhelm-Busch-Gymnasium Stadthagen

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