Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 11 ° Regenschauer

Navigation:
Nur noch eine gesichtslose Schlafstadt

Zum Artikel „Wohnraum in der Gehrenbreite schaffen“ vom 6. Januar Nur noch eine gesichtslose Schlafstadt

Im Rahmen eines Fazits ihrer bisherigen Amtszeit nimmt die Leiterin des Bauamtes, Annette Stang, auch zur Zukunft des Kurhauses Stellung. Dem aufmerksamen Leser mag sich dabei die Frage stellen, ob die Zuständigkeitsverlagerung von der Führungsetage des Rathauses hin zum Bauamt der Stadt Bad Nenndorf ab dem 1. Januar 2017 nicht so etwas wie das Weiterreichen einer heißen und ungeliebten Kartoffel bedeutet.

Ein so sensibles Thema, das die Stadtkultur von Bad Nenndorf immanent berührt, müsste meiner Meinung nach auch weiterhin Chefsache im Rathaus bleiben.

Frau Stang bemüht dann auch die Abrissvariante, gegen die sich im Rahmen des Bürgerentscheides 60,4 Prozent der teilnehmenden Bürgerinnen und Bürger der Stadt aussprachen. Frau Stang erweckt damit den Eindruck, hiermit unkritisch dem offensichtlich stark unterentwickelten Demokratie- und Kulturverständnis der Ratsmitglieder von CDU, SPD und FDP zu folgen. Die Bauamtsleiterin sollte als Architektin zudem eigentlich wissen, wer Ernst Zinsser war, der das Kurhaus Anfang der sechziger Jahre klug konzipiert hat.

Wenn Wirtschaftlichkeit allein die Hauptprämisse für den Erhalt der nur noch bruchstückhaft vorhandenen Stadtkultur sein soll, dann dürfte auch das Schlösschen im Kurpark schon längst nicht mehr vorhanden sein. Und wie wirtschaftlich ist der Kurpark? Wäre es nicht, etwas zynisch gefragt, nur konsequent vom Rat der Stadt, wenn zumindest Teilbereiche im oberen Kurpark parzelliert und einem beherzten Investor zur Bebauung angeboten würden? Sozusagen der „große Abwasch“ parallel zum Abriss des Kurhauses?

An interessierten Investoren hierfür würde es in dieser Stadt ganz sicher nicht mangeln. Es mangelt aber in Bad Nenndorf an Visionen sowie geschichtlichem und kulturellem Verantwortungsbewusstsein gegenüber kommenden Generationen. Wenn es in diesem Stil, der durch reines Renditedenken geprägt ist, weitergehen sollte, wird Bad Nenndorf − vielleicht eines Tages ohne das Attribut „Bad“ − nur noch eine gesichtslose Schlafstadt mit ausufernden „Musterhaussiedlungen“ vor den Toren Hannovers sein.

André Zimmermann

Bad Nenndorf

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben