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Plastiktüten sind nicht das Problem

Zu dem Bericht „Weihnachtsgeschäft läuft mau an“ vom 13. Dezember Plastiktüten sind nicht das Problem

Fünf Prozent Geschäftsverlust in der Weihnachtszeit sind keine Kleinigkeit. Internet und ungünstige Geschäftsverlagerungen mögen eine Rolle spielen. Es gibt aber noch einen anderen Grund.

In zahlreichen Stadthäger Geschäften wird man seit einiger Zeit zum Teil extrem unfreundlich behandelt − besonders dann, wenn man nach getätigtem Einkauf zum Verstauen der Ware um eine Plastiktüte bittet. Dann sinkt die gute Laune der Verkäuferin schlagartig, es erfolgt ein strafender Blick, die Tüte wird auf den Tisch geknallt: „20 Cent“. Wenn man Pech hat, erfolgen noch ein paar vernichtende Belehrungen.

Dabei sind derartige Aktionen nicht nur ärgerlich, sondern auch völlig nutzlos. Aus zwei Gründen: Mit DSD und DRK liegt in Deutschland ein äußerst leistungsfähiges Sammelsystem vor, dass es erlaubt, Plastikleichtverpackungen in einem geschlossenen System der Verwertung zuzuführen. Dieses bereits von Umweltminister Töpfer eingeführte Entsorgungsmodell, Stichwort „Gelber Sack“, hat sich technisch außerordentlich bewährt. Hinzu kommt in Deutschland eine vorbildliche Entsorgungsdisziplin.

Es ist absolut unwahrscheinlich, dass aus der Entsorgungskette Plastik in die Weltmeere gelangt. Dazu sollte man andere ansprechen, Länder, auch in Europa, in denen es zum Teil keine geordnete Müllentsorgung gibt.

Auch die zweite Begründung, durch den Verzicht auf Plastiktüten könne man Energie sparen, ist aus der Luft gegriffen. Hierzu muss man sich vergegenwärtigen, was mit den Plastikverpackungen geschieht: Mehr als 50 Prozent der Plastikmasse werden geschreddert und in Hochöfen geblasen, wo sie zur Eisenoxydreduktion eingesetzt werden, womit Koks eingespart wird. Cirka 40 Prozent des Materials sind stark verschmutzt und gehen in die Müllverbrennung, wo sie zur Energieerzeugung beitragen. Kleinere Mengen werden in Zementdrehrohröfen eingesetzt. Werkstoffliches Recycling findet aus Qualitäts- und Kostengründen kaum statt. Verringert sich der Anfall von Kunststoffteilen, muss zum Beispiel im Hochofen bei gleicher Produktionskapazität wieder mehr Koks eingesetzt werden.

Die Energiebilanz bleibt gleich, Energie wird nicht eingespart. Ähnlich sieht es in Verbrennungsanlagen aus. Geht der Plastikanteil zurück, müssen andere Energieträger, unter Umständen Heizöl eingesetzt werden, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Also ein Nullsummenspiel.

Dr. Peter Hornig

Pohle

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