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Polemische Vorurteile gegen Holzbau

Zum Bericht „Ein 18-Millionen-Euro-Brikett?“ vom 13. Juli. Polemische Vorurteile gegen Holzbau

Der Artikel „Ein 18-Millionen-Euro-Brikett?“ hat wahrlich mein Innerstes in Bewegung gebracht. Als Architekt beschäftige ich mich sowohl praktisch als auch theoretisch mit dem Holzbau in der Architektur.

Der Holzbau hat in den vergangenen Jahren weltweit und vor allem im europäischen Raum eine unglaubliche Entwicklung gemacht – damit sollte man sich beschäftigen, bevor man polemisch Vorurteile in die Welt setzt. Nicht nur wegen der Nachhaltigkeit – Holz bindet CO2, ist ein nachwachsender Rohstoff und von allen Baustoffen am besten zu recyceln – auch eben aus ökologischen und ökonomischen Gründen ist Holz ein Baustoff mit Zukunft geworden.

 Das Vorurteil, Gebäude aus Holz würden eher brennen, ist dank der hohen Brandschutzbestimmungen völlig haltlos und zeugt nur von Voreingenommenheit und Unkenntnis gegenüber dieser Bauart. In dem Zusammenhang finde ich die geäußerte Annahme, dass dieser Holzbau eine Gefahr für das Leben der Schulkinder darstellen würde, zutiefst unsachlich und reine Stimmungsmache.

 Bevor die IGS überhaupt aus Holz gebaut wird, ist schon von vorne herein klar, dass „das Gebäude zahllose Mängel haben wird“ – da war wohl ein Hellseher am Werk. Und der erwähnte Gutachter? Was will der denn begutachten, höchstens vielleicht funktionale Mängel im Entwurf, aber die kann er sowieso nicht beurteilen.

 Dass für den Bau dieses Gebäudes nur Fachfirmen aus Süddeutschland in Frage kommen würden, ist eine Beleidigung an die gesamte holzverarbeitende Branche, speziell an die Zimmermannsbetriebe im Schaumburger Land, Niedersachsen, wenn nicht sogar im ganzen Norden Deutschlands.

 Wer polemisch behauptet, hier würde die Nachhaltigkeit als Alibi missbraucht, der verkennt unsere wirklich schwierige ökologische Gesamtlage und unsere Verantwortung gegenüber unserer Umwelt.

 Im Jahr 2016 wurde der „Niedersächsische Holzbaupreis“ vom Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ausgelobt. 35 Arbeiten wurden eingereicht, und eine Fachjury prämierte davon neun Arbeiten. Von diesen Preisträgern seien aufgrund ihrer typologischen Ähnlichkeit zum IGS-Bau in Rinteln erwähnt:

 Ausstellungs- und Seminargebäude DBU in Osnabrück;Kita „Kleine Gallier“ in Hannover;„Paul-Klee-Schule“ in Celle;Fagus-GreCon Kundenzentrum in Alfeld.

Man muss gar nicht so weit fahren, man muss nur wissen wohin. Eine Dokumentation des Wettbewerbes ist beim 3N Kompetenzzentrum Niedersachsen Netzwerk Nachwachsende Rohstoffe und Bioökonomie e. V. erhältlich.

Matti Schmalohr, DI Architekt BDA DWB, Dozent an der Hildesheimer Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst –FB Bauen und Erhalten

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