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Regioport wird kein Tor zur Nordsee

Zum Artikel „Spatenstich fällt ins Wasser“ vom 4. Juli. Regioport wird kein Tor zur Nordsee

Die in dem Artikel beschriebene „Feierstunde“ anlässlich des Baubeginns des Containerhafens Minden fand vor der Baustelle auf einem Schiff mit geladenen Gästen statt.

Der zuvor angekündigte symbolische Spatenstich wäre wohl angesichts des Urteils des Oberverwaltungsgerichts Münster zu peinlich gewesen, und die am Bagger dafür abgeordneten Bauarbeiter mit dem Spaten warteten vergebens. Normale Bürger waren da nicht willkommen.

 Auch der Schreiber des Artikels gehörte zu den geladenen Gästen und hat sich dieser Einladung als „würdig“ erwiesen: Kein Foto von den protestierenden Anwohnern schmückt seinen Bericht, stattdessen ein inhaltsleeres Bild der Baustelle. Artig übernimmt er unkommentiert die Argumente der Planer des Projekts und macht sich auch ungeprüft die Aussage zu Eigen: „Die weiteren Teilbauabschnitte – weitere Krananlagen, der Gleisanschluss und ein hafenaffines Gewerbegebiet – werden nach Bedarf umgesetzt.“ Einschränkend ergänzt er dann: „Der bahnseitige Containerumschlag erfolgt vorläufig noch am Hafenstandort am Industriehafen in Minden“; eine verräterische Formulierung, die im Klartext die Schlussfolgerung zulässt, dass dieser schon aufgrund der extrem hohen Baukosten, die die Stadt Minden allein tragen müsste, nie realisiert werden wird.

 Wenn der Abteilungsleiter für Grundsatzangelegenheiten im Verkehrsministerium sagt, „Wir setzen ein Zeichen“, der Lkw-Verkehr müsse auf Schiene und Wasser verlegt werden, so hat er grundsätzlich recht, nur setzt er dieses Zeichen an der falschen Stelle, denn Minden ist aus Bremen und Hamburg mit großen Containerschiffen schlichtweg nicht erreichbar. Somit ist der Regioport auch nicht – wie unwidersprochen behauptet – „das Tor zur Nordsee und zu den Seehäfen Norddeutschlands“. Selbst die Erklärung des Mindener Bürgermeisters, die Kapazitäten am bestehenden Hafen seien erschöpft, ist zumindest irreführend, weil dabei die Umschlagzahlen vom und auf das Schiff bewusst verschwiegen werden: Diese stagnieren nämlich, anders als suggeriert, seit Jahren auf niedrigem Niveau.

 Das alles ist bekannt und nachprüfbar, und solche „fake news“ verprellen nur gut informierte Leser und lässt sie an der Glaubwürdigkeit der Presse zweifeln, was nicht im Interesse einer seriösen Zeitung sein kann.

Ullrich Lampert, Bückeburg

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