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Spektakuläre Ablenkungsmaßnahme

Zum Artikel „Ein kleiner Schritt“ vom 28. März. Spektakuläre Ablenkungsmaßnahme

Zunächst glaubt man an einen verfrühten Aprilscherz, aber das Ganze ist kein Spaß, da werden tatsächlich unter kundiger Anleitung vom Nabu Waldflächen in Ödland verwandelt, um eine Krötenart, die es bisher im Weserbergland nicht gegeben hat, an mehreren Stellen anzusiedeln.

Auslöschung von Vegetation und extreme Bodenverdichtung sind Voraussetzungen, um der sogenannten Gelbbauchunke einen geeigneten Lebensraum zu schaffen.
In welcher Weise hierbei Landschaft zerstört wird, kann man im stillgelegten Süntelsteinbruch oberhalb von Pötzen besichtigen. Dort wurde bereits im vergangenen Jahr auf einem Plateau unterhalb des Felsbereichs der Boden durch Bagger aufgerissen.

Entstanden sind rechteckige Vertiefungen, die entfernt an Schützenlöcher erinnern, dazu kommen Schuttanhäufungen und überall tief eingeschnittene Fahrspuren. Opfer dieser Aktion wurde ein Trockenrasenbiotop, das sich im Laufe der Jahre herausgebildet hatte.

Zu der interessanten Flora gehören beziehungsweise gehörten neben verschiedenen Gräsern, etwa die Herbstflockenblume, zwei Arten von Glockenblumen, das relativ seltene Berufskraut, der sehr seltene Hügelmeister, Walderdbeeren, mehrere Weidenarten und Heckenrosen. Im Sommer konnte man viele Schmetterlinge beobachten, die hier offenbar ein Zuhause gefunden hatten. Damit dürfte es jetzt vorbei sein.

Um das Desaster noch ein bisschen zu vergrößern, ist jetzt der Zugang zum Steinbruch, der ein beliebtes Ausflugsziel war, gesperrt worden. Brutal durch das Fällen von Buchen, die quer über dem Anstiegspfad liegen. Wanderer sind von Pötzen aus gern über die Steinbruchwege zum Süntelturm emporgestiegen. Das geht nun auch nicht mehr. Stattdessen soll man eine scheußliche Forststraße, die durch immer neue „Sanierungen“ mittlerweile die Breite einer Bundesstraße erreicht hat, benutzen. Eine Zumutung.

Das Beispiel zeigt, dass die Ansiedlung der Gelbbauchunke keineswegs so harmlos ist, wie es in dem Artikel behauptet wird. Von wegen „kleiner Schritt“. Dass die Forstbehörden dem Unkenprojekt zugestimmt haben, ist leicht verständlich, handelt es sich doch um eine spektakuläre Alibimaßnahme, die wunderbar von der laufenden Vernichtung der umliegenden Wälder durch permanente Holzfällerei ablenkt.
Dr. Peter Hornig
Pohle

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