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Traurige Entscheidung

Zur Berichterstattung über Pastorin Huong Nguyen-Fürst Traurige Entscheidung

Von Dr. Julia von Kleist aus Kiel-Oppendorf:

Über die Nicht-Verlängerung des Vertrags von Frau Pastorin Nguyen-Fürst bin ich traurig, aber nicht überrascht. Als Ehefrau eines Pastors in Schaumburg-Lippe beobachte ich seit Jahren vergleichbare Vorgänge.

Ich habe Gottesdienste von Frau Fürst musikalisch begleitet und gern mit ihr und ihrem Mann zusammengearbeitet. Ihre Gottesdienste waren stets gut besucht. Sie brachte einen neuen Stil in die Gemeinde, der weniger pastorenzentriert war als der ihrer männlichen Kollegen, denn sie verstand es, Gemeindeglieder in vielfältiger Weise in die Gestaltung einzubinden. Ein entscheidendes Novum aber war, dass sie persönlich Zeugnis von ihrem Glauben ablegte.

Gerade ihre „Frömmigkeit“ schien aber der Kirchenleitung nicht zu gefallen. „Sie müssen das Christentum nicht neu erfinden“, wurde ihr gesagt.
Nicht? Ich denke doch. Lebendige Kirche erfindet sich immer wieder neu. Die Kirche lebt doch davon, dass sie immer wieder die Nähe zu ihrem Ursprung, zu Gott und zum Evangelium sucht. Wenn Luther nicht die Quelle des Christentums neu entdeckt und allen zugänglich gemacht hätte, würden wir im nächsten Jahr nicht das Reformationsjubiläum feiern.

Frau Fürst wurde gemaßregelt, wie man es heutzutage nicht einmal mehr Schülern zumutet, von Männern, die vor ihrer besonderen Lebenserfahrung und der ihr daraus erwachsenen Weisheit keine Achtung zeigten. Bedenkt man ihre Ausgangssituation, ist das von ihr in ihrem Leben Erreichte, mit all ihren Qualifikationen, eine Leistung, die ihresgleichen sucht. Männer sind der einzigen Frau im Kollegium nicht ritterlich begegnet, manche Frauen unbegreiflich wenig solidarisch.

Empörend ist, dass sie Gründe für das Auslaufen ihres auf zwei Jahre befristeten Vertrages aus der Zeitung erfahren musste.
Bedürfnisse und Wahrnehmungen von Gemeindegliedern, die Frau Fürst ins Herz geschlossen hatten, sind völlig ignoriert worden. Ist das die kürzlich erst beschworene Nähe der Kirchenleitung zu den Gemeinden an der Basis, die bei der Einführung des neuen Kirchenamtspräsidenten gefeiert wurde?

Das Christentum hat weltweit einen zunehmend schweren Stand. In Deutschland ist es fast Normalität, respektlos von Christen zu sprechen. Muslime würden sich das nicht gefallen lassen, und ihnen gegenüber wagt man das auch gar nicht. Was im Innersten unserer Kirche geschieht, ist die Diskriminierung von Christen, die es mit dem Glauben ernst meinen – und das sind keine Fundamentalisten.
Frau Fürst ist angeblich die Vernetzung der Frauenarbeit in Schaumburg-Lippe nicht gelungen; vielleicht hat sie eine andere Art von Vernetzung bewirkt, als gewünscht war. Manche Menschen, Geistliche wie Gemeindeglieder, will man nämlich in der Landeskirche gar nicht haben. „Du gehörst nicht dazu und du wirst auch nie dazu gehören“ – dieser Satz ist gefallen.

Eine Kirche, die medienwirksam und politisch korrekt wohltätig ist, in der Brüder und Schwestern aber unsagbar gehässig und unbarmherzig miteinander umgehen, hat keine Überzeugungskraft mehr. Viele Gemeindeglieder nehmen eine Diskrepanz zwischen Predigen und Handeln wahr und ziehen ihre Konsequenzen.

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