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Vertriebene und ihre Schicksale

Zu Leserbriefen Vertriebene und ihre Schicksale

Zu den Leserbriefen „Ist Todeszug die geeignete Wortwahl“ und „Ausschließlich aus der Opferpersektive erzählt“.

Die Reaktion der Herren Fritz Jesse und Christian Meyer ist erschreckend. Dürfen deutsche Heimatvertriebene nicht von ihrem Schicksal berichten, ohne sich ausdrücklich für die Verbrechen in der Nazizeit zu entschuldigen?
Was damals passiert ist, ist nicht entschuldbar, aber wir können auch mit immer größeren Gedenkstätten und mehr Selbstbezichtigungen nichts ungeschehen machen. Wir dürfen uns aber nicht nur erinnern, dass Deutschland zwölf Jahre Nazidiktatur aufzuweisen hat, sondern auch wie es dazu gekommen ist. Unsere Nachkriegsjahrgänge wissen sehr viel mehr über die Verbrechen, die in deutschem Namen begangen wurden, als über die Leiden, die Teile der deutschen Bevölkerung zu ertragen hatten.

Aus der von Herrn Meyer erwähnten bedeutenden Rede des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker erinnere ich mich an den Satz: „Wir alle haben es gewusst, aber keiner hat etwas getan.“ Diese Aussage nehme ich ihm übel. Ohne Zweifel hat Herr von Weizsäcker aufgrund seiner und vor allem der Stellung seines Vaters mehr gewusst über das Vorgehen der Naziregierung als weite Teile des Deutschen Volkes – das berechtigt ihn aber nicht zu sagen „wir alle haben gewusst“.
Ich erinnere mich an eine Rede von Lennart Meri, estnischer Staatspräsident von 1992 bis 2001, in der er sagte: „Man kann einem Volk nicht trauen, welches so schlecht über sich redet wie das Deutsche.“
Irmgard Firzlaff
Stadthagen

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