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Viele Einbußen in den vergangenen Jahren

Zum Artikel „Die Klassenfahrt ist sicher“ vom 16.Januar. Viele Einbußen in den vergangenen Jahren

Was sind schon 45 Minuten? Die sollen sich mal nicht so anstellen! Das ist häufig in der Presse zu lesen. Aber diese 45 Minuten sind das Ende einer längeren Entwicklung.

Als das Land Niedersachsen aufgrund einer verfehlten Einstellungspolitik von einem Lehrermangel überrollt wurde, wurde den Kollegen eine unbezahlte, zweistündige Mehrarbeit auferlegt. Gleichzeitig wurde das Weihnachtsgeld gestrichen und die Zahlungen der Beihilfe wurden gekürzt. Für eine vierköpfige Familie bedeutet das ca. 450 Euro Nettogehalt weniger im Monat.
 Bei Gehaltserhöhungen wurden die Lehrer regelmäßig ausgelassen oder schlechter gestellt als andere Mitglieder des öffentlichen Dienstes. Da das Land in einer schwierigen Situation war, haben die Lehrer geholfen. Dafür hat die Landesregierung versprochen, den Lehrern diese Mehrarbeit in Form von Stundenermäßigungen zurückzuerstatten und in der Zeit der Rückerstattung nicht die Arbeitszeit zu erhöhen. Dieses Versprechen wurde in mehrfacher Hinsicht gebrochen.
 1.    Durch Ganztagsangebote haben sich die Anwesenheitszeiten in der Schule deutlich erhöht, was bedeutet, dass Unterrichtsvorbereitung und Korrektur am Abend und am Wochenende erfolgen müssen. Wir haben jetzt zwar einen 0,8 Quadratmeter großen Schreibtisch in einem 16 Quadratmeter großen Raum, den wir uns mit neun weiteren Kollegen teilen, in der Schule, aber das Material lagert weiterhin zu Hause, sodass wirkliches Vorbereiten des Unterrichts dort stattfinden muss. Gleichzeitig hat man versucht, den Lehrern zu verbieten, ihr Arbeitszimmer von der Steuer anzusetzen.
 2.    Durch die Erhöhung der Schüleranzahl pro Klasse von teilweise 16 bis 18 Schülern in Hauptschulklassen auf jetzt 30 Schüler an der IGS haben sich die Korrekturzeiten vervielfacht. Eine Deutscharbeit in Klasse 9/10 mit ca. 2000 Worten heißt ca. eine Stunde Arbeit. Bei 10 Schülern mehr und 5 Arbeiten im Jahr sind das pro Lerngruppe 50 Stunden Mehrarbeit.
 3.    Durch die Inklusion muss der Unterricht wesentlich intensiver vorbereitet werden, da in den unteren Klassen zum Teil auf vier und mehr Niveaus gearbeitet wird.
 Es geht aber nicht nur um die Arbeitszeit, sondern auch um die Arbeitsbedingungen. Mit den neuen Erlassen zur Kostenübernahme hat sich auch hier die Situation gravierend verschlechtert. Da die Landesregierung nicht bereit ist und den Urlaub (Klassenfahrt) zu bezahlen, war es bislang üblich, Freiplätze, die die Veranstalter anbieten, in Anspruch zu nehmen. Das ist jetzt per Erlass verboten. Durch die neue Art der Reisekostenabrechnung ist der Lehrer gezwungen, mindestens die Hälfte der Kosten selbst zu tragen.
 Wir wären froh, wenn die Eltern und Schüler jede Woche eine Demonstration vor dem Kultusministerium machen würden. Wir unterstützen den Protest der Kollegen aus den Gymnasien und hoffen, dass sie standhaft bleiben, auch wenn sie wieder einmal zu den „faulen Säcken“ gemacht werden sollen.

Lutz Müller, Katharina Hohmeyer-Rosteck, Ulrike von Seherr-Thohs

Personalrat der IGS Rodenberg

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