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Wie oft denn noch?

Zur Berichterstattung über den tödlichen Unfall Wie oft denn noch?

Und schon wieder ist eine kleine Seele von uns gegangen.

Ort ist schon wieder die Mündung der Lauenhäger Straße in Stadthagen und schon wieder musste ein kleines Mädchen auf dem Schulweg auf grausame Art und Weise ihr Leben lassen, vor den Augen ihres etwas älteren Bruders. Haben wir immer noch nicht dazu gelernt?

 Die „Schaumburger Ecke“ war prädestiniert einen tragischen Unfall zu verursachen. Sehr langatmig und mit Nachdruck hat man der Verwaltung Stadthagen damals nahegelegt, diesen Bereich zu sanieren, einen Kreisel oder irgendetwas Ähnliches einzuführen, damit eben Unfälle wie diese nicht noch einmal passieren. Aber doch hat man es versäumt, der Verantwortung nach zu gehen.

 Als die DITIB-Moschee damals dort ansässig gewesen ist, bangten Eltern und Verantwortliche um ihre Kinder, weil unmittelbar vor dem Eingangsbereich der Moschee Kraftfahrzeuge vorbeifahren und bei Gelegenheit sogar Kinder erwischen. Das Problem lag darin, dass ein Gebäude der Moschee unmittelbar die linke Straßenhälfte verdeckte, sodass weder Fußgänger noch Fahrer aneinander früh genug erkennen konnten, um rechtzeitig auf eine Unfallsituation zu reagieren.

 Dieses Problem wurde relativ entspannt und gerade zu pseudo optimistisch von der Stadt Stadthagen aufgenommen und man versprach, dem Problem nach zu gehen. Das Mädchen jedenfalls wird dieses Versprechen nicht miterleben, so jung, wie sie gestorben ist.

 Hätte der Unfall verhindert werden können? Rein moralisch gesehen haben wir Stadthägerinnen und Stadthäger auf der ethischen Ebene versagt, weil wir teilnahmslos bis heute diese Tragödien zuließen. Niemand möchte ein noch nicht einmal erblühtes Mädchen verunstaltet unter den Reifen eines Lkws sehen. Ich stelle nicht die Frage, wieso Lkws überhaupt in den Bereich der Stadtmitte dürfen, sondern wieso die Verwaltung in Kauf nimmt, Menschenleben zu gefährden. Wofür stehen den Menschenrechte und Modernität?

 Heißt verwalten nicht regeln und koordinieren zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger? Ob meine Fragen berechtigt sind, können sie gerne den Betroffenen fragen. Zunächst kommt „Kinderleben“ an erster Stelle und seine Wohlverdienten in den Grundrechten verankerten Rechte auf Leben und Unversehrtheit.

 Müssen erst Kinder sterben, damit eine Zivigesellschaft solidarisch und verantwortungsbewusst gegen logistisch tödliche Ecken zu Maßnahmen ergreift? Ich bin mir sicher, viele Menschen aus Stadthagen kennen „die Ecke“. Wenn nicht, dann wissen sie es jetzt eben. Es muss genau jetzt aufhören. Seit Wochen wird die B65 umgebaut, nicht um etwas vorzubeugen sondern aus rein logistischen Gründen. Aber bleiben wir in Stadthagen, bleiben wir in „dieser Ecke“. Unsere Kinder nutzen diesen Verkehrsbereich, um „sicher“ die Schule hinter der Burg erreichen zu können, geschweige denn, es gibt keine andere Möglichkeit.

 Lassen sie uns über Priorität reden. Fragen wir uns, was Priorität hat, das Lächeln eines Kindes oder Autoauspuff? Ich kann ihnen sagen, sie wollten nicht dabei sein, als die Mutter des Mädchens ihrem Sarg, nach dem Totengebet, eine Plastikkrone aufsetzte oder ihrem Vater in die Augen schauen. Was meinen sie wie die psychische Ebene ihres Bruders, der noch selbst ein Kind ist, wohl sein sollte? Dieser jüngste Unfall und die Unfälle davor haben uns eine tiefe Narbe hinterlassen. Ich als Stadthäger habe jedenfalls dazu gelernt und ich lasse nicht zu, dass noch eins unserer Kinder so tragisch stirbt.

 Mein Schreiben gilt nicht aus puristischer Wut oder Groll gegen die Stadtverwaltung. Ich will nie wieder einem Kind so ein Schicksal zumuten. Unsere Kinder sind unsere Hoffnungsträger und wie sollten also Hoffnungsträger behandelt werden?

 Wir wünschen ihrer Familie, ihrem großen Bruder, der die Tragödie hilflos ansehen musste und auch den Stadthägerinnen und Stadthägern, die Opfer dieser roten Zone wurden unser innerstes Beileid.

Sükrü Ünlü

Stadthagen

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