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Wolfsexperten oder Schönredner?

Leserbrief zum Artikel „Rotkäppchen kann aufatmen“ vom 14. März und „Experte für neues Wolfskonzept“ vom 23. März. Wolfsexperten oder Schönredner?

Ich bin erleichtert, Rotkäppchen kann auf aufatmen und ich nun auch. Etwas Sorgen habe ich mir schon gemacht. Da lese ich in unserer Tageszeitung, dass der für unseren Landkreis zuständige Wolfsbeauftragte Dr. Florian Brandes auf die Frage „ wie groß die Gefahr ist, einem Wolf in der freien Wildbahn zu begegnen“ antwortet: „Sehr gering, die Tiere haben einen ausgeprägten Geruchssinn und ein sehr empfindliches Gehör. Wenn sie Menschen wittern, suchen sie das Weite.“

Zeitgleich erhalte ich Fotos und Videoaufnahmen, die in unserer unmittelbaren Nähe in Leese und dem Dörfchen Nienburgerbruch aufgenommen wurden. Da trabt doch tatsächlich ein stattlicher Wolf gemächlich über ein Hausgrundstück, und auf einem einige Tage vorher aufgenommenen Foto ist ein Radfahrer zusammen mit einem Wolf zu sehen. Auf einem weiteren Foto steht doch tatsächlich ein Wolf fünf Meter neben einem abgestellten Pkw und macht beileibe keinen überaus ängstlichen Eindruck. Ich bin verunsichert. Was ist mit diesem armen Tier passiert? Hat es seinen ausgeprägten Geruchssinn verloren und vielleicht auch noch sein empfindliches Gehör? Wie kann es so weit kommen, sind wir am Ende sogar daran schuld?
 Welch ein Glück, ich erhalte die Erklärung von unserem Niedersächsischen Umweltminister Stefan Wenzel, der in einer Landtagsdebatte zum Thema Wolf den Bedenken der Opposition souverän trotzt und die Erklärung für das absonderliche Verhalten dieses und auch anderer niedersächsischer Wölfe hat. Es handele sich um Jungwölfe, diese hätten offensichtlich keine Scheu vor dem Menschen, so der Minister.

 Sind Vater und Mutter Wolf ihrer Erziehungspflicht nicht nachgekommen? Verstehen könnte ich das schon. Sie leben hier ja in einer wildreichen Gegend, Schafe gibt es auch. Da kann man doch so richtig zuschlagen, zumal man sich nicht mit dem lästigen Nahrungskonkurrenten Mensch auseinandersetzen muss. Im Gegenteil, der bezahlt auch noch alle Schäden aus dem Füllhorn des Steuergeldes und scheint sich darüber auch noch zu freuen.  Auch dafür haben wir ein Ministerrezept. Wir übernehmen jetzt die Erziehung der Jungwölfe, die sollen dann mal sehen, wie sich ein wildes Tier zu benehmen hat. Schleswig-Holstein meint, die Lösung zu haben. Dort sollen sie wohldosiert Gummigeschosse auf den Balg gedroschen bekommen sollen.

 Mir kommt ein erschreckender Gedanke. Wissen die Wolfsbeauftragten und sonstigen Experten möglicherweise auch nicht alles oder reden die nicht sogar manches schön, nur um aus ideologischen Gründen ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Behauptet doch unser Wolfsberater, „dass im Schaumburger Land vielleicht mal einzelne Altwölfe durchziehen werden, die Ansiedlung eines Wolfsrudels aber unwahrscheinlich sei“. „Dazu bräuchten sie schließlich ein mehrere Quadratkilometer großes Gebiet, durch das nicht täglich ein Mensch kommt.“ Hat er bei dieser Aussage nicht daran gedacht, dass das dünnbesiedelte Auetal mit dem nur gering erschlossenen südlichen Hang des Bückeberges bei der – wie es scheint – großen Anpassungsfähigkeit des Wolfes auch ein potenzieller Besiedlungsraum sein könnte – oder passte das nicht ins Konzept?
 Spätestens jetzt wird mir klar, wir dürfen nicht alles glauben und hinnehmen, was uns die zitierten Fachleute oder sonstige Naturtheoretiker weismachen wollen. Ich habe jedenfalls keine Neigung, mir vorschreiben zu lassen, wie es im „Nabu Wolfspositionspapier“ ganz klar formuliert ist, dass ich meinen Hund in Wolfsgebieten ausschließlich nur noch an der Leine zu führen habe und ihn nur noch in meiner unmittelbarer Nähe halten darf.
Bernhard Michel
Obernkirchen

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