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Der Norden Was tun gegen die Rekord-Staus?
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20:02 17.01.2019
Eine der am häufigsten betroffenen Strecken in Niedersachsen: Die A 2 bei Lehrte – hier ein Stau aus dem Juli 2018. Quelle: dpa
Hannover

Der Straßenverkehr nimmt jedes Jahr zu, die Zahl der Baustellen dank der guten Wirtschaftslage auch. Das Ergebnis: Immer mehr Menschen stehen immer länger im Stau. Die am Donnerstag veröffentlichte Bilanz des ADAC für das Jahr 2018 enthält einige Rekorde.

Alleine auf dem mit Abstand staureichsten Autobahnabschnitt in Niedersachsen zwischen Schwarmstedt und Berkhof auf der A7 standen die Fahrzeuge im vergangenen Jahr – alles Staus zusammengerechnet – auf einer Länge von 7572 Kilometern. Ganze 1691 Stunden, also gut 70 Tage, haben Autofahrer dort insgesamt ausgeharrt. Grund dafür war laut ADAC die Großbaustelle zum sechsspurigen Ausbau der A7 – in Richtung Süden standen nur zwei Fahrspuren zur Verfügung.

Mehr als 429 Stunden im Stau

Die A2 hat mit zum Teil sehr schweren Unfällen, insbesondere mit Lkw-Beteiligung, für die meisten Schlagzeilen gesorgt. In der aktuellen ADAC-Staubilanz landet die Autobahn im Niedersachsen-Vergleich auf Platz 3. Insgesamt wurden auf der viel befahrenen Strecke 40 294 Staukilometer gemessen, 10 301 Stunden betrug die Wartezeit für die Staugeplagten – mehr als 429 Tage.

Gegenüber dem Vorjahr sind Staukilometer und -länge in Niedersachsen stark angestiegen, sodass sich das Bundesland im bundesweiten Ranking an der vierten Position hinter Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg befindet. Ursachen für die Staus waren überwiegend Baustellen. Die Verbesserung des Baustellenmanagements, die Niedersachsens Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU) im Mai vergangenen Jahres angekündigt hatte, scheint noch nicht zu greifen.

Hilft „flexible Verkehrsführung“

Althusmann setzt auf „flexible Verkehrsführungen“, die als wichtigstes Ziel die Aufrechterhaltung der vorhandenen Fahrstreifenanzahl haben – auch in Baustellen. Damit soll auch die Zahl der Auffahrunfälle am Ende der Staus reduziert werden. „Ganz vermeiden lässt sich eine gewisse Verkehrsbehinderung in Baustellen oder durch Unfälle allerdings nicht“, sagte Ministeriumssprecherin Julia Wolffson. Bei aller Kritik an zu vielen Baustellen auf niedersächsischen Straßen müsse bedacht werden, dass mit diesen die stark beanspruchte Straßeninfrastruktur verbessert und erhalten werde.

Der niedersächsischen Wirtschaft gehen die bisherigen Maßnahmen nicht weit genug. Der Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände (UVN), Volker Müller, forderte, mehr Nacht- und 24-Stunden-Baustellen sowie eine generelle Verbreiterung der Fahrstreifen von zwei Meter auf 2,20 Meter. Arbeiten auf den Autobahnen müssten möglichst zügig fertig gestellt werden, betonte Jörg Bode, FDP-Fraktionsvize im Landtag. Deshalb sei es sinnvoll, die Dauer der Arbeiten möglichst kurz zu halten. Bode: „Wir fordern, dass der Rund-um-die-Uhr-Betrieb in mehreren Schichten zur Regel wird.“ Das gelte besonders für sensible Strecken wie beispielsweise die Autobahnen A1, A2 und A7.

Grüne fordern Tempolimit auf der Autobahn

Für die Grünen zeigt die Staubilanz des ADAC, dass die rot-schwarze Landesregierung mehr unternehmen muss, um den motorisierten Individualverkehr auf den Straßen zu verringern. „Neue Straßen und ökologisch sowie ökonomisch unsinnige Autobahnneubauprojekte werden das Problem nicht lösen, denn neue Straßen produzieren auch neue Verkehre und neue Staus“, sagte der Grünen-Verkehrsexperte Detlev Schulz-Hendel. Nur 17 Prozent aller Wirtschaftsverkehre liefen in Deutschland über die Schiene. In Österreich und in der Schweiz liege dieser Anteil schon bei 30 bis 41 Prozent. „Das macht die Notwendigkeit eines Perspektivwechsels in der Verkehrspolitik auch in Niedersachsen mehr als deutlich.“

Darüber hinaus wollen die Grüne ein generelles Tempolimit von 130 Stundenkilometern auf den Autobahnen. Das sei eine „gute Maßnahme für einen fließenden Verkehr, ein guter Beitrag für mehr Verkehrssicherheit und weniger Unfälle – und somit weniger unfallbedingte Staus auf den Straßen“, sagte Schulz-Hendel. Er regte zudem an, dass die Landesregierung mit einer Bundesratsinitiative ein generelles Überholverbot für Lastwagen einfordern sollte.

Der ADAC sieht auch die Autofahrer in der Verantwortung. „Wer stur auf das eigene Recht beharrt, verschlimmert die Situation in der Regel“, sagte ADAC-Sprecherin Christine Rettig. Je besser der Verkehr fließe, desto höher sei die Verkehrssicherheit. „Eine einfache Regel, wenn es um Autobahnbaustellen geht.“

Was tun, wenn die Blase drückt? Tipps für Autofahrer im Stau

Wie vermeiden Autofahrer verstopfte Strecken? Und was ist zu tun, wenn sie in einer Blechlawine feststecken?

Die erste Frage, die sich jeder Autofahrer stellt: Umfahren oder nicht?

In der Nähe des Staus ist eine Umfahrung meist weniger sinnvoll, sagt Thomas Schreiner vom Auto- und Reiseclub Deutschland (ARCD). „Da kommen vielen andere auch auf die Idee, den Stau umfahren zu wollen.“ Wenn es sich nicht gerade um eine Vollsperrung handelt, ist das Ausharren in der Blechlawine aus Erfahrung des ARCD oft mit weniger Wartezeit verbunden als das Ausweichen. Eine großräumigere Umfahrung kann sich dagegen aus Sicht der Experten schon eher lohnen. Stauprognosen bieten zum Beispiel ADAC und Auto Club Europa (ACE) im Internet kostenfrei an.

Wer dann doch im Stau steht, sollte unbedingt eine Rettungsgasse bilden, und zwar zwischen der äußeren linken und der mittleren Spur. Ständige Spurwechsel bringen keine zeitlichen Vorteile. Der Tank sollte stets gut gefüllt sein – zwischen 0,8 und 1,5 Liter Benzin oder Diesel braucht ein Auto je nach Modell pro Stunde im Stau. Andere Verbraucher wie Sitzheizung, Gebläse oder Heckscheibenheizung brauchen Strom. Sie sind lieber nicht zahlreich eingeschaltet. Grund: Je nach Fahrzeugmodell- und alter könnte sich die Batterie leeren, da die Lichtmaschine im Leerlauf nicht ausreichend Strom produziert.

Was ist, wenn
die Blase drückt? Die Regeln sind klar: Autobahnen zu betreten, ist generell verboten, informiert der TÜV Thüringen. Das gilt auch im Stau. Zehn Euro Bußgeld drohen. Davon ausgenommen ist nur der Fall einer Fahrzeugpanne, Betroffene dürfen dann zum eigenen Schutz hinter die Leitplanke klettern. Darum raten die Experten: Menschen mit schwachen Blasen sollten eventuell über die Anschaffung eines sogenannten Notfall- oder Taschen-WCs nachdenken.

Von Marco Seng

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