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Der Norden Das Asse-Wasser wird zur Geheimsache
Nachrichten Der Norden Das Asse-Wasser wird zur Geheimsache
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21:13 05.12.2016
Von Michael B. Berger
Das Zuflusswasser wird in der Asse zunächst aufgefangen. Nur wo soll es dann hin?Foto: dpa Quelle: Jochen Lübke/dpa
Hannover

Sobald bekannt werde, wohin die salzhaltige Flüssigkeit gelange, gebe es einen öffentlichen Aufschrei, sagte BfS-Präsident Wolfram König in Hannover: „Wir machen uns handlungsunfähig, wenn eigentlich unproblematische Dinge so zugespitzt werden.“

Deshalb werde man die konkrete Firma, die das Wasser im nächsten Jahr abnehme, jetzt nicht öffentlich nennen, sagte König. Das Asse-Wasser, das vorerst außerhalb Niedersachsens entsorgt werden soll, wird also zur Geheimsache.

Da das salzhaltige Wasser gar nicht mit dem Asse-Müll in Berührung kommt, gilt es als gesundheitlich völlig unbedenklich. Die Radioaktivitätswerte liegen noch unter denen von Trinkwasser.

Kapazität bei Celle ist erschöpft

Bislang nahm das Kali- und Salz-Bergwerk Marienglück bei Celle die Salzlauge ab. Ende des Jahres ist die Aufnahmekapazität dort jedoch erschöpft. Das BfS sucht deshalb nach alternativen Orten. Seit 2012 habe das Bundesamt zahlreiche Varianten geprüft, wie mit dem Wasser umgegangen werden soll, das täglich in das Asse-Bergwerk fließe und unbedingt herausgebracht werden muss. Eine Verklappung in der Nordsee sei ebenso erwogen worden wie der Transport in ein Bergwerk. Doch als König 2012 seinen Nordsee-Vorschlag offerierte, hieß es aus der damaligen Regierung: „Wir lassen uns doch die Nordsee nicht kaputt machen.“

Als Notlösung kam der Gedanke auf, die Salzlauge im Wendland in die Elbe zu leiten, zumal bei Gorleben bereits eine Einleitstelle für Salzwasser existiert. Doch da prallten zwei Namen aufeinander, die in der Umweltpolitik negativ besetzt sind: „Asse“ und „Gorleben“. So hieß es laut König wieder einmal: „Keiner will das Wasser haben. Dabei hat man es mit einem Problem zu tun, das sich naturwissenschaftlich nicht lösen lässt.“

Im Umweltausschuss des Landtages traf der leicht genervte Strahlenschutzamtspräsident, der aus den Reihen der Grünen stammt, mit Miriam Staudte auf eine Grüne, die sich als Erste über den Gorleben-Plan beschwert hatte. Sie ließ sich vom Parteifreund auch nicht mit dem Argument überzeugen, dass nur täglich „25 Badewannen“ voller unbedenklichen Asse-Wassers wohl kaum die Elbe zum Kippen bringen würden. Man sollte in einen Salzwasserfluss keine Salzlauge kippen, konterte Staudte. Auch der SPD-Abgeordnete Marcus Bosse gab sich bockig. Derweil lehnten sich CDU und FDP im Ausschuss genüsslich zurück. „Wie weit sind wir hier gekommen in diesem Land, wenn alles skandalisiert wird?“, fragte der CDU-Mann Martin Bäumer.

Kommentar: Falsche Abwehrreflexe

Von Michael B. Berger

Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass – in der Entsorgungspolitik ist dieser Spruch eine Art Erkennungsmelodie. Selbst um ziemlich unbedenkliches Wasser wird ein Bohei gemacht, wenn es aus dem Bergwerk Asse stammt, das als Sinnbild verfehlter Atommüllpolitik gilt. Das bekommt seit Jahren der Grüne Wolfram König zu spüren – selbst ihm glauben die eigenen Parteifreunde wenig. Wenn Reizworte wie „Asse“ oder „Gorleben“ auftauchen, werden nicht Vor- und Nachteile von Maßnahmen abgewogen, sondern es setzen Abwehrreflexe ein. In der Umweltpolitik haben wir es schon lange mit dem „postfaktischen“ Zeitalter zu tun, in dem Gefühle mächtiger sind als Gedanken. So nimmt es die Gesellschaft auch hin, dass gefährlicher Atommüll oben an den Kernkraftwerken gestapelt wird, statt einen wirklich sicheren Ort dafür zu suchen.

Per Computer vorhersehen, wo die Einbrecher als nächstes zuschlagen: Dies soll eine neue Technik ermöglichen, die die Polizeidirektion Braunschweig testet. Im Streifenwagen selber sollen Fahnder eine App nutzen, die anzeigt, wo aktuell die Gefahr von Einbrüchen hoch ist.

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