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Der Norden Knobeln, würfeln, sammeln, zocken, ärgern
Nachrichten Der Norden Knobeln, würfeln, sammeln, zocken, ärgern
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15:43 03.06.2018
Kann das ein Erfolg werden? Spieleautor Guido Eckhoff (re.) erklärt Besucher Sven Poppendieck sein Gesellschaftsspiel "Aufruhr der Provinzen“. Quelle: dpa
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Göttingen

Gräber, Schaufeln, Leichenteile – das Brettspiel von Manuela Mirow und Thomas Hussung ist auf den ersten Blick nichts für zart besaitete Gemüter. Düstere Farben dominieren das Spielbrett. Kein Wunder. Denn bei „Frankensteins Erben“ müssen Leichenteile (aus Hartpapier) aus Gräbern geborgen und zusammengesetzt werden. „Wer sein Monster zuerst fertig hat, ist Sieger“, sagt Mirow.

Die Hamburger Studentin Mirow und der Grafik-Designer Hussung sind zwei von mehr als 200 Erfindern aus dem In- und Ausland, die am Wochenende beim 37. internationalen Spieleautoren-Treffen in Göttingen ihre neuen Gesellschaftsspiele vorgestellt haben.

Werner Kohley aus Neuss hat gleich vier Neuheiten mitgebracht, darunter „Quirlix“. Bei diesem Knobelspiel müssen unterschiedlich große verwinkelte geografische Figuren so zusammengelegt werden, dass sie am Ende ein Rechteck vollständig bedecken. „Man kann bei laufender Sanduhr gegen sich selbst oder um die Wette gegen andere spielen“, sagt der 53-jährige Angestellte. Genauso wie die anderen Autoren hofft Kohley darauf, dass seine Spiele von einem Verlag entdeckt, publiziert und ein Verkaufserfolg werden.

Die Chance dazu ist da: „Das Spieleautoren-Treffen gewinnt von Jahr zu Jahr an Bedeutung“, sagt der Vorsitzende der Vereinigung der deutschen Spieleverlage, Hermann Hutter. In Göttingen entscheide sich, welche der gezeigten Prototypen von Brett-, Karten und Würfelspielen als mögliche Bestseller neu auf den Markt kommen.

Verlage prüfen die Spiele

Ähnlich sieht es der Verlag Ravensburger. „Göttingen ist ein äußerst wichtiges Treffen für uns“, sagt Kommunikationschef Heinrich Hüttelmann. Sein Unternehmen sei mit sechs Redakteuren vertreten, die alles unter die Lupe nehmen. Besonders interessant: „Es sind immer wieder Neulinge oder weniger bekannte Autoren mit interessanten Spielen vertreten.“

Einer der Neuen ist Thomas Sellner. Der 39-jährige Hamburger, der normalerweise Spiele für das Smartphone entwickelt, präsentiert erstmals ein analoges Produkt: „Blockings – ein super simples Ärgerspiel“. Dabei muss man im Wettstreit mit anderen Spielern farbige Würfel von Paletten erobern. Durch kluges Vorgehen und strategische Manöver kann man sich nicht nur möglichst viele Würfel sichern, sondern zugleich den Mitspielern dieses Ziel erschweren.

Erstmals beim Autorentreffen dabei ist auch Katrin Abfalter aus Berlin. Sie zeigt unter anderem das Brettspiel „Hexxgarten“, bei dem es vordergründig um das Sammeln von Pilzen geht. Dabei ist Kombinationsgabe gefragt. Denn man muss sich den Weg zu den Pilzen strategisch klug bahnen und ihn zugleich für Mitspieler unzugänglich machen. Mit der Resonanz auf ihr Angebot ist Abfalter zufrieden. „Man bekommt hier gute Kontakte“, sagt die 31-Jährige. Es habe bereits erfolgversprechende Gespräche mit Verlagsvertretern gegeben.

Christian Beiersdorf, der Geschäftsführer der knapp 500 Mitglieder starken Spieleautoren-Zunft, sieht das Göttinger Treffen seit Jahren im Aufwind. „Die Plätze für Autoren waren diesmal sehr früh ausgebucht. Und es kommen auch immer mehr Verlage“, sagt Beiersdorf.

Gute neue Spiele zu publizieren, sei auch finanziell lukrativ, sagt der Vorsitzende des Vereins der Spieleverlage, Hermann Hutter. Jedes Jahr gebe es Dutzend Spiele, die mindestens 50.000 Mal verkauft werden. Die Branche lege ständig zu, teilweise mit zweistelligen Raten pro Jahr.

Unabhängig davon täten die Spiele-Autoren viel dafür, dass eine Tradition nicht abreißt, meint Beiersdorf: „Das Gesellschaftsspiel ist seit Jahrtausenden ein wichtiges Kulturgut. Und die Autoren sorgen dafür, dass dieses Kulturgut immer wieder mit neuem Leben erfüllt wird und aktuell bleibt.“

Von Matthias Brunnert

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