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Der Norden Stephan Weil: "Das war hier versuchter Mord"
Nachrichten Der Norden Stephan Weil: "Das war hier versuchter Mord"
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20:17 28.08.2015
Die Polizei kontrolliert rund um das Gebäude in Salzhemmendorf, wo in der Nacht ein Molotowcocktail in eine Flüchtlingswohnung geworfen worden ist. Quelle: dpa
Salzhemmendorf
  • In der Nacht gab es einen Brandanschlag auf Flüchtlingswohnung in Salzhemmendorf.
  • Bisher gab es nur Attentate auf Gebäude, die künftig als Unterkunft für Flüchtlinge genutzt werden sollten.
  • Ministerpräsident Weil informiert sich heute vor Ort.

Mit einem Molotowcocktail haben unbekannte Täter einen Brandanschlag auf eine Asylbewerber-Unterkunft in Salzhemmendorf (Landkreis Hameln-Pyrmont) verübt. Der Brandsatz flog in der Nacht zum Freitag durch ein geschlossenes Fenster in die Wohnung in dem ehemaligen Schulgebäude.

Eine Mutter und deren drei kleine Kinder aus Simbabwe, die im Nebenraum schliefen, blieben nach Angaben der Polizei unverletzt. Ein Teppich und eine Matratze gerieten in Flammen. In dem Gebäude leben mehr 40 Personen, darunter 31 Asylbewerber aus der Elfenbeinküste, dem Irak, Pakistan, Simbabwe und Syrien.

Die Familie wurde in einer anderen Unterkunft untergebracht. Dort werden die Mutter und die Kinder psychologisch betreut.

Weil: "Das war versuchter Mord"

Am Vormittag hat sich Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) vor Ort ein Bild verschafft. Er bezeichnete den Brandanschlag auf eine Asylbewerberunterkunft in Salzhemmendorf als "versuchten Mord". Die jüngsten Geschehnisse in dem Ort seien "die schwerwiegendsten Vorgänge, die wir in Niedersachsen in den letzten Monaten und Jahren erlebt haben", sagte der Ministerpräsident am Freitag bei seinem Besuch in der Gemeinde. Man sei mit knapper Not dem Tod und den Verletzungen vieler Menschen entgangen. "Das war hier versuchter Mord, um die Dinge klar beim Namen zu nennen." Die Täter hätten bewusst in Kauf genommen, dass Kinder, Frauen und Männer verbrennen können.

Demo heute ab 17 Uhr/Anfahrt kostenfrei

Landrat Tjark Bartels betonte bei der Pressekonferenz, dass Salzhemmendorf die fremdenfeindlichen Taten in aller Form ablehnt: "Die Menschen, die hier leben, zeichnen sich aus durch eine überbordende Nachbarschaft. Diese Dinge werden wir uns mit Sicherheit nicht kaputtmachen lassen." Das, was dort passiert ist, sei der Versuch, Menschen umzubringen, so Bartels weiter. 

Vor dem Rathaus in Salzhemmendorf soll ab 17 Uhr eine Demonstration unter der Überschrift "Gute Nachbarschaft" stattfinden, um zu zeigen, "dass wir nicht einen Millimeter zurückweichen werden". Die Anfahrt von Hannover (mit der S-Bahn) nach Salzhemmendorf und aus dem Weser-Bergland ist ab 15.30 Uhr mit öffentlichen Verkehrsmitteln kostenfrei. Zu der Demo will auch Doris Schröder-Köpf (SPD) nach Salzhemmendorf kommen.

Bundestagsabgeordnete Brigitte Pothmer (Grüne), deren Wahlkreis der benachbarte Landkreis Hildesheim ist, war bereits am Vormittag vor Ort. "Wir müssen diese Menschen jetzt in unsere Mitte nehmen", sagte sie und zeigte sich beeindruckt von der Solidarität, die am Vormittag in dem Ort deutlich wurde. So brachte zum Beispiel ein junger Mann Kuchen in das Haus, das in die Nacht Ziel des Anschlags geworden war. Die Familien, deren Wohnungen nicht betroffen sind, können weiterhin dort wohnen bleiben.

Die Staatsanwaltschaft Hannover führt Ermittlungen in enger Abstimmung mit der Polizei in Hameln. Es wurde ein Verfahren wegen des Verdachts der schweren Brandstiftung gegen unbekannt eingeleitet. "Wir setzen alles daran, gemeinsam mit der Polizei, diese Tat aufzuklären", sagte Staatsanwältin Kathrin Söfker. Die abschließende rechtliche Bewertung könne erst nach weiteren Ermittlungen geschehen. Erst dann sei klar, ob weitere Straftatbestände infrage kommen.

Im Gegensatz zu den Anschlägen der vergangenen Tage ist es das erste Attentat auf eine bewohnte Flüchtlingsunterkunft. Bei den vorausgegangenen Brandanschlägen waren immer Gebäude das Ziel, die erst künftig als Unterkünfte genutzt werden sollen.

Der Bürgermeister ist entsetzt

Der Bürgermeister des niedersächsischen Salzhemmendorf, Clemens Pommerening, ist entsetzt: "Ich bin völlig fassungslos, niemand hätte sich vorstellen können, wie jemand zu solch einem feigen Anschlag fähig ist. "Bei uns herrscht gelebte Willkommenskultur." Es habe nichts darauf hingedeutet, dass etwas Vergleichbares hätte passieren können. "Die Bevölkerung steht zu den Flüchtlingen und zu einer Willkommenskultur. Ich gehe davon aus, dass die Hilfsbereitschaft der Salzhemmendorfer in Zukunft noch steigen wird."

Auch für die Polizei kam der Brandanschlag unerwartet: „Es gibt in Salzhemmendorf und auch im gesamten Landkreis keine rechte Szene“, sagte Polizeisprecher Jens Petersen. Es habe im Ort und in anderen Kommunen der Region in der Vergangenheit keine fremdenfeindliche Aktionen gegeben. Möglicherweise handele es sich um die Tat einen Einzelnen.

Salzhemmendorf liegt in Südniedersachsen, auf halbem Weg zwischen Hameln und Hildesheim. Es handelt sich um eine Einheitsgemeinde, die 1973 aus bis dahin eigenständigen Orten gebildet worden war. Die Gemeinde hat insgesamt 9350 Einwohner, der Ortsteil Salzhemmendorf ist Kern der Einheitsgemeinde und hat rund 1800 Einwohner. Bis Ende 2010 war Salzhemmendorf ein staatlich anerkannter Kurort mit Sole-Kurbetrieb. Die Gemeinde im Landkreis Hameln-Pyrmont ist wie andere Ortschaften in Südniedersachsen besonders vom Bevölkerungsrückgang betroffen. Bürgermeister in Salzhemmendorf ist der parteilose Politiker Clemens Pommerening. Von großer wirtschaftlicher Bedeutung war früher die Gewinnung von Salz aus den Solequellen.

Weiter östlich, in Goslar, will am Samstag ein Bürgerbündnis gegen Rechtsextremismus protestieren. Anlass ist die Ankündigung einer Demonstration von Rechtsextremen, die gegen Bürgermeister Oliver Junk (CDU) mobil machen wollen. Der Politiker hatte sich für die Aufnahme von Flüchtlingen in der Stadt im Harz stark gemacht, um damit den Bevölkerungsrückgang zu stoppen.

HAZ-Reporterin Isabel Christian ist vor Ort

dpa/epd/sbü/ska

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