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Der Norden Dieser 15-Jährige hilft bedrohten Tieren
Nachrichten Der Norden Dieser 15-Jährige hilft bedrohten Tieren
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00:17 28.08.2017
„Ich weiß, warum ich das mache“: Max mit Abrielle, einer Poitou-Eseldame. Quelle: George
Neuhaus

Wenn Abrielle ihre Lippen schürzt und dabei leicht zittert, ist das ein gutes Zeichen. Dann mag sie, was Max gerade macht. Max weiß das, er lächelt dann und krault sie noch ein wenig länger. Abrielle ist eine Eseldame, Max ist ein Jugendlicher. In diesem Sommer hat sich für den Jungen erfüllt, wovon er seit Jahren träumt: Seine 100 Tiere haben eine Arche bekommen, und jeder kann sie besuchen.

Tiervernarrt von kleinauf

Neuhaus an der Elbe, der nordöstlichste Zipfel Niedersachsens im Landkreis Lüneburg. Die Straßen laufen in engen Kurven durch satte Wiesen und an mächtigen niedersächsischen Hallenhäusern vorbei, gesäumt von Tausenden Obstbäumen. Störche suchen Frösche im frisch gemähten Gras, Schafe blöken über den Deich. Hier ist Max Jasker groß geworden, ein Rotschopf mit Sommersprossen und hellblauen Augen.

Er konnte gerade laufen, da machte der Junge sich aus seiner Karre auf und davon, sobald der Familienspaziergang an der Schäferei vorbeiführte: Dann rannte der kleine Max zu den Schafen, schlief schon als Zweijähriger erschöpft bei ihnen ein – und seine Eltern fanden den Jungen friedlich am weißen Fell der Lämmer schnarchend.

Heute ist der Kleine groß, ein Junge von 15 Jahren, er wird ein kräftiges Kreuz kriegen, das ist ihm schon anzusehen. Kein Wunder, schließlich arbeitet Max seit Jahren körperlich – jeden Tag. Sein erstes Schaf bekam er mit drei geschenkt, und seit er ungefähr zehn Jahre alt ist, stellt Max mit seiner Tiervernarrtheit das gesamte Familienleben auf den Kopf.

Auf Daisy, das erste Schaf, folgten weitere Schafe, Ziegen und Kaninchen, Gänse und Enten, Hühner und Puten, Lamas, Schweine und Esel. Mittlerweile schart Max rund 100 Lebewesen um sich, und weil viele von ihnen auf der Roten Liste der bestandsbedrohten Nutztiere stehen, nennt er seinen kleinen Bauernhof „Max’ Arche“.

„Viele Leute reden von den Tieren auf der ganzen Welt, die aussterben“, sagt der Junge. „Aber dass auch hier bei uns Rassen bedroht sind, das wissen die wenigsten.“ Und so sucht der Teenager sich seine Mitbewohner nicht nur nach persönlichen Vorlieben aus, sondern auch nach dem Arche-Gedanken: Bei ihm leben Bentheimer Landschafe, Thüringer Waldziegen, Leinegänse, Rotbunte Husumer Schweine, Cröllwitzer Puten, Warzenenten, Vorwerkhühner und Meißner Widder – allesamt auf der Roten Liste, wie auch Poitou-Eseldame Abrielle, gekauft bei Familie Ellermann in Rehburg-Loccum.

Max und seine Arche sind offizieller Teil der Arche-Region Flusslandschaft Elbe, in der mehr als 30 Betriebe zahlreiche Nutztiere von Rassen der Roten Liste halten. Dabei geht es auch um künftige Generationen: Die Arche züchtet die Tiere weiter, manche von ihnen werden dann auch an andere Halter verkauft.

Pferde auf der Wunschliste

Ob er in all den Jahren auch mal die Lust an seinem Projekt verloren hat? „Ja“, sagt der 15-Jährige ganz ehrlich, und die Vermutung liegt nahe, dass er manchmal einfach lieber am Computer daddeln würde wie andere Alters- und Artgenossen. Doch Max meint etwas anderes: Ihm war die Lust vergangen, weil er und seine Familie an den Auflagen der Behörden fast verzweifelt waren und sich der Aufbau der Arche so lange hingezogen hat. Die Lust, im Stall zu arbeiten, die Tiere zu versorgen, vor und nach der Schule: Die ist dem Jungen nie vergangen.

Er hat sogar seine zwei älteren Brüder angesteckt: Christoph, 32, macht für Max die Buchhaltung und kümmert sich um die Internetseite (www.max-arche.de), um Facebook und Instagram. Markus, 29, hilft ebenfalls immer wieder mit aus.

Rund 400 Euro im Monat kostet die Arche an Futter, dazu kommen Ausgaben für Strom und den Tierarzt. Die Familie finanziert die Ausgaben durch Spenden, über Förderprojekte und Tierpatenschaften. Die Jaskers wollen künftig auch mit dem nahe gelegenen Arche-Zentrum kooperieren.

Weit mehr als tausend Menschen haben den Bauernhof in diesem Jahr schon besucht: Gruppen aus Kindergärten, Grundschulen und von Gemeinden, Parkinson-Erkrankte, Wanderer und Tagesausflügler. Und wenn Christoph Jasker sich manchmal fragt, ob er bei der ganzen Arbeit für die Arche seines kleinen Bruders eigentlich noch normal im Kopf ist, dann weiß er auch die Antwort: „Wenn ich die Augen der Kinder sehe bei uns auf dem Hof, dann weiß ich, warum ich das mache.“

Die nächsten Wunschnachbarn sind Dülmener Pferde, ebenfalls eine extrem gefährdete Rasse – aber dafür heißt es erst einmal, Geld einzusammeln.

Von Carolin George

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