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"Ich will nicht mehr unterrichten wie 1950"

Gymnasien "Ich will nicht mehr unterrichten wie 1950"

Nach Ansicht der Philologen hat Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) an den Gymnasien einen Bildungsabbau betrieben. Das sieht der SPD-nahe Arbeitskreis Gymnasien ganz anders. Die Ministerin habe für Gymnasien durchaus wichtige Impulse gesetzt.

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"Ich will moderne Gymnasien": Direktor Reinhold Lüthen aus Rinteln.

Quelle: Philipp Von Ditfurth

Hannover. Der Arbeitskreis Gymnasium, dem rund 60 der SPD nahestehende Direktoren angehören, wehrt sich gegen die Generalkritik des Philologenverbandes an Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD). „Die Philologen sind keineswegs die Stimme aller Gymnasiallehrer, wie sie es immer behaupten“, sagt Reinhold Lüthen (64), seit 16 Jahren Leiter des Gymnasiums Ernestinum in Rinteln. Die Ministerin habe für Gymnasien durchaus wichtige Impulse gesetzt, allem voran die Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren. Insgesamt könne sich ihre Bilanz sehen lassen.

Das Turboabitur sei überstürzt eingeführt worden unter der CDU-geführten Landesregierung, erinnert sich auch Winfried Baßmann, der ehemalige Leiter des Kurt-Schwitters-Gymnasiums in Hannover. Das habe Chaos und große Belastung bei den Schülern produziert.

Die Rückkehr zu G 9, aber auch die begleitenden pädagogischen Maßnahmen, die Stärkung der Berufsorientierung am Gymnasium, die Reduzierung der Klausuren in der Oberstufe und die mögliche Präsentationsprüfung mit Power-Point im Abitur sieht Lüthen als Chance. Das seien Schritte hin zu einer modernen Didaktik. Von den Philologen werden die Maßnahmen sehr gegeißelt, sie sehen darin einen massiven Bildungs- und Qualitätsabbau. „Ich bin nicht Gymnasiallehrer geworden, weil ich so unterrichten wollte wie in den fünfziger Jahren“, betont dagegen Lüthen.

Auch den Ausbau der Ganztagsschule loben die Direktoren, es sei gut, dass jetzt auch verstärkt Lehrer am Nachmittag eingesetzt seien: „Betreuung wird ersetzt durch päadagoisch sinnvolle Arbeit“, sagt Lüthen.Von dem FDP-Plan, Lehrerstunden aus dem Ganztag zu nehmen, um den Pflichtunterricht sicherzustellen, hält der Arbeitskreis nicht. „Das ist wieder Ganztagsschule light, das hatten wir schon mal“, sagt Baßmann.

Um Unterrichtsversorgung mache er sich keine Sorgen, sagt Lüthen: „Ich war noch nie so entspannt.“ Zwischen 2013 und 2917 seien mehr als 3100 zusätzliche Stellen geschaffen worden, hinzu kämen die zwei Poolstunden pro Klasse in der Sekundarstufe I.

Längst überfällig sei die probeweise Einführung des Faches Wert und Normen an der Grundschule. Rund zwölf Grundschulen nehmen seit diesem Schuljahr an einem entsprechenden Modellversuch teil. Es könne nicht ein, dass man ein Viertel der Grundschüler, immerhin rund 73 000 Kinder, weiterhin in den Religionsunterricht zwinge oder währenddessen zum Spielen auf den Schulhof schicke, findet Baßmann.

Handlungssbedarf sehen die Direktoren aber auch. Bei der Inklusion brächten die Schulen keine Pause, sondern dringend mehr personelle Unterstützung. „Wir setzen auf multiprofessionelle Teams.“

Und eine große Baustelle bleibe das Thema Lehrerarbeitszeit. Hier müsse man auf die Ergebnisse der von Heiligenstadt eingerichteten Kommission warten. Von der heißt es, dass erste Ergebnisse bereits im Herbst veröffentlicht werden sollen.

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