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Der Norden Die Bombensucher von Nordhorn
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00:22 07.12.2014
Von Karl Doeleke
Seit einigen Jahren wird das Gelände des Übungsplatzes Nordhorn Range mühsam mit Sonde und Spaten von Munitionsresten befreit. Quelle: von Ditfurth
Nordhorn

Man könnte jetzt sagen, das ist mal wieder typisch Deutsch. Seitdem die Bundeswehr auf dem Luft-­Boden-Schießplatz Nordhorn Range im äußersten Westen Niedersachsens das Sagen hat, wird hier aufgeräumt. Und zwar jede einzelne Übungsbombe, die eines der Nato-Flugzeuge über dem Waldstück in der Grafschaft Bentheim abgeworfen hat. Noch am selben Tag, wie Major Hanjo Neue betont.

Knapp 2000-mal im Jahr passiert das, als Ziele dienen ausrangierte Schiffscontainer, die auf dem Freigelände stehen. Hier üben „alle fliegenden Waffensysteme der Bundeswehr und der Nato-Partner“, berichtet Major Neue, der seit August das Kommando auf der Nordhorn Range hat. Sie ist der letzte verbliebene Trainingsflugplatz in Deutschland.

So gründlich aufgeräumt wie er haben die vorherigen Nutzer nie, die Wehrmacht nicht und auch nicht die Royal Air Force, die das Gelände seit Kriegsende bis 2001 genutzt hat. Man kann also nicht behaupten, dass die Briten das sieben mal acht Kilometer große Gelände „besenrein“ übergeben haben. Im Gegenteil. Sie haben der Bundeswehr vor 13 Jahren ein explosives Erbe hinterlassen. „Die haben hier alles reingeholzt, was die so hatten“ erzählt Neue, in 8000 bis 12 000 Flügen pro Jahr.

Darum liegen hier Hunderte Tonnen Altlasten in den Wäldern und auf der offenen Fläche. Das ist gefährlich, weil das Gelände nicht umzäunt ist. Schilder im Sperrgebiet verbieten das Betreten, und doch könnten Jäger, Pilzsammler oder Tiere von einem der Blindgänger verletzt werden, die zu Tausenden im Boden liegen oder kaum erkennbar im Gestrüpp. Bisher ist nichts passiert.

Seit 80 Jahren wird hier geschossen

Auf der Nordhorn Range wird seit etwa 80 Jahren geschossen. Zunächst nutzte die Wehrmacht das Gelände, das ihr die Industriellenfamilie Krupp 1933 zur Verfügung gestellt hatte, für Artillerieübungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten die Briten den Platz ab 1947 für Luft-Boden-Übungen. Schon bald setzte Kritik der Bevölkerung ein, weil immer wieder Geschosse außerhalb des Geländes landeten – so auch in diesem März.
Seit 2001 ist die Bundeswehr für den Platz zuständig. Zuletzt machte sich eine Bürgerinitiative für die Schließung des Geländes stark. Entlastung sollte die Verlegung einiger Flüge nach Wittstock bringen. Doch das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg verbot dortige Tiefflüge. Da auch die Siegburg Range in Bayern geschlossen wurde, ist Nordhorn der letzte verbliebene derartige Übungsplatz in Deutschland. doe

52 Tonnen Munitionsreste haben private Kampfmittelbeseitigungstrupps allein in diesem Jahr aus dem Boden geholt. Es ist eine mühsame Arbeit, die sie hier im Auftrag der Bundeswehr seit einigen Jahren erledigen. Männer mit Sonden tasten den Boden ab. Schlagen die Geräte aus, kommen andere Mitarbeiter und graben. So kommen Munitionssplitter zum Vorschein oder ungefährliche Geschosshülsen, aber eben auch Blindgänger, deren Geschossköpfe noch scharf sind. Für dieses Jahr ist die Räumkampagne fast beendet, doch im nächsten Jahr geht es weiter. Die Trupps haben 34 Hektar freigeräumt – das ganze Gelände ist 2300 Hektar groß.

Auch die Wälder auf der Nordhorn Range müssen geräumt werden. Sie wurden in den fünfziger Jahren gepflanzt, aber Bundesförster Andreas Weltring ist nicht zufrieden mit dem Bestand. Er spricht von „monotonen, einschichtigen Wäldern“. Da kam im Frühjahr ganz recht, dass die Nadelbäume so hoch gewachsen sind, dass sie die Sicht aus dem Beobachtungsturm auf das Übungsgeschehen inzwischen verstellen. Jetzt, wo der Wald zum Teil freigeräumt ist, kann er die Nadelbäume fällen lassen und neue Bäume pflanzen – hauptsächlich Eichen und Buchen will er setzen. „Die Birke wird von selbst einfliegen“, sagt Weltring. Und etwas lichter soll der Wald werden, damit der bodenbrütende Ziegenmelker eine artgerechtere Heimat findet. Denn die Nordhorn Range ist nicht nur Schießplatz, sondern auch Natur- und Vogelschutzgebiet. Und irgendwann vielleicht auch frei von Bomben.

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